Datümer

Beim Übersetzen begegnen mir immer wieder kuriose Texte. Gerade von Software-Entwicklern verfasste Dokumentation ist eine unerschöpfliche Quelle von Stilblüten. Vor kurzem ist mir zum Beispiel das schöne Wort Datümer begegnet. Das kam so daher:

Sie können einzelne Beginn- und Endedatümer eingeben oder Intervalle für diese Datümer erfassen.

Grundsätzlich finde ich es durchaus sinnvoll, für Daten (in der Bedeutung „Zahlenmaterial im weitesten Sinn“) und Daten (Plural von Datum) zwei unterschiedliche Wörter zu haben. Die Unterscheidung kann manchmal schon wichtig sein, gerade wenn es um die Konfiguration von Software geht, in der beide Sorten Daten vorkommen. Auf Englisch gibt es dafür sinnvollerweise data und dates. Auf Deutsch kann man diese Unterscheidung nicht so ohne weiteres eindeutig und lesbar wiedergeben.

Wenn sich der Sinn nicht sowieso aus dem Kontext ableiten lässt, muss man es es mehr oder weniger umständlich umschreiben. Und das kann einen Text holperig machen. Da nehme ich meistens lieber die mögliche Doppeldeutigkeit in Kauf und schreibe Daten. Immerhin muss ich sprachlich korrekte Texte abliefern. Die Uneindeutigkeit ist kein Weltuntergang, aber zumindest ein kleiner Schönheitsfehler. Als Perfektionist ärgere ich mich über sowas.

So unbedarft Software-Entwickler in Sachen Sprachgebrauch oft sind, hier haben sie sich was Sinnvolles ausgedacht. Jetzt müssen die Datümer nur noch den Weg in den Duden finden.

Nachtrag (05.04.2011): Der Beitrag klingt mir jetzt dann doch zu Datümer-freundlich. Ich bin mir natürlich im Klaren darüber, dass das -tum in Datum eine lateinische Substantivendung ist und und mit dem deutschen Suffix -tum nichts zu tun hat. Die Pluralbildung ist deshalb auch unterschiedlich: Hier Datum – Daten wie Votum – Voten, dort Irrtum – Irrtümer. Wenn Datum, im Gegensatz zu den anderen auf -tum endenden lateinischen Fremdwörtern, den Plural analog zu deutschen Wörtern auf -tum bilden würde, würde das suggerieren, dass es kein lateinisches Fremdwort ist. Da könnte man sich fragen, was Datum bedeuten soll. Vielleicht wäre Datum dann synonym zu Dorttum, antonym zu Hiertum? Die säuberlich getrennte Pluralbildung hilft, solche Unklarheiten zu vermeiden.

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In den Wald hineinrufen

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