Gerät arbeitslos, Kundendienst befohlen

In einer großen, international tätigen Firma mit Firmensprache Englisch muss auch der Caterer seine Mitteilungen auf Englisch machen. Wahrscheinlich hat er das im Vertrag stehen. Damit hat der Caterer ein Problem: Sein Personal soll Kaffeemaschinen befüllen und reinigen, Geschirrspülmaschinen bedienen, Süßigkeiten und Getränke verkaufen, Tische in Pausenräumen abwischen. Dazu muss man kein Englisch können. Bei den meisten Leuten, die sich auf diese Stellen bewerben, sind wohl kaum brauchbare Englischkenntnisse zu erwarten. Klar, man kann sich mit Schul-Englisch ganz passabel im Alltag durchschlagen, aber Schriftliches produziert man damit nicht so ohne weiteres.

Trotzdem muss irgendwer die englischen Texte für Aushänge und Mitteilungen liefern. Die paar Zeilen professionell übersetzen zu lassen kommt den Leuten wahrscheinlich nicht in den Sinn. Zwar gibt es im Haus eine Reihe Englischübersetzer, aber der Caterer kennt die natürlich nicht, und offiziell dürfte er die sicher nicht um Unterstützung bitten. Also wird jemand mit Wörterbuch und Google drangesetzt, die Mitteilungen über defekte Kaffeemaschinen und ähnliches ins Englische zu kriegen. Die Ergebnisse sind meistens sehr liebenswert und oft unfreiwillig komisch. Hier zum Beispiel:

Ärgerlich an der Sache ist, dass dieser Caterer nicht ein kleiner Provinzunternehmer mit ein paar Dutzend Angestellten ist, sondern ein international tätiges Unternehmen mit derzeit 9000 Mitarbeitern und 800 Kunden. Bei einem Handwerksbetrieb oder einer kleinen in der Region tätigen Firma würde ich keinen hochprofessionell durchgestylten Auftritt erwarten. Aber von einer großen Firma mit hohen Ansprüchen an sich selbst sollte man mehr erwarten können.

Weshalb machen die sich nicht die Mühe, diese Texte zentral zu schreiben und professionell übersetzen zu lassen? Selbst wenn es einem lächerlich vorkommt, für einmal Gerät ist kaputt, Kundendienst ist verständigt ein Übersetzungsbüro zu beauftragen – ein gut geschriebener und übersetzter Text macht einen viel besseren Eindruck als ein unbeholfener Text mit einer verkorksten Übersetzung. Das ist wie sauber abgewischte Oberflächen und gebügelte Arbeitskleidung – das fällt erst auf, wenn es fehlt.

Vielleicht bin ich als Übersetzer zu pingelig, aber ich finde, dass diese Texte auch eine Art Aushängeschild des Caterers sind. Und wenn jemand sich nicht die Mühe macht, sich seinen Kunden gegenüber einigermaßen korrekt und verständlich auszudrücken, frage ich mich, wie ernst er seine Kunden nimmt. Allerdings muss ich zugeben: Die Leute sind immer sehr freundlich, die Kaffeemaschinen sind sauber und es gibt immer genug sauberes Geschirr. Seinen eigentlichen Job macht der Caterer gut, und ich beklage hier wahrscheinlich ein Luxusproblem. Perfektionistenschicksal…

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