Duftwolke

Ich sitze im Zug, ungefähr in der Mitte des Wagens. Eine Frau steigt ein und sofort riecht es, als wäre eine Flasche Kölnisch Wasser explodiert.

Jetzt kann ich nachvollziehen, was meine Großeltern durchgemacht haben müssen, als ich mit drei oder vier Jahren den Zerstäuber mit Kölnisch Wasser leergesprüht habe, den meine Oma vor dem Garderobenspiegel stehen hatte.

Gegen den Duft hilft ja fast nichts…


Von der Dunkelheit

Neulich gesehen:

Das klingt – wie viele solche Kalendersprüche – erstmal beeindruckend. Und dann kommen erste Zweifel – die Sterne scheinen ja auch, wenn es drumherum hell ist. Eine Kerze verbreitet ihr Licht völlig unabhängig davon, ob sie in einem dunklen Keller brennt oder im prallen Sommersonnenlicht.

Ob man das Licht sieht, ob man das so oder so vonstatten gehende Scheinen also wahrnimmt, ist eine andere Frage, und darauf zielt der vermutlich jugendliche Filzstiftartist mit seinem Sternenspruch sicher ab. Wenn’s hell ist, Den Rest des Beitrags lesen »


Der richtige Ort

Neulich in der Bahn. Genauer gesagt, in der Toilette eines handelsüblichen IC. An der Wand ein Spiegel, darunter Seifenspender, Handtuchspender, Knopf zum Starten des Wassers, Wasserrohr. Darunter das Waschbecken. In der Nähe der Bedienelemente jeweils ein Aufkleber mit einem erklärenden Piktogramm. Soweit so gut, alles wie gewohnt. Tausendmal gesehen:

zugtoilette

Wenn man aber nicht mit den Augen sehen kann? Für diesen Fall hat die Bahn die Piktogramme sinnvollerweise um Braillebeschriftungen ergänzt:

piktogramm_kein_trinkwasser piktogramm_handtuecher

Da steht dann wie zu erwarten Seife, Kein Trinkwasser und Handtücher drauf, sodass auch Blinde wissen, was es da gibt. Der Knopf zum Einschalten des Wassers trägt zwar ein Piktogramm, aber kurioserweise keine Braille-Beschriftung. Dass man dort das Wasser einschaltet, muss man raten, wenn man nicht visuell sieht. Aber gut, was soll es da schon geben als einen Wassereinschaltknopf?

Was mich an den Beschriftungen stutzig macht Den Rest des Beitrags lesen »


Windsturm

In der von mir schon einmal erwähnten Fotorubrik Momentaufnahme bei Zeit Online steht derzeit ein Bild von Ahmad Masood mit der Unterschrift Windsturm in Kabul, Afghanistan. Ein tolles Foto, es zeigt die Silhouette eines Menschen mit einem Eimer, Koffer o.ä. zwischen einem Baum und einem nicht näher erkennbaren klobigen Gebilde, ein Scherenschnitt in Sepia.

Aber was ist denn ein Windsturm? Gegen was für eine andere Sorte Sturm wollen die denn das abgrenzen? Sturm im eigentlichen Sinn ist doch immer Wind, ins Extrem gesteigerter Wind. Sehr schnelle Luft. Sturmwind meinetwegen, auch wenn das nicht recht zu einer nüchternen Nachrichtenseite passt. (Und zur boulevardesken Überdramatisierung eignet sich Sturmwind auch irgendwie nicht.)

Natürlich gibt es auch andere Arten Sturm, den auf die Bastille etwa und den neuen shitstorm oder auch den hoffentlich so bald nicht mehr benötigten ungedienten Landsturm. Schnee-, Sonnen- und Jahrhundertsturm. Aber Windsturm? Also bitte.

Bei Reuters steht das Bild übrigens in einer Galerie mit dem Titel Storms of sand, und in der Bildunterschrift ist von einem dust storm die Rede.

P.S.: Weitere Stilblüten aus den Federn von Bilderklärungsbeauftragten verschiedener deutschsprachiger Medien gibt es beim Kollegen nömix zu bestaunen.


Leichtbauweise

filigrane_fluegel

Neulich bei schlechtem Licht auf weißen Fliesen gesehen. Das Tier war etwas ungeduldig, für gute Beleuchtung war deshalb keine Zeit.

Jedenfalls finde ich es faszinierend, wie filigran die Flügel sind, die bestehen ja fast aus nichts…


Nur mit gültiger Fahrkarte

Vor einer Weile habe ich über das Bahnfahren ohne gültigen Fahrausweis geschrieben. Genauer gesagt, über die Formulierung von Ermahnungen an Fahrgäste, doch bitte lieber eine Fahrkarte zu lösen, weil ohne Fahrkarte erwischt zu werden teuer und unangenehm ist. Anlass war ein etwas langatmiger Text dieser Art, der zu winkeladvokatischen Verdrehungen geradezu einlädt.

Später habe ich dann eine Serie vielleicht fast ein bisschen unfreundlich, aber immerhin halbwegs klar und wasserdicht formulierter Aufkleber vorgestellt vorgestellt. Die schwarze Version hatte noch überflüssigen Ballast, die rote Version war knapp und auf den Punkt.

Jetzt habe ich in einer Regionalbahn einen schon etwas älteren Aufkleber gefunden, der klar und deutlich, sachlich und dabei nicht unfreundlich formuliert ist:

Das, muss ich sagen, finde ich gelungen.

Und das hier auch:

Da weiß man, worauf man sich einlässt.


Ausgefranst

braungeraendert


Verlaufen

verlaufen


Rauchen und Zutritt streng verboten

zutritt_und_rauchen_streng_verboten

Hier mal eine Zerfallsspur von mir, hatte ich ja länger nicht mehr


Fast zwei

Sehr verehrte Fahrgäste, in wenigen Minuten erreichen wir Offenburg.

Ein kleines (wie die Mutter später mitteilt knapp zweijähriges) Mädchen in der übernächsten Sitzgruppe fragt (natürlich so laut, dass der ganze Waggon mithört): Was ist Offenburg?
Mutter: Eine Stadt.
Mädchen: Was für eine Stadt?
Mutter:

In diesem Augenblick erreichen wir in den Bahnhof von Offenburg. Dort gibt es viel zu sehen und das Gespräch schläft ein. In Offenburg steigt eine Frau ein. Sie kommt den Gang entlang und setzt sich auf einen freien Platz dem kleinen Mädchen schräg gegenüber.

Mädchen: Kuckmal, Mama, da sitzt ein Mann.
Mutter, zärtlich amüsiert: Ist das wirklich ein Mann? Das ist ein Mann [deutet auf einen Mann nebenan], und das ist ein Mann [zeigt auf noch einen Mann in Sichtweite]. Schau nochmal genau hin.
Mädchen:
Mutter: Das ist eine Frau. Was bist denn Du?
Mädchen, wie aus der Pistole geschossen: Eins.


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