Pelle hat alles dabei

Neulich habe ich mich am Beispiel von Petzi rettet Prinzessin Nana darüber ausgelassen, dass Kinderbücher oft derart schlampig zusammengeschustert werden, dass man den Verstand vor der Lektüre am besten ausschalten sollte, wenn man sich nicht ärgern will. Man glaubt kaum, was da manchmal für haarsträubender Unsinn als Geschichte verkauft wird. Als ob Kinder es nicht wert sind, dass man sich Mühe mit den Geschichten gibt, die man für sie schreibt. Oder als ob die so blöd wären, jeden Unsinn zu schlucken und auch noch toll zu finden.

Dabei geht es ja auch anders. Ich kenne viele Kinderbücher, in denen die Handlung plausibel und in sich logisch ist, auch wenn jede Menge surreale Elemente enthalten sind. Eine Vorreiterin war Astrid Lindgren mit Figuren wie Pippi Langstrumpf, Karlsson vom Dach und vielen Geschichten, die in Traumwelten spielen oder wo die reale Welt mit Traumwelten verwoben ist und nur Kinder aus der einen in die andere wechseln können.

Ein moderneres Beispiel sind die Pettersson-Bücher von Sven Nordqvist, zufällig auch aus Schweden. Die Geschichten sind teils etwas verschroben, aber nett erzählt und spannend. Da kommen sprechende Tiere, Fabelwesen und andere fantastische Dinge vor, und die Illustrationen sind voll von Skurrilitäten: In fast jedem Bild findet sich etwas in völlig falschem Maßstab (ein Stiefel als riesiger Fels im Wald, oder ein Bootssteg in einer Pfütze unter der Regenrinne) oder etwas ansonsten Unmögliches (etwa Zwerge, die zwischen den Wurzeln eine kleine Eisenbahn gebaut haben, oder ein Fisch, der sich unter einer Tanne versteckt). Diese Dinge sind aber witzig und wirken nicht fehl am Platz. Sie fordern Kinder freundlich heraus, ihr Weltwissen anzuwenden und das, was sie sehen, daran zu messen und einzuordnen. So lernen Kinder selbständiges Denken.

Dabei ist es meiner Meinung nach weniger wichtig, ob in einer Geschichte offensichtlich unmögliche Dinge vorkommen, sondern wie sie eingebaut werden. Wenn Pippi Langstrumpf ihr Pferd durch die Gegend trägt, passt das zu der Figur und ist witzig. Wenn Petzi mit Fernrohr plötzlich weit über das Meer sehen kann, wo ihm die Wellen ohne Fernrohr die Sicht versperrt hatten, ist das Unsinn. Ich jedenfalls finde es bescheuert. Meine Kinder können da ein Lied von singen…

Obwohl, zu Petzi muss ich jetzt noch nachschieben, dass da auch nicht alles schlecht ist: Wann immer Petzi und seine Freunde etwas brauchen, fragen sie Pelle, den Pelikan. Egal ob es Handtücher sind, Geschirr, Lebensmittel – er hat es in ausreichender Menge dabei, und zwar in seinem Schnabel. Pelikane haben ja bekanntlich einen mit dem Unterschnabel verbundenen sehr großen Kehlsack, da kann man dann schon mal Ausrüstung und Vorräte drin lagern. Das ist in Wirklichkeit natürlich völlig unmöglich, illustriert aber ein tatsächlich vorhandenes Merkmal der Pelikane (den auffälligen Kehlsack nämlich). Und darum ist es gerade gut für Kinder. Die haben beim Entdecken solcher Sachen manchmal eine diebische Freude, und schon dafür lohnt es sich. Und als Running Gag ist das mit Pelles Schnabel ziemlich gelungen. Davon braucht es noch viel mehr!


One Comment on “Pelle hat alles dabei”

  1. […] mich jetzt eher schaudern, etwa die Mecki-Bücher, oder die in früheren Beiträgen (hier und hier) schon erwähnten […]

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