Hübsch bunt, aber trotzdem…

Graffiti sind eigentlich ganz witzig. Meistens. Oft. Damit meine ich nicht die idiotischen Tags, mit denen möchtegerncoole und nur zu oft talentlose Nachwuchssprayer wahllos Hauswände verdrecken. Andererseits gewinnt fast jede Betonbrücke durch ein bisschen Sprühfarbe, egal wie unfähig oder inspirationsarm der Sprayer war. Auch Fabrikhallen und Schallschutzmauern an Autobahnen und Bahnstrecken sind lohnende Ziele. Und gut gemachte Graffiti können richtig Spaß machen. Die gibt es zwar nicht ganz so oft, aber immerhin.

Leider schafft es immer wieder mal jemand mit ein paar Sprühdosen im Rucksack auf das Gelände der Bahn. Das Ergebnis ist dann ein bunter Zug:

Sieht eigentlich ganz hübsch aus, das. Dass man die Anzeige mit dem Zielbahnhof nicht mehr sehen kann, ist wohl auch nicht so wichtig – als Pendler weiß man sowieso, wo der Zug hinfährt.

Die Tür und den Knopf zum Öffnen – obwohl gut getarnt – findet man dann auch noch. Mich stört aber gewaltig, dass man dann die ganze Zugfahrt über nichts sieht als verkleisterte Fensterscheiben. So hübsch ist das nicht:


Worum geht es den Sprayern überhaupt? Wollen sie Werke schaffen, die irgendwie schön, inspiriert, interessant, witzig oder aussagestark sind? Oder wollen sie vor allem zeigen, wo sie überall hinkommen? Stellt so ein vollgesprayter Zug unabhängig von der Qualität ein politisches oder künstlerisches Statement dar? Gewinnt man durch so eine Aktion in Sprayerkreisen an Standing, oder werden mies gemachte Sprühereien dort auch eher belächelt? Ich kann natürlich nicht wirklich beurteilen, ob die Bemalung dieses Zuges besonders gut gelungen ist. Ich habe jede Menge wesentlich schlechter ausgeführte Graffiti gesehen, und ich selbst könnte das wahrscheinlich nicht halb so gut, wenn überhaupt.

Mir ist das eigentlich auch ziemlich wurscht. Jedenfalls nervt es, wenn mal wieder ein Zug verdunkelt wurde. Wenn die schon glauben, Züge vollzusprayen sei cool, könnten sie wenigstens die Fenster freilassen. Für Graffiti an tristen Betonflächen würde ich unter Umständen die Farbe spenden und den Leuten noch Kaffee und Kuchen vorbeibringen, oder auch Bier und Döner. Aber auf Leute, die Zugfenster zusprayen, würde ich die Hunde hetzen*, wenn ich welche hätte. Blödes Volk, das!

* – natürlich nicht wirklich, obwohl der Gedanke einen gewissen Reiz hat. In echt würde ich sie u.U. fotografieren und anzeigen, ganz spießig.


One Comment on “Hübsch bunt, aber trotzdem…”

  1. […] und anschließend einen grantigen Artikel in die Tasten gehauen. Dann habe ich gemerkt, dass ich schonmal über sowas geschrieben hatte. Mein neues Stück Text war inhaltlich weitgehend mit dem alten […]

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In den Wald hineinrufen

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