Grenzen der Technik

Es erstaunt mich immer wieder, wieviel Kleidungsstücke Kinder in kürzester Zeit verbrauchen können. Meine vierjährige Tochter zum Beispiel hätte kein Problem damit, den gesamten Bestand an frischen Sachen in ihrem Kleiderschrank innerhalb von zwei, drei Tagen zu verbrauchen. Sie hat, wie wohl jeder, ihre Lieblingssachen. Und sie zieht sich gern nach Stimmung an. Die Strumpfhose von gestern ist heute meistens nicht mehr genehm und kann auf keinen Fall angezogen werden. Und zu der neuen passt natürlich der Pullover nicht, also muss ein neuer Pullover her. Dann kratzt das Etikett vom Unterhemd. Außerdem will sie sich verkleiden und zieht dann noch ein Kleidchen über alles drüber. Dann merkt sie, dass es das falsche Kleid ist, weil dieses entweder zu eng ist, oder zu lang oder zu kurz oder die falsche Farbe hat. Also noch ein Kleid. Dann werden beim Händewaschen die Ärmel nass, und der Pullover muss sofort gewechselt werden. Dann kommen die normalen Unglücke dazu, die jedem mal passieren: Beim Essen gekleckert, das Klo nicht rechtzeitig erreicht, die kleine Schwester patscht mit Brei und man kriegt es ab usw.

Sie könnte den ganzen Tag damit verbringen, sich umzuziehen, zu verkleiden, neue Sachen anzuprobieren. Das macht sie überall in der Wohnung, und die ausgezogenen Sachen lässt sie meistens da liegen, wo sie grad ist. Oder sie legt sie ordentlich auf einen Stuhl, in ein Regal, aufs Sofa. Und die kleine Schwester zieht dann mit Triumpfgeheul durch die Wohnung und verstreut alles, was sie erreichen kann, gleichmäßig auf dem verfügbaren Fußboden. Das führt dazu, dass man in der Regel nichts wiederfindet, vor allem nicht dann, wenn es eilig ist.

Die Socken? Keine Ahnung, wo hast Du die denn hingelegt? Entweder weiß sie es nicht mehr, oder sie sind dank der kleinen Schwester nicht mehr da, wo sie sie hingelegt hatte. Überall liegen einzelne Socken herum, aber es ist fast unmöglich, ein Paar vollständig zu machen.

Es hätte was, alle Kleidungsstücke meiner Kinder mit RFIDs auszustatten. Dann könnte ich mir von jeder Socke, jedem Hausschuh, jedem Faden Stoff den genauen Standort in der Wohnung auf einem Grundrissplan anzeigen lassen. Mit geeigneter Software wäre auch die Anzeige einer Peillinie auf dem Handydisplay möglich. Nie mehr zweite Socken suchen, nie mehr Drama, weil das einzig tragenswerte Unterhemd der Welt, das mit Prinzessin Lillifee drauf, verschollen ist. Drei von vier Problemen beim Anziehen wären gelöst.

Übrig bleibt aber die Frage, wie oft man sich pro Tag umziehen darf. Ob man mit einer neuen Strumpfhose auch gleich Pullover, Unterhemd, Jeans neu aussuchen darf. Ob nicht getragene Sachen in die Wäsche gehören, die muffig riechen, weil sie drei Tage lang zusammengeknüllt in einer Plastiktüte oder unter dem Sofa gelegen haben. Für das Problem fällt mir leider keine technische Lösung ein.


2 Kommentare on “Grenzen der Technik”

  1. […] hatte ich hier die Idee ausgebreitet, das Kleiderchaos meiner Tochter durch Einsatz von RFIDs einzudämmen. Das […]

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  2. […] jede Menge, ähm, praktische Lebenshilfe. Man denke nur an die Fernsteuerung von Rinderherden, das Tracking von Kleidungsstücken, die Marmeladenbrotmaschine oder das Magnetschwebegeschirr. Wo wäre unsere Zivilisation ohne all […]

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In den Wald hineinrufen

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