Das Ende ist näher!

Eigentlich hätte am 28. Oktober die Welt untergehen sollen. Das hat erwartungsgemäß nicht geklappt. Am 21. Dezember 2012 geht dafür aber angeblich der Maya-Kalender zuende, und mit ihm dann ganz bestimmt auch die Welt. Letztere vielleicht auch erst 2023, allerspätestens aber 2029. Da hätten wir noch ein bisschen Zeit, den Asteroiden (99942) Apophis abzuschießen, sonst erwischt der uns 2036 dann womöglich doch noch (obwohl das nach Meinung der Fachleute extrem unwahrscheinlich ist). Nichtsdestoweniger rückt das Ende der Welt natürlich mit jedem verfließenden Tag einen Tag näher, wenn man es sich einfach mal als einen konkreten Termin denkt, der sich aus (uns überwiegend unbekannten oder noch nicht verstandenen) Prozessen oder Parametern ergibt. Ob das tatsächlich der Fall ist, wissen wir natürlich nicht, und bislang hat uns kein allwissender Erzähler darüber aufgeklärt.

Wie das Ende der Welt schließlich aussieht, weiß darum natürlich auch niemand, aber es gibt jede Menge phantastische Szenarios zum Thema, der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Gern werden seltene, außergewöhnliche und problemlos mit unheilschwangerer Bedeutung aufladbare Planetenkonstellationen am jeweils propagierten Datum ins Feld geführt, um zu begründen, warum der Weltuntergang gerade an diesem Tag stattfinden solle. In diesem Video etwa heißt es, die Sonne nehme am 21. Dezember 2012 das Zentrum der Milchstraße ein. Dies geschehe nur alle 26.000 Jahre und werde durch die schräge Erdachse ausgelöst, die sich einmal um sich selbst dreht. Weshalb die Welt vor 26.000, 52.000 oder 286.000 Jahren nicht schon untergegangen ist, wird nicht begründet. Vermutlich, weil die Lange Zählung des Maya-Kalenders damals nicht zuendeging.

Wieso die Welt ausgerechnet untergehen soll, wenn eine bestimmte Planetenkonstellation vorliegt, wird auch nicht erklärt. Davon mal ganz abgesehen ist jede Planetenkombination ungewöhnlich und düfte sich nicht ständig wiederholen. Die von heute, vier vor zwölf MEZ etwa, gibt es bestimmt auch so schnell nicht wieder. Und was das Zentrum der Milchstraße angeht, hatte ich immer gedacht, dort befinde sich ein Schwarzes Loch und unser Sonnensystem sei davon erfreulich weit entfernt. Erhellendes zu den astronomischen Zusammenhängen hat Florian Freistetter vor zwei Jahren hier in seinem Blog Astrodicticum Simplex geschrieben. Das mit dem Zentrum des Sonnensystems ist also Unsinn, und der Rest ist bestenfalls wirr zusammengestoppeltes Halbwissen. Dadurch könnte sich die hohe Akzeptanz in entsprechend geneigten Kreisen erklären.

Die Vorstellung, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht, ist nicht neu. In der Wahrnehmung vieler Leute kippelt die Welt schon seit Jahrhunderten am Rand des Abgrunds. Der Apostel Paulus hat vor 2000 Jahren schon geglaubt, er werde die Wiederkunft Christi und damit den Untergang der Welt, wie er sie kannte, vielleicht noch erleben. Seither sind gerade in der Christenheit ziemlich viele mehr oder weniger konkrete Daten für das Ende der Welt genannt worden. Die Zeugen Jehovas haben sich ebenfalls mit mehreren konkreten Daten im 20. Jahrhundert weit aus dem Fenster gelehnt, und Esoteriker aller Art machen sich immer wieder mit solchen Prognosen lächerlich. Geholfen hat es nichts.

Seit Jahrhunderten gibt es Warnungen, die Welt sei auf dem besten Weg zum Teufel, die in der Offenbarung des Johannes angekündigten Ereignisse stünden direkt bevor, die genannten Zeichen seien allenthalben zu beobachten. Ein Blick in das Zeitgeschehen heute zeigt uns tatsächlich Hunger in vielen Teilen der Welt, Kriege, Terrorismus, Naturkatastrophen, Zerstörung der Natur durch Raffgier, unersättliche Banken, machtlose Regierungen, Lebensmittelskandale, die Finanzkrise usw. Kurz, das passt alles zur Offenbarung des Johannes. Die Lage ist viel schlimmer als je, und man mag sich nicht vorstellen, dass es noch schlimmer überhaupt kommen kann. Vor 500 Jahren haben die Leute das allerdings auch schon gedacht, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass wir heute weniger falsch liegen als unsere Altvorderen. Ändern können wir es sowieso nicht – wenn die Welt untergeht, geht sie unter. Und wenn wir friedlich werden oder mit der Umweltzerstörung aufhören müssten, um den Untergang abzuwenden, sind wir von vornherein verloren. Man kann das mit dem Weltuntergang also getrost vergessen.

Viel sinnvoller als esoterische oder pseudowischenschaftliche Ergüsse sind da Albereien, die machen auch meistens mehr Spaß. Eine ausführliche Übersicht über die 10 besten Weltuntergangsszenarios gibt es hier (dauert eine dreiviertel Stunde). Und während über das Jahr des Weltuntergangs nach wie vor Uneinigkeit herrscht, ist das genaue Datum immerhin schon seit 1954 bekannt.

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3 Kommentare on “Das Ende ist näher!”

  1. […] wissen wir es alle: Das Ende ist nah. Die Maya haben uns gewarnt, aber einige wollen es partout nicht wahrhaben. Deswegen haben wir […]

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  2. […] lassen. Es geht bald los, sicher noch in diesem Jahr, allerspätestens aber im nächsten. Wie die Weltuntergänge der vergangenen zweitausend Jahre. Man muss nur feste glauben, denn die großen Ereignisse stehen […]

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  3. Yadgar sagt:

    Die Lage der Welt hat immer schon zur Offenbarung des Johannes gepasst – erst recht aus der Sicht alter Männer, was Johannes der Überlieferung nach gewesen sein muss, als er den Text verfasst hatte! Gnostisch-phantastische Details in der „Apokalyse“ werden übrigens von manchen modernen Bibelkritikern dem Genuss halluzinogener Substanzen zugeschrieben…

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