Mit dem Rollstuhl ins Grüne

In welche Läden kommt man mit dem Rollstuhl überhaupt rein? Und wie kommt man zu dem Laden hin? Wer auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen ist, kann meistens nicht so unbeschwert losziehen. Längst nicht alle Busse, Straßenbahnen und Züge sind für Rollstuhlfahrer geeignet, und selbst wenn Niederflurbusse und –bahnen eingesetzt werden, sind die Haltestellen oft genug nicht barrierefrei. Unter- oder Überführungen ohne Fahrstuhl sind unüberwindbar. Schon ein normaler Bordstein kann das Ende der Fahrt bedeuten, wenn einem niemand drüberhilft. (Außerdem dürfte es nerven, ständig Leute um Hilfe bitten zu müssen. Man will ja als erwachsener Mensch selbstbestimmt und unabhängig agieren können.) Aber angenommen, man hat es in die Stadt geschafft. Bleibt die Frage, welche Läden überhaupt rollstuhltauglich sind. Stufen am Eingang, Treppen im Laden oder enge und vollgestellte Gänge sind meist unüberwindliche Hindernisse. Was also tun? Natürlich wird jeder Rollstuhlfahrer seine Erfahrungen machen und sein Umfeld mit der Zeit so gut kennen, dass er weiß, wo er reinkommt und wo er besser wegbleibt. Aber man ist ja nicht immer zuhause, man verreist vielleicht, zieht um usw. Dann muss man wieder alles auskundschaften. Das kostet jedesmal Zeit, Kraft und Nerven. Die Ausweichmöglichkeiten sind meistens eher begrenzt, und das Risiko, unverrichteter Dinge wieder heimgehen zu müssen, ist immer dabei. Das ganze stelle ich mir ziemlich frustrierend vor. Ich erinnere mich noch zu gut an die Zeit, in der ich viel mit Kinderwagen unterwegs war. Da habe ich mich regelmäßig über zugeparkte und mit Fahrrädern, Anhängern, Kinderwagen und sonstwas zugestellte Gehwege geärgert, habe auf zur Straße hin abschüssigen Gehwegen mit dem Kinderwagen gekämpft. Kinderwagen neigen nämlich dazu, bergab rollen zu wollen. (Das dürfte bei Rollstühlen genauso sein). Viele Läden sind zu eng für Kinderwagen. Die Stufen am Eingang schafft man oft gerade noch, aber drinnen geht dann gar nichts mehr. Oft genug war die einzige Möglichkeit, den Kinderwagen abzustellen und das Kind zu tragen. Die Möglichkeit haben Rollstuhlfahrer nicht. Was also tun? Das Projekt wheelmap.org benutzt die Online-Landkarte Open Street Map, um die Rollstuhltauglichkeit von Orten aller Art zu erfassen. Man kann sich dort kostenlos registrieren und Geschäfte, Behörden, Museen, Haltestellen usw. eintragen und nach vorgegebenen Kriterien klassifizieren. Am Ende soll eine möglichst umfassende und aktuelle Karte stehen, anhand derer Rollstuhl- oder Rollatorfahrer barrierefreie Orte finden können, egal wo sie sich aufhalten oder wo sie hinwollen, weltweit. Auf die Weise kann man die eigenen Erfahrungen anderen zugänglich machen. Dann muss nicht jeder für sich lange suchen und herumprobieren, sondern kann auf das gesammelte Wissen vieler Leute zugreifen. Je mehr Leute da mitmachen, desto brauchbarer wird die Karte. Die Welt wird dadurch zwar nicht gleich barrierefreier, aber man kann die barrierefreien Lokalitäten wenigstens im voraus finden und dann gezielt dorthin fahren, gewissermaßen ins Grüne:

Ganz nebenbei: Was geht es mich an? Einiges. Ich bin gesund und kann laufen, aber ein Unfall oder eine Krankheit kann das jederzeit ändern. Ich bin noch fast jung und kann laufen, aber wir werden alle älter. Da kann es gut sein, dass ich in ein paar Jahren oder Jahrzehnten mit dem Rollator durch die Welt zuckele. Ich habe mich jedenfalls bei wheelmap.org registriert und bringe dort nach und nach meine Nachbarschaft auf Vordermann. Das macht die Gegend für Rollstuhlfahrer transparenter und steigert den praktischen Nutzen der Karte. So sieht das zur Zeit aus:

Auf wheelmap.org bin ich durch einen Artikel auf Zeit Online aufmerksam geworden (hier).

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In den Wald hineinrufen

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