Schwebende Salzfässer

Die Magnetschwebebahn ist ein wunderbares Stück Technik, von einem Franzosen erfunden und 1914 in London erstmals vorgeführt, in Deutschland patentiert und später als Transrapid zur Marktreife entwickelt. Nur ist sie leider praktisch unverkäuflich. Die Kosten für den Bau der nötigen völlig neuen Trassen und die im Vergleich zu konventionellen Eisenbahnzügen bescheidene Nutzlast machen die Technik unwirtschaftlich. Die bisher einzige kommerzielle Transrapidstrecke in Shanghai ist da keine Ausnahme, die dient dem Prestige, nicht dem Geldmachen. Magnetschwebebahnen zur Personen- oder Güterbeförderung haben deshalb wahrscheinlich keine große Zukunft. Schade eigentlich, aber nicht zu ändern.

Vielleicht gibt es aber andere Anwendungsgebiete für die Magnetschwebetechnik, etwa zur Erleichterung des Alltags. Die Technik, die beim Transrapid für Vortrieb sorgt, könnte mit gewissen Änderungen sicher auch dazu benutzt werden, Gegenstände über waagerechte Flächen schweben zu lassen und in beliebige Richtungen zu steuern.

Man rüste etwa einen Esstisch mit Schwebetechnik aus und versehe das Geschirr mit geeigneten Metallelementen. Dann könnte man Salzfässer, Butterteller, Saucenschiffchen usw. auf dem Tisch verschieben, ohne sie anfassen zu müssen. Fragen wie „Reichst Du mir mal die Butter?“ dürften damit der Vergangenheit angehören. Man könnte über Touchscreens an den Plätzen jedes Objekt auf dem Tisch ansprechen und verschieben. Auch Apps für Smartphones wären denkbar. Topfuntersetzer wären dann auch nicht mehr nötig – man ließe das heiße Zeugs einfach dauerhaft schweben.

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Ein anderes Einsatzgebiet wäre die Bestuhlung von Sälen, Restaurants, Kantinen usw. Viele solche Lokalitäten werden für Veranstaltungen verschiedener Art genutzt, und meistens muss das Mobiliar dafür jeweils aufwändig umgestellt werden. Dabei gibt es meistens Bestuhlungspläne, etwa für Hochzeitsfeiern, Bankette, Vorträge usw.

Wenn nun der Boden mit Magnetschwebetechnik ausgerüstet und das Mobiliar schwebefähig wäre, könnte das Umstellen der Möbel automatisch erfolgen. Eine zur Steuerung verwendete Software hätte die nötigen Raumlayouts gespeichert. Der Wechsel zwischen den Layouts dürfte computergestützt schneller gehen als manuell, da niemand die Möbel mehr schieben müsste und der Computer die günstigsten Wege für alle Möbelstücke berechnen könnte. Es könnten auch mehr Möbel gleichzeitig verschoben werden, als das bei Handarbeit möglich wäre.

Die jeweils nötigen Choreographien ließen sich computergestützt entwerfen und optimieren. Die kurzfristige Anpassung von Bestuhlungen an etwaige Sonderwünsche wäre dann auch kein Problem mehr. Allenfalls zum Stapeln nicht benötigter Möbel wäre noch Personal erforderlich.

Man müsste wahrscheinlich für jedes zu bewegende Stück eine eindeutige ID vergeben, damit die Software die einzelnen Salzfässer, Teller, Tische, Stühle usw. individuell ansprechen und steuern kann. Das macht etwa Märklin auch, damit mehrere Modelleisenbahnen auf einer Anlage unabhängig voneinander gesteuert werden können.

Schwierig wird es nur, wenn das Programm sich aufhängt und gar nichts mehr geht und man aus irgendwelchen Gründen den Strom für die Schwebetechnik nicht einfach abschalten und die Möbel von Hand umstellen kann. Oder wenn das System gehackt wird und jemand die Möbel Menuett tanzen lässt oder Pong mit ihnen spielt.

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4 Kommentare on “Schwebende Salzfässer”


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