Achtung Zugbetrieb!

Seit einiger Zeit gibt es bei der Bahn eine neue Ansage an den Bahnsteigen:

Achtung Zugbetrieb. Halten Sie Abstand von der Bahnsteigkante und betreten Sie den gekennzeichneten Bereich erst nach Halt des Zuges.

Das klingt zunächst mal vernünftig. Auf kleinen Bahnhöfen an Strecken mit IC-Verkehr kommen ja dauernd schnelle Vorbeifahrten vor, und die können gefährlich sein. Da ist eine solche Warnung auf jeden Fall sinnvoll. Das Problem ist, dass diese Ansagen bisher einen allenfalls losen Zusammenhang mit den tatsächlichen Zugbewegungen erkennen lassen. Oft kommt eine Ansage, wenn fahrplanmäßig eigentlich ein Zug einfahren sollte. Nicht selten kommt der Zug aber ein paar Minuten zu spät, pünktlich ist dann nur die Ansage und hängt in der Luft. Oder die Ansage erklingt, wenn der Zug eben zum Stehen gekommen ist und eigentlich keine Gefahr mehr darstellt. Häufig ist auch Minuten vor und nach der Ansage weit und breit kein Zug in Sicht, oder Intercitys donnern ohne jede Ansage durch den Bahnhof.

Der erste Reflex ist natürlich, erstmal kräftig auf die Bahn zu schimpfen. Das will ich an dieser Stelle auch in aller Form hinter mich bringen. Saftladen. Die kriegen ja gar nichts gebacken! Hoffentlich steuern die ihre Signale und Weichen besser als diese Ansagen.

Aber mal im Ernst. Es heißt ja immer, die Bahn wisse von jedem Zug zu jedem Zeitpunkt fast auf den Meter genau, wo er sich befindet und wie schnell er wohin unterwegs ist. Wo ist also das Problem, die Ansagen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Bahnhof zu bringen? Wenn so viele Ansagen ihren jeweiligen Zug so deutlich verpassen, sind sie praktisch sinnlos. Auf diese Art erzieht die Bahn die Leute nur dazu, die Ansagen zu ignorieren, weil die Züge sowieso wann anders fahren. Da kann man sich den Aufwand eigentlich sparen.

Andererseits sind das jetzt vielleicht nur die Kinderkrankheiten eines neuen Systems. Wer weiß, was  technisch hinter den Kulissen passiert. Das ist sicher recht komplex, und da muss man zumindest am Anfang mit Macken rechnen. Ganz sicher arbeiten die noch an Details, und bis zum nächsten unerwarteten Wintereinbruch hat sich das Timing so weit eingespielt, dass diese Ansage im Normalfall tatsächlich vor in Kürze ein- oder durchfahrenden Zügen warnt. Wäre ja nicht schlecht. Bis dahin höre ich mir ein bis zweimal täglich diese immerhin gut formulierte und von einer angenehmen Stimme vorgetragene Warnung vor dem Zuge an. Da gäb’s Schlimmeres…

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3 Kommentare on “Achtung Zugbetrieb!”

  1. […] ohne Personal per Ansage vor Zugbetrieb. Als ich vor bald anderthalb Jahren zum erstenmal darüber schrieb, liefen die Ansagen in der Regel weitgehend unabhängig vom tatsächlichen Zugverkehr aus den […]

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  2. […] einer Weile hatte ich hier mal was zu den Ansagen geschrieben, mit denen die Bahn auf den Bahnsteigen vor durch- oder […]

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  3. Meiner Meinung nach ist diese Ansage völlig unnötig. Jedes Kind weiß, dass auf der Schiene Züge fahren, ebenso wie auf der Straße Autos fahren. Dass diese Ansage gesetzlich vorgeschrieben sein soll, kann ich mir nicht vorstellen. Eher nervt sie die Anwohner, wenn ein Bahnhof oder Haltepunkt in einem Wohngebiet liegt und Tag und Nacht alle paar Minuten diese Ansage zu hören ist. Mein (nicht ganz ernst gemeinter) Vorschlag: An allen Straßen in Deutschland sollten Lautsprecher installiert werden, aus denen es alle fünf Minuten tönt: „Achtung Autoverkehr! Halten Sie Abstand von der Bordsteinkante und betreten Sie die Fahrbahn erst wenn diese frei ist!“

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