Interpunktionsdiarrhö
Veröffentlicht: 23.07.2009 Einsortiert unter: Mein Senf dazu | Tags: Perlen der deutschen Sprache, Sprachkram Schreibe einen Kommentar »Viele Leute durchsetzen ihre schriftlichen Äußerungen mit Clustern von Ausrufungs- und Fragezeichen. Ein einzelnes Fragezeichen scheint den Fragecharakter einer Frage oft nicht angemessen auszudrücken, und ein einfaches Ausrufungszeichen wird der Dringlichkeit mancher Äußerungen anscheinend nicht gerecht. Derlei kommt an vielen Stellen vor, wo jemand schriftliche Äußerungen an eine Öffentlichkeit richtet, z.B. auf Schildern in Läden, Bahnhöfen, Hasfluren usw.
Wenn kein gekauftes Standardschild (“Ausfahrt freihalten!” oder “Hinauslehnen verboten!”) verwendet wird, sondern Leute die Schilder selbst basteln, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass mehr Interpunktion als nötig verwendet wird. Das führt dann zu Preziosen wie “Tür, immer schließen ! ! !” oder “Kaffee?? Nur mit Untertasse”. Gelegentlich hört man die Genervtheit durch, die den Anlass für das Schild liefert: “Wir sind keine Wechselstube!! Wir wechseln nur für unsere KUNDEN!!!”
Witzig wird es, wenn die übermäßige Verwendung von Interpunktionszeichen die Bedeutung einer Äußerung verändert. “Job gefällig???? Wir stellen ein…“ Mit einem Fragezeichen hätte man einfach Leute angesprochen, die einen Job suchen. Mit vier Fragezeichen bedeutet es eher sowas wie Was wollen Sie? Einen Job? Ganz in echt jetzt? Auf was die Leute nicht alles kommen!
Hmja, soll’s geben…
“We have voices over the phone!”
Veröffentlicht: 21.07.2009 Einsortiert unter: Mein Senf dazu | Tags: Moderne Technik, Schöne neue Welt Schreibe einen Kommentar »Neulich erlebt: Termin mit ein paar Dutzend Teilnehmern an drei Standorten, Netmeeting mit Telefonkonferenz. Ein Kollege trägt per Telefon was vor, und immer wieder sind Gesprächsfetzen zu hören, die nicht zu seinem Vortrag gehören und offensichtlich nicht von seinem Telefon kommen. Wiederholte Aufrufe an die Teilnehmer, doch bitte die Telefone stummzuschalten. Es trillert und piepst vom vielen Tastendrücken, als die Leute versuchen, dem nachzukommen. Das Fremdgespräch geht unbeeindruckt weiter. Der Vortrag wird unterbrochen, eine Diskussion über mögliche Maßnahmen bricht aus. Jemand sagt mit großer Dringlichkeit: We have voices over the phone! (Als wäre das mit den Stimmen nicht der Hauptzweck des Telefons überhaupt.) Nach ein paar Minuten einigt man sich, trotz Störgeräuschen den Vortrag wieder aufzunehmen. Mittlerweile sind es zwei Gespräche, die wir mithören. Dazu kommt noch der Lärm von einem, der auf sein Mikrofon atmet und es ständig irgendwo gegenschlägt. Wiederholte Aufrufe an die Teilnehmer, doch bitte die Telefone stummzuschalten. Et cetera ad nauseam.
Textqualität? Eigene Nase!
Veröffentlicht: 11.07.2009 Einsortiert unter: Mein Senf dazu | Tags: Übersetzeralltag, Die Welt an sich Schreibe einen Kommentar »Als Übersetzer setze ich mich tagaus tagein mit den Elaboraten mehr oder minder begabter Autoren auseinander. Ich muss das Zeug einigermaßen detailliert verstehen, um es angemessen ins Deutsche übersetzen zu können. Bei Benutzungsoberflächen und technischer Dokumentation müssen in sich stimmig sein und zueinander passen, sonst kann der Benutzer am Ende die Software nicht gescheit benutzen. Schlimmstenfalls legt ein durch die fehlerhafte Übersetzung schlechter Dokumentation verursachter Bedienfehler das Produktivsystem einer Bank lahm. Dann ist die Bank zu Recht ärgerlich, und es gibt Stunk. Selbst wenn man versichert ist will man das ja nicht.
Übersetzen beinhaltet immer eine Art Qualitätskontrolle, umsomehr wenn man als Festangestellter nicht nach übersetzten Zeilen bezahlt wird, sondern nach Arbeitszeit. Viele Übersetzer sind Perfektionisten und glauben insgeheim, eigentlich die besseren Autoren zu sein. Man sieht ja immer die Fehler der technischen Redakteure, die missverständlichen Formulierungen, die verquasten Endlossätze, die terminologische Inkonsistenz. Könnte man alles viel besser. Aber echt.
Ich muss zugeben, dass ich meistens so denke, und ich glaube, diese Haltung auch bei Übersetzerkollegen auszumachen. Das geht auch ganz gut, bis Den Rest des Beitrags lesen »
Nicht zuendegedacht
Veröffentlicht: 06.07.2009 Einsortiert unter: Mein Senf dazu | Tags: Die Welt an sich, Kopfschüttel Schreibe einen Kommentar »Die Androhung, widerrechtlich geparkte Fahrzeuge abschleppen zu lassen, ist hierzulande gang und gäbe. Bei Kfz hat man im Ernstfall auch kaum Probleme, den Fahrzeughalter zu ermitteln oder ermitteln zu lassen. Außerdem sind Autos in der Regel so teuer, dass die Besitzer sie nicht einfach aufgeben, und die Kosten für den Abschleppdienst nur einen Bruchteil des Wertes eines Autos ausmachen. Es lohnt sich im Normalfall also für den Besitzer, die Abschleppkosten zu begleichen, um sein Auto wiederzukriegen.
Aber Fahrräder? Den Rest des Beitrags lesen »
Freundlicher als üblich
Veröffentlicht: 03.07.2009 Einsortiert unter: Mein Senf dazu | Tags: Blume am Wegrand, Unterwegs Schreibe einen Kommentar »Die Aufforderung Ausfahrt freihalten! oder Einfahrt freihalten! ist ja nicht ungewöhnlich. Entsprechende Schilder hängen an vielen Garagentoren und Hofeinfahrten.
Hier hat sich jemand die Mühe gemacht, das ein bisschen freundlicher zu sagen, als es normalerweise gemacht wird:
Nett, das!
Gerät arbeitslos, Kundendienst befohlen
Veröffentlicht: 01.07.2009 Einsortiert unter: Mein Senf dazu | Tags: Übergesetzt, Sprachkram, Tschörmenie schpieks Englisch Schreibe einen Kommentar »In einer großen, international tätigen Firma mit Firmensprache Englisch muss auch der Caterer seine Mitteilungen auf Englisch machen. Wahrscheinlich hat er das im Vertrag stehen. Damit hat der Caterer ein Problem: Sein Personal soll Kaffeemaschinen befüllen und reinigen, Geschirrspülmaschinen bedienen, Süßigkeiten und Getränke verkaufen, Tische in Pausenräumen abwischen. Dazu muss man kein Englisch können. Bei den meisten Leuten, die sich auf diese Stellen bewerben, sind wohl kaum brauchbare Englischkenntnisse zu erwarten. Klar, man kann sich mit Schul-Englisch ganz passabel im Alltag durchschlagen, aber Schriftliches produziert man damit nicht so ohne weiteres.
Trotzdem muss irgendwer die englischen Texte für Aushänge und Mitteilungen liefern. Die paar Zeilen professionell übersetzen zu lassen kommt den Leuten wahrscheinlich nicht in den Sinn. Zwar gibt es im Haus eine Reihe Englischübersetzer, aber der Caterer kennt die natürlich nicht, und offiziell dürfte er die sicher nicht um Unterstützung bitten. Also wird jemand mit Wörterbuch und Google drangesetzt, die Mitteilungen über defekte Kaffeemaschinen und ähnliches ins Englische zu kriegen. Die Ergebnisse sind meistens sehr liebenswert und oft unfreiwillig komisch. Den Rest des Beitrags lesen »

