Shoppen

Das Wort shoppen macht mir schlechte Laune. Warum das so ist, kann ich aus dem Stand gar nicht genau sagen. Weil es ein Anglizismus ist? Nein, ich benutze selbst viele Anglizismen, oft genug auch an Stellen, wo es ein passendes deutsches Wort gibt. Ist das Wort unnötig? Auch nicht. Shoppen ist nicht dasselbe wie Kaufen oder Einkaufen. Ich kaufe ein Buch, ein Paar Schuhe, einen Computer, aber ich shoppe diese Dinge nicht. Und wenn ich Milch, Brot, Butter und Klopapier brauche, gehe ich einkaufen, nicht shoppen.

In Buchläden oder Antiquariaten zu stöbern würde ich auch nicht als Shoppen bezeichnen. Einkaufsbummel käme dem noch am nächsten, trifft es aber auch nicht wirklich. Einkaufsbummel ist gemütlich, wenn man sowas mag, und ein ganz bisschen altmodisch. Die Betonung liegt da eher auf dem Bummel als auf dem Einkauf, der Einkaufsbummel ist wohl näher am Schaufensterbummel als am Shopping. Shoppen ist Einkaufen als Zeitvertreib, also im Prinzip eine Lifestyle-Aktivität für Leute, die sich als hip und zeitgeistig darstellen wollen. Außerdem hat shoppen für mich immer einen Beigeschmack von Großkotzigkeit.

Ohne das irgendwie begründen zu können finde ich, dass shoppen im Deutschen albern und etwas peinlich ist. Dabei zähle ich mich nicht zu den Sprachpuristen, die am liebsten alle Neuerungen seit den Brüdern Grimm verbieten lassen würden und jedesmal jammern, wenn ein seit 150 Jahren nicht mehr geräuchliches Wort aus dem Duden verschwindet. Ich will auch shoppen nicht verbieten. Ich mag das Wort nur nicht und meide es nach Kräften.

Vielleicht liegt das daran, dass ich bei shoppen zuerst an dämliche Bankwerbung mit schalen Aufgüssen immer derselben sexistischen Klischees denke. Da wird Shoppen als Mischung aus Selbstverwirklichung und Berufsersatz für imaginäre, reich verheiratete Modehühner angepriesen, die mit Männes Kreditkarte die Nobelboutiquen von Nizza bis Singapur unsicher machen. Luxuspüppchen, die mehr Handtäschchen und Schuhe besitzen als der SUV Pferdestärken hat, bei keinem neuen Paar High Heels nein sagen können und die Tasche von [hier derzeit fashionables Modelabel denken] auch noch unbedingt mitnehmen müssen. Stereotype, menschenverachtende Männerphantasien eben.

Das maskuline Pendant in derartiger Werbung ist genauso penetrant: Mitte dreißig bis Ende vierzig, sichtbar erfolgreich, dreitagebärtig, im offenen Oberhemd ohne Krawatte, kauft sich grad eine Jacht oder ein Cabrio. Oder sitzt in seinem Loft beim Onlinebanking. Oder nickt wissend, während ihm sein Finanzmagier noch schnell den neuesten Fonds aufschwatzt.

Diesen Stil finde ich zum Kotzen. Wahrscheinlich mag ich deshalb das Wort shoppen nicht. Also, soll ein jeder nach seiner Façon selig werden. Aber ich gehe nie shoppen. Niemals!

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3 Kommentare on “Shoppen”

  1. […] Einkaufsbahnhöfe. Das Bahnfahren ist da nur noch Nebensache, hauptsächlich soll man jetzt zum Shoppen in den Bahnhof gehen, zum Spaßhaben und Geldausgeben. Damit man das auch merkt, wird im […]

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  2. […] irgendwelche vermeintlich stylischen (auch so ein Lieblingswort von mir – stylish und shoppen gehören in den Olymp der lexikalischen Kotzbrocken!) Kopfbedeckungen tragen zu müssen, kann ich […]

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  3. Yadgar sagt:

    „Mitte dreißig bis Ende vierzig, sichtbar erfolgreich, dreitagebärtig“

    Na, glücklicherweise sieht man heutzutage in der Werbung immer mehr Männer mit *richtigen* Bärten, nicht bloß Designerstoppeln… beim Stichwort „Dreitagebart“ fallen mir immer die Unmengen von barbierosa oder pastellgrünen Tussiforen ein, wo die XX-Chromosominnen über bärtige Männer lästern: so ein Bart kratzt doch total und ist sowieso nur iiih, ein gepflegter Dreitagebart (haha!) dagegen sowas von erotisch…

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In den Wald hineinrufen

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