Der Aufräumapparat

Dass Kinder häufig dazu neigen, eine gewisse Unordnung zu verbreiten, wusste ich ja schon lange. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich selbst im Vorschulalter regelmäßig ansehnliche Leistungen in Sachen Zimmervollkramen vollbracht. Man spielt halt was, dann was anderes, dann noch was, und zieht dabei eine breite Spur Spielzeug, Bastelmaterial, Anziehsachen usw. hinter sich her. Irgendwann im Grundschulalter fing mir das Chaos an, auf die Nerven zu gehen, und ich beschloss, fortan Ordnung zu halten. Das funktioniert seitdem einigermaßen gut. Zwar gibt es immer wieder mal hartnäckige Unordnungsherde, aber die kann ich meistens ganz gut hinter Schranktüren oder so verstecken.

Meine Kinder sind noch in der Vollkramphase. Die Ältere denkt sich Sachen aus, spielt oft sehr intensiv und benutzt dabei alles, was sie dazu braucht. Dabei verschiebt sie schon mal Möbel und errichtet großartige Bauwerke. Die Jüngere geht anders vor. Sie umgibt sich überall mit „ihren Schätzen“. Sie sitzt dann oft irgendwo in ihrem Zimmer, umgeben von einer Ansammlung von Spielzeug und allem möglichen Kram, und spielt ganz selbstvergessen mit ein oder zwei Dingen. Dann geht sie woanders hin und baut sich dort auch wieder so ein Nest. Am Ende ist der gesamte Fußboden von einer erstaunlich gleichmäßigen, gefühlt knöcheltiefen Schicht von Spielsachen bedeckt. Dazu kommen noch kleine Verstecke in Regalen, auf Stühlen und Fensterbrettern, unter Schränken, die sie dort wie ein Eichhörnchen anlegt und vergisst.

Jedenfalls sehen die beiden Kinderzimmer oft aus, als habe ein Riese das Zimmer genommen und geschüttelt. Ich bin da nicht besonders pingelig und bestehe ganz bestimmt nicht auf allzeit perfekter Aufgeräumtheit – aber wenn man nicht mehr zum Bett oder zum Fenster kommt, ohne drei Lieblingsspielsachen kaputtzutreten, ist eine Grenze erreicht, auch wenn die Kinder diese Ansicht nicht teilen. Egal, einmal die Woche muss der Boden freigeräumt werden, schon damit man staubsaugen und feucht wischen kann und sich da keine Krabbelviecher einnisten.

Sie machen dann schon mit, die Kinder. Gelegentlich sogar mit großer Begeisterung, obwohl die Kleine beim Abtragen ihrer gemütlichen Spielzeugschicht immer ziemlich trauert und sich sofort nach dem Staubsaugen daranmacht, den vorherigen Status Quo möglichst schnell wiederherzustellen. Darf sie auch, ist ja ihr Zimmer. Hauptsache, wir haben staubgesaugt und gewischt. Aber lästig ist die Aufräumerei schon, zumal man die Kinder dabei meinstens ziemlich antreiben muss, damit die Aktion nicht ganz schnell im Sand verläuft. Ich räume selbst auch nicht gern auf, und Putzen ist auch nicht grad mein Hobby. Ich hab’s nur gern sauber, also muss es sein. Und da stellt sich jetzt die Frage nach, sagen wir, Vereinfachungen, Abkürzungen, Hilfsmitteln.

Die Große und ich erfinden manchmal Sachen zusammen. Also, wir erfinden da nicht wirklich was, sondern denken uns Sachen aus, die zu haben nett wäre, ungefähr wie die Marmeladenbrotmaschine. Gestern abend haben wir uns eine Aufräummaschine ausgedacht. Es gibt ja schon Staubsaugerroboter, die mehr oder weniger selbständig die Fußböden der Wohnung staubfrei halten. So ein Ding könnte man ein bisschen weiterentwickeln. Staubsaugen ist schon gut, aber feucht wischen sollte es auch können, vor allem verschüttete Getränke aufwischen. Und Sachen aufheben muss es können. Dazu könnte die Maschine Greifarme haben und ein oder zwei Rollkisten hinter sich herziehen, wo sie das aufgesammelte Zeug dann hineinsortiert.

Aber um Sachen sortieren zu können muss das Gerät die natürlich erkennen. Dazu spendiert man am besten eine Kamera und Gesichtserkennungssoftware, vielleicht noch lernfähige Software und eine Datenbank zum Ablegen des Gelernten. Dann trainiert man das Ding darauf, alles, was man so in der Wohnung hat, zu erkennen, richtig zu behandeln und an den richtigen Ort zu bringen. Jeder Gegenstand hätte dann einen Datensatz in der Datenbank, wo alles wichtige hinterlegt ist: Fotos von verschiedenen Seiten, Größe, Gewicht, wo er hingehört, wie empfindlich er ist usw. Dann müsste man den Apparat nur so einstellen, dass er immer aktiv wird, wenn man grad außer Haus ist. Man hätte es dann immer ordentlich und sauber, ohne dass man selbst aufräumen und putzen müsste, ohne dass man jemand Fremdes dafür bezahlen müsste, und ohne dass einem ständig irgendein allzu eifriger Aufräumpparat zwischen den Füßen rumsurrt.

Bleibt natürlich das Problem, wie man dem Putzdings beibringt, Dinge nicht abzuräumen, mit denen grad gespielt wird. Aufwändige Legobauwerke, Bauklotzburgen usw. sollen ja nicht zerstört werden, das würde bei den Kindern erhebliches Herzeleid auslösen, und das wäre natürlich nicht akzeptabel. (Herzeleid gibt es auch so noch genug, da muss man nicht ohne Not welches schaffen.) Da man aber nie vorhersagen kann, was die Kinder sich als nächstes ausdenken, oder welche Teile der auf den ersten Blick oft amorph anmutenden Spielzeugberge genau so gehören und auf gar keinen Fall von unberufenen Händen auch nur berührt werden dürfen, wird man Probleme haben, den Apparat soweit zu bringen, die Dinger halbwegs zuverlässig zu erkennen und in Ruhe zu lassen.

Ich fürchte, da muss man dann doch wieder selbst ran. Will heißen, wir räumen weiterhin manuell auf. Und so einen Staubsaugroboter haben wir auch nicht vor zu kaufen. Wenn man es geschafft hat, den Boden freizulegen, ist es eine Kleinigkeit, noch Staubsauger und Wischmob durch das Zimmer zu schieben.

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