… reservieren wir uns, eine Bekanntmachung zurückzuzahlen

Neulich war ich mit meinen Kindern im Technikmuseum Speyer. Das ist eine große und sehr sehenswerte Anlage mit Flugzeugen, Schiffen, Autos, einer Raumfähre und Maschinen aller Art, wo man ganze Tage verbringen kann, ohne alles gesehen zu haben.

Auf dem Gelände stehen Flugzeuge und Schiffe auf Stahlgerüsten. Viele davon kann man auch von innen besichtigen. Klasse Idee, das – wo hat man sonst die Gelegenheit, ein U-Boot, Transporthubschrauber, Laderaum und Cockpit eines Jumbojets, eine Raumfähre usw. von innen zu sehen? Diese Objekte sind über (meist enge) Treppen zugänglich. Am unteren Ende der Treppe hängt jeweils ein Schild mit einer ausführlichen Version von „Benutzung auf eigene Gefahr“:

Diese Warnung auch auf Englisch zu bringen ist sehr sinnvoll, das Museum hat viele ausländische Besucher. Leider ist die Übersetzung ausgesprochen abenteuerlich ausgefallen. Ich habe das mal zurückübersetzt. Der Anfang ist noch einigermaßen verständlich:

Achtung!

Benutzung der Stufen, Stangen/Gitterstäbe/Kneipen und Plattformen auf eigene Gefahr!
Rutschgefahr bei Nässe!

Soweit, so gut. Bars für Stege ist ein hübscher Ausrutscher, eher amüsant als schlimm. Den Schnee haben sie unterschlagen, aber dass Schnee rutschig ist, dürfte sich von selbst verstehen. Aber jetzt wird es spannend:

Das gesamte Gelände ist videobeaufsichtigt. In Fällen von Vandalismus reservieren wir uns, eine Ankündigung zurückzuzahlen.

Oh weh! Gut, anhand der Stichworte videosupervised und vandalism dürfte der englischsprachige Leser sich zusammenreimen können, was hier gemeint ist. Aber so, wie es da steht, ist es Unsinn. Die Formulierung refunding an announcement ist immerhin ein bildschönes Beispiel für wörterbuchbasierte Übersetzung: Zur Anzeige bringen wird nicht im Wörterbuch gestanden haben. Man ist auf Anzeige erstatten ausgewichen und hat die Wörter einzeln nachgeschlagen und dabei nicht darauf geachtet, welche Bedeutung das als Übersetzung gewählte Wort hatte. So kam man wohl dazu, erstatten mit to refund wiederzugeben und Anzeige mit announcement.

Hätte man nicht jemanden auftreiben können, der wenigstens ein bisschen Englisch kann? Es gibt da einen ganzen Berufsstand, der Texte professionell aus einer in die andere Sprache übersetzt. Bei den erheblichen finanziellen Mitteln, die der Förderverein des Auto & Technik Museum Sinsheim e.V. in das Museum steckt, wird es doch sicher nicht an einer Handvoll Euro für die Übersetzung solcher Tafeln gefehlt haben?

Ich frage mich immer wieder, wie solche Übersetzungen zustandekommen. Glaubt da wirklich jemand, eine Wort für Wort aus dem Wörterbuch zusammengeklaubte „Übersetzung“ eines Textes könne korrekt sein oder wenigstens lesbar und verständlich? Oder ist dem Verfasser bzw. Übersetzer gar nicht bewusst gewesen, dass ein Text, der einem selbst ganz gelungen vorkommen mag, völlig daneben sein kann? Sogar Google hätte das besser übersetzt: The entire facility is under video surveillance. Cases of vandalism will be prosecuted. (Als Übersetzer diesen Satz zu äußern ist eigentlich auch ein Unding, aber wenn’s doch stimmt – sic transit gloria mundi und so …)

Offensichtlich ist niemand auf die Idee gekommen, die Übersetzung einem Muttersprachler vorzulegen oder sonstwie korrekturlesen zu lassen. Jetzt hängen überall Schilder mit einem ziemlich unsinnigen englischen Text herum. Die wird man sicher nicht so ohne weiteres ersetzen wollen, bloß weil im Internet jemand findet, das Englisch sei nicht so toll. Zumal ja heutzutage bekanntlich jeder Englisch kann. Die stirnörmige Delle auf meinem Schreibtisch wird immer tiefer…

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