Unverkäuflich

Manche Leute meinen, es sei eine gute Werbeidee, Flugblätter bei geparkten Autos hinter den Scheibenwischer zu klemmen. Die meisten Autofahrer, die ich kenne, mögen das aber nicht so gern. Zettel an der Windschutzscheibe werden in aller Regel als störend empfunden, und deshalb verzichten mittlerweile die meisten Gewerbetreibenden auf Aktionen dieser Art. Es ist jedenfalls schon länger her, dass ich irgendwo solche Flyer gesehen habe.

In den letzten Jahren sind allerdings Gebrauchtwagenhändler und -exporteure dazu übergegangen, durch die Straßen zu ziehen und allen geparkten Autos ihre Karten in die Fensterdichtung der Fahrertür zu stecken. Das fing mit billigen Papierfetzen auf normalem Papier an, heute sind es oft aufwändig hergestellte laminierte Karten. Der Text ist meistens eine Variation von „Wollen Sie Ihr Auto verkaufen? Ich zahle sofort bar, rufen Sie mich an [Handy-Nummer]“.

Manchmal entfernen die Kartenverteiler eventuell schon vorhandene Karten von Mitbewerbern, manchmal stecken sie die eigene einfach dazu. Die allerwenigsten Fahrzeughalter scheinen darauf anzuspringen. Die Karten landen massenhaft als Müll im Rinnstein, vermutlich sogar dann, wenn einer die Dienste eines solchen Händlers tatsächlich mal in Anspruch nimmt. Witzigerweise schauen die Kartenverteiler offensichtlich gar nicht darauf, an welchen Autos ihre Karten überhaupt eine Chance auf Erfolg haben. Ich sehe häufig Karten an Mietwagen, Car-Sharing-Autos und eindeutig als Firmenwagen erkennbaren Autos. Es dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein, dass jemand so ein Auto an einen (unterstellt) windigen fliegenden Händler verhökert oder zufällig ein anderes Auto zu verkaufen hat. Aber wahrscheinlich sind die Karten so billig und ist die Verteilerei so nervig, dass man soweit nicht denkt, sondern die Karten einfach ausnahmlos an alles dransteckt, was auf vier Rädern am Straßenrand steht.

Egal, die Kartenflut ist lästig, und das scheinen auch andere so zu sehen. Ich habe schon Autos gesehen, wo der Besitzer die Kartenausbeute ins Heckfenster geklebt hat. Man sollte meinen, dass das jedem Kartenverteiler zeigt, dass der Besitzer eher nicht vorhat, das Auto zu verkaufen. An so ein Auto noch eine Karte zu stecken, ist offensichtlich sinnlos. Die abschreckende Wirkung scheint aber in der Regel auszubleiben.

Irgendwo habe ich mal von einem gelesen, der die Karten sammelt und die dort angegebenen Telefonnummern zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten anruft. Der Angerufene sollte so ganz subtil auf die Idee gebracht werden, dass das Streuen von Karten möglicherweise doch keine gute Idee ist. Das wirkt aber allenfalls indirekt, weil man bei nächtlichen Anrufen sicher die eigene Rufnummer eher unterdrückt. Auf diese Art wird man den Angerufenen nicht gezielt vom eigenen Auto fernhalten und kann nur darauf hoffen, dem Angerufenen das Karten-an-Autos-Verteilen damit generell zu verleiden. Aber damit das funktionieren kann, muss man die Leute dann schon ziemlich ausdauernd aus dem Bett klingeln. Und dafür ist es unverzichtbar, selbst auch zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten wachzubleiben. Ich jedenfalls hätte überhaupt keine Lust, mich um meinen bitter benötigten Schlaf bringen, nur um windige Autoaufkäufer nachts zu stören. Auf Dauer ist das also nichts. Und für jeden abgeschreckten Kartenverteiler kommen wahrscheinlich drei neue nach. Also insgesamt eher keine gute Strategie.

Jetzt hat aber jemand eine ganz simple Möglichkeit gefunden, sich die bescheuerten Kaufe-Ihr-Auto-Karten von der Karosse zu halten. Ein geparkter, schon etwas ältlicher Golf in der Nachbarschaft hatte ein Schild mit dem folgenden Text in der Windschutzscheibe liegen:

! UNVERKÄUFLICH !

PS: Wer Karten in die Fensterdichtung steckt,

kriegt eine Anzeige wegen Sachbeschädigung!

Anders als bei den meisten geparkten Autos in der Straße steckten da keine Karten in den Fensterdichtungen. Glückwunsch!

P.S.: Ich bezweifle, ob eine solche Anzeige irgendwelche Folgen hätte. Man müsste sicher irgendeine Art von Schaden an der Fensterdichtung nachweisen, sonst würde man auf der Polizei nur ausgelacht. Aber ob die Kartenheinis es darauf ankommen lassen wollen? Vielleicht haben die mehrheitlich den Wunsch, aus welchen Gründen auch immer möglichst allen Kontakt mit Behörden zu vermeiden? Kann ja sein.

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One Comment on “Unverkäuflich”

  1. […] nicht jeder Autobesitzer mag diese Kartensteckerei, und viele wollen ihre Autos auch gar nicht verkaufen. Auch wenn die […]

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