Fahrbare Stereoanlage

Auf dem Weg zur Arbeit komme ich am Mitarbeiterparkplatz einer großen Firma vorbei. Dort steht gelegentlich ein ältlicher VW Polo. Die Rücksitze fehlen, und stattdessen steht eine waschmaschinengroße Lautsprecherbox aus Sperrholz drin. Schön selbstgebaut, mit Bleistiftmarkierungen und Schrauben. Zwei gut suppentellergroße Lautsprecher zeigen nach vorn. Obendrauf ist ein backblechgroßer Verstärker mit Zurrgurten festgemacht.

Jetzt frage ich mich, wozu man so eine Anlage im Auto braucht. Sogar wenn man seine Musik eher laut hört, sollte eine handelsübliche Stereoanlage mit normal proportionierten Lautsprechern ausreichen. Wenn man die Leistung dieses Eigenbaus ausnutzt, verliert man wegen der Vibrationen wahrscheinlich irgendwann Stoßstangen, Scheibenwischer und Auspuff.

Beeinträchtigt das Gewummere eigentlich die Bodenhaftung der Reifen? Müsste der, wenn er mit voll aufgedrehter Anlage bei Glatteis an der Ampel steht, nicht irgendwann einfach wegen der Vibrationen sachte von der Straße rutschen? Und wie gut kann man sich bei 112dB überhaupt aufs Fahren konzentrieren? Man hört doch dann keine Hupe, kein Martin-Horn, nichts. Je nach Musikstil dürfte einem nicht einmal der Verlust des eigenen Auspuffs auffallen.

Kopfhörer am Steuer sind aus gutem Grund verboten, aber mit so einer Kiste kann man sich die Ohren genauso effektiv und dazu noch legal zudröhnen. Eigentlich sollten die Leistung und die höchstmögliche Lautstärke von Stereoanlagen in Autos per Gesetz begrenzt werden. Wenn – wie neulich passiert – ein Auto 50m von mir entfernt mit geschlossenen Fenstern an einer Ampel steht und ich nicht nur höre, was da für Musik läuft (Herbert Grönemeyer), sondern den Text verstehen kann, ist das eindeutig zu laut für den Fahrer. Muss zu laut sein.

Wer so laut Musik hören will, soll das zuhause oder in der Disko tun. Wer auf das tolle Gefühl nicht verzichten will, in einer fahrbahren Beschallungsanlage durch die Gegend zu brettern, soll sich einen Fahrsimulator zulegen oder basteln. Das ist sicher ungefährlicher…

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3 Kommentare on “Fahrbare Stereoanlage”

  1. […] machen. Radfahrer sind im Straßenverkehr im wesentlichen Störfaktoren, schlimmer als Fußgänger, fahrbare Stereoanlagen und Baustellen […]

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  2. […] Angelegenheiten sind, gibt es dort immer wieder Interessantes zu sehen. Manchmal muss man genau hinschauen, manchmal drängt es sich auf. Dass Leute sich immer wieder kurios verhalten, ist an sich […]

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  3. […] eindeutig als fahrbare Stereoanlage, spielt aber ästhetisch in einer ganz anderen Liga als der hier (leider ohne Foto) erwähnte krude […]

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In den Wald hineinrufen

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