Immer darf ich nie hier parken!

An der Zufahrt zum Haupteingang eines Krankenhauses in der Nachbarschaft hängt ein interessantes Schild:

Darüber ist noch ein Verbot für Fahrzeuge aller Art mit Zusatzschild. Vollständig sieht das Ensemble so aus:

Das klingt etwas hakelig, und an der Interpunktion hat man auch gespart. Immerhin stehen da zwei ganze Sätze. Bis ich die auseinandersortiert und den Text verstanden habe, stehen hinter mir schon zwei bis drei Rettungswagen mit Martin-Horn und Blaulicht und wollen durch. Da wäre eine etwas schlankere Formulierung sicher besser gewesen.

Jetzt kann ich mir das ganze aber hier ganz ohne Zeitdruck genauer anschauen. Zunächst stellt sich die Frage, was das Schild überhaupt bezwecken soll: Das Zeichen 250 StVO, Verbot für Fahrzeuge aller Art mit dem Zusatz „Zufahrt nur für Rettungsfahrzeuge“ legt fest, dass dort niemand hineinfahren darf außer Rettungsfahrzeugen. Die Frage nach dem Abstellen von Fahrzeugen dürfte sich da gar nicht erst stellen.

Man darf also keinerlei Fahrzeug auf das Gelände bringen, außer es handelt sich um ein Rettungsfahrzeug. Ich unterstelle dabei mal, dass „Rettungsfahrzeug“ hier auf „relevantes Rettungsfahrzeug“ abzielt und nicht einfach jeder beliebige Notarzt mit seinem Notarztwagen dort reinwitschen darf, um seine Tante im Krankenhaus zu besuchen oder mit der Nachtschwester zu flirten.

Wenn das gelbe Zusatzschild „Jegliches Abstellen…“ dazu dienen soll, das Halten, Parken oder sonstige Abstellen von Fahrzeugen auf dem Gelände zu verhindern, wäre das überflüssig – man darf das Gelände ja mit egal welchem Fahrzeug gar nicht erst befahren. Und wer dort schon verbotswidrig hineinfährt, wird ein wie auch immer ausgestaltetes Haltverbot wohl kaum beachten.

Wenn dagegen das Halten, Parken oder sonstige Abstellen von Fahrzeugen vor der Einfahrt gemeint ist, wäre das wahrscheinlich unwirksam, sonst könnte ja jeder einfach ein Schild an die Straße stellen und erwarten, dass die Verkehrsteilnehmer sich dran halten. Als Ausnahme kenne ich nur „Einfahrt (jederzeit) freihalten“, gelegentlich noch mit einem Zusatz, dass verbotswidrig abgestellte Fahrzeuge auf Kosten des Halters abgeschleppt werden. Manchmal gibt es noch Begründungen wie „Arzteinfahrt“, „Feuerwehrzufahrt“ oder so. Etwas in der Art hätte man hier sicher auch aufstellen können, hat stattdessen aber lieber diesen missglückten verwaltungsdeutschen Erguss komponiert.

Wenn „Einfahrt verboten“ der Verwaltungsdirektion schon zu zahm war, hätte sie dort vielleicht besser gleich ein richtiges Haltverbot eingerichtet, etwa mit Zeichen 283 StVO, Absolutes Haltverbot auf der Fahrbahn. Damit wäre dann der öffentliche Verkehrsgrund abgedeckt: Man dürfte die Einfahrt nicht mit egal welcher Art Fahrzeug zustellen, und wer’s doch täte, würde verscheucht oder abgeschleppt. Ende der Geschichte, und man wäre ganz ohne verquaste Formulierungen ausgekommen.

Eine Kleinigkeit fällt mir noch ein. Das Wort Fahrzeuge ist unterstrichen. Soll damit betont werden, dass Fahrzeuge dort unerwünscht sind, andere sperrige Gegenstände aber nicht? Man könnte dort einfach mal einen Kühlschrank, einen Schuttcontainer oder eine Hüpfburg abstellen (am Besten zu Fuß hintragen oder per Kran von außen abladen – hineinfahren darf man ja nicht) und abwarten, was dann passiert.

[Am 03.09.2015 leicht überarbeitet, Formulierungen geglättet, Zeilenumbrüche eingefügt]

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One Comment on “Immer darf ich nie hier parken!”

  1. […] Szenarien wie dieses hier gehen. Schon in viel simpleren Situationen stoßen Beschilderer gelegentlich an ihre Grenzen. Irgendwo dazwischen muss dieser in Basel fotografierte Fall angesiedelt […]

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