Hirnfürze und geniale Ideen

Manchmal habe ich Ideen, manchmal sogar ziemlich gute. Ich habe mir schon einige geniale Dinge ausgedacht, manchmal eher simple, manchmal eher komplizierte. Vor Jahren ist mir z.B. mal die Idee gekommen, eine Braille-Ausgabezeile zu bauen, um Blinden die Benutzung von Computern zu ermöglichen. Das Ding sollte mit Metallstiften arbeiten, die über Elektromagneten oder so gesteuert werden. Die Idee hatte leider schon jemand vor mir gehabt, nämlich David Abrahams im Jahr 1951, das wusste ich zu dem Zeitpunkt aber nicht. (Gut, das kann jeder behaupten, es stimmt aber trotzdem und ist ansonsten auch egal.)

Die wenigsten meiner Ideen habe ich bisher realisieren können – ich habe nicht so viel Zeit übrig, dass ich mal eben eine Marmeladenbrotmaschine bauen könnte, zumal mir auch das Know-How für sowas fehlt.

Am Wochenende hat mich die Muse wieder geküsst, eine Idee hat eingeschlagen. Die geht so: Schwarze ziehen sich bekanntlich nie oder sehr selten einen Sonnenbrand zu. Das Pigment Melanin schirmt ihre Haut ab, sodass die UV-Strahlung da nicht so schnell Schaden anrichten kann. Ein kurzer Rundblick ins Internet scheint das zu bestätigen: hier oder hier steht was dazu. Jetzt dachte ich, man könnte sich den Effekt doch zunutze machen, indem man sich großflächige Tätowierungen mit einem UV-abweisenden Farbstoff machen lässt.

Gut, Ganzkörpertattoos sind nicht jedermanns Sache, aber vielleicht ließe sich das Zeug ja in, sagen wir, unauffälligen und mainstreamfähigen Farben herstellen. Ich weiß natürlich nicht, ob das funktionieren würde – Tattoos sitzen vielleicht tiefer in der Haut als die natürliche Pigmentierung schwarzer Haut. Aber als Idee fand ich das erstmal gar nicht so übel.

Als ich diese Idee meiner Frau vortrug, hat sie mit einer Mischung aus Amüsement und Nachsicht das Wort „Hirnfurz“ erwähnt. Wahrscheinlich hat sie recht. Allerdings möchte ich dazu noch anmerken, dass Hirnfürze die Grundlage der modernen Technik bilden. Ohne sie gäbe es keine moderne Medizin, kein Auto, keinen Rasierschaum, kein Kaugummi und kein Internet, um nur ein paar der Dinge zu nennen, die uns das Leben angenehmer machen. Natürlich gehen manche Ideen nach hinten los, andere führen in Sackgassen, aber auch diese leisten ihren Beitrag zum allgemeinen Fortschritt.

Viele Ideen werden anfangs verlacht, und manchmal braucht es Jahrhunderte, bis eine Idee verwirklicht werden kann. Ein Beispiel ist der ursprünglich von Leonardo da Vinci erdachte Hubschrauber. Andere Ideen sind nicht schlecht, aber nicht wirklich praxistauglich. Sie werden bald wieder aufgegeben, ebnen aber den Weg zu anderen Entwicklungen. Zum Beispiel hat sich die Laufmaschine von Karl Freiherr von Drais nie recht durchgesetzt, das darauf basierende Fahrrad aber ist ein technisch mittlerweile ausgereiftes, vergleichsweise billiges und weltweit beliebtes Fahrzeug, das sich aus dem Alltag kaum wegdenken lässt.

Wieder andere Ideen sind von vornherein völliger Unsinn, und zwar ganz unabhängig davon, ob sie verwirklicht werden und sich vielleicht sogar großer Beliebtheit erfreuen. Die Homöopathie ist dafür ein exzellentes Beispiel, ebenso bestimmte Musikrichtungen (aber da begebe ich mich auf dünnes Eis, ich werde also lieber keine Details nennen).

Und in welche dieser Kategorien meine Sonnenschutz-Tätowierung gehört, kann jetzt wahrscheinlich niemand so schnell sagen. Die Dermatologen im Publikum sind aber herzlich eingeladen, sich fachlich fundiert zu äußern, sogar wenn es auf „Hirnfurz“ hinauslaufen sollte…

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One Comment on “Hirnfürze und geniale Ideen”

  1. […] die vielleicht. Oder verschiedene Leute haben sich das Wort unabhängig voneinander ausgedacht, das kommt ja auch vor. Aber egal wer sich das wann, wo und warum ausgedacht hat – die Wortschöpfung an sich finde […]

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