Die Ausschaltmaschine

Heute ist mir hier eine herrlich sinnlose Maschine begegnet. Sinnlose Maschinen finde ich gut, gelegentlich baue ich selber welche. Es ist heutzutage alles viel zu durchgeplant und zweckoptimiert. Früher war alles besser, da gab es eher noch Spielraum für alles mögliche. Das ist natürlich nostalgisch verklärter Unsinn. Den Leuten von ein- oder zweihundert Jahren wurde genauso wenig geschenkt wie uns heute, meistens eher deutlich weniger. Trotzdem, Verspieltheit hat viel zu wenig Platz im Leben und sollte mehr gefördert werden. Sinnlose Maschinen können dazu einen Beitrag leisten, und mit Lego oder fischertechnik geht das ganz hervorragend. Andrew Kay hat aus Lego eine mechanische Version eines herrlich sinnlosen Apparats konstruiert, für die es glücklicherweise auch eine Bauanleitung gibt. Wer es solider mag, kann bei der Frivolous Engineering Company eine ähnliche Maschine als Bausatz kaufen.

Jetzt wäre dieser Beitrag eigentlich schon fast zuende, wenn ich auf Youtube nicht auf diese zunächst auch recht sinnlos anmutende Drawing Machine gestoßen wäre. Die hat den Zweck, einen durchgehenden Strich auf einen Papierstreifen zu malen. Dazu zieht man das Papier einer Rolle Einkaufszettel oder Kassenbon durch ein Holzgestell, und ein Stift in einer Halterung malt einen Strich auf das Papier. Der daraus resultierende Haufen bestrichtes Papier auf dem Boden ist dann ein Objekt. Dazu gibt es einen Viewer, durch den man den mit Strich versehenen Papierstreifen zieht, um sich den Strich anzuschauen. Das findet der Künstler irgendwie aufschlussreich. Diese beiden – in meinen Augen ziemlich witzlosen, aber gleichzeitig auch herrlich abgefahrenen – Maschinen sind also überhaupt nicht sinnlos, sondern Kunst.

Aber zurück zur Sinnlosigkeit. Die eingangs erwähnten sinnlosen Maschinen basieren auf der Ultimate Machine, die der amerikanischen Mathematiker und Informationstheoretiker Claude Elwood Shannon in den fünfziger Jahren gebaut hat. Das Gerät hat meines Wissens keinen ideologischen Überbau, es gibt keine blumigen Erklärungen oder Rechtfertigungen. Das Ding schaltet sich nur immer selbst aus, sobald man es einschaltet. Wenn man sich nicht so leicht langweilt, kann man sich damit recht lange beschäftigen. Wer hingegen seine Zeit nicht mit dem Umlegen eines Schalters verbringen will, aber trotzdem nicht auf den Betrieb dieser sinnlosen Maschine verzichten möchte, kann zwei dieser Maschinen so koppeln, dass sie sich abwechselnd gegenseitig einschalten. Das ist doppelt sinnlos und außerdem irgendwie netter, als sich hier den Finger wundzuklicken, bis man eckige Augen kriegt.

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8 Kommentare on “Die Ausschaltmaschine”

  1. […] hatte ich ein paar Zeilen über sinnlose Maschinen geschrieben, vor allem über die Ultimate Machine von Claude Shannon. Leider erinnert die bei der […]

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  2. Sinn ist eh überbewertet.

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  3. gnaddrig sagt:

    Wohl wahr. Sinn ist schon eine feine Sache, aber die Menge macht, ob ein Ding Gift sei. Darum kann es durchaus sinnvoll sein, manchmal einfach so draufloszuleben und dem Spieltrieb zu folgen.

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  4. invisibules sagt:

    I wonder if a „useless machine“ is any more useless than a youtube video? In either case you press a button and then wait for it to stop. Then you do it again. Many engineers and artists build for the joy of creating – if someone wants to use or enjoys the work, then that’s a bonus.

    [Sorry I don’t speak German.]

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  5. gnaddrig sagt:

    Hi invisibules,

    thanks for looking in! English is not a problem.

    I think you are right, people build things because creating and making things is fun. Sometimes the sound or feel of some mechanism working is so satisfying that justifies building the mechanism in the first place, even if the thing doesn’t do anything useful. So, useless or pointless don’t have to be seen as negative characteristics, and the meaning of these terms

    Shannon’s useless machine is only useless insofar as it doesn’t produce anything tangible, doesn’t do anything useful at first glance. But it is far from useless in that it does give people the opportunity to hone their skills – you can design useless machines a là Shannon in different ways using different materials and mechanisms, or you can work with your hands actually building such a thing, or you can use it to teach others a variety of things, this can be part of vocational training for a number of professions, or you can play with such a machine and get quite a lot of fun out of that.

    Like I said, the sound of the mechanism, the practical „uses“ such machines can be put to (like switching the light on or off) and so on can be quite rewarding. So in the end, useless machines of this sort are anything but useless, and I like them a lot 🙂

    And as for youtube videos, the same applies to them – many people seem to enjoy making videos, sometimes to share information, ideas, or jokes, others enjoy watching them. Even if videos should be completely useless, they can make the world a better place, if only by putting smiles on peoples faces every now and then.

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  6. Yadgar sagt:

    @gnaddrig

    …und wenn diese sinnlosen Maschinen dann auch noch absurd kompliziert sind und so aussehen, dass sie schwerlich funktionieren, gibt es dafür im Englischen einen schönen Ausdruck: kennst du ihn?

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  7. gnaddrig sagt:

    Nö, fällt mir jetzt nichts ein.

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  8. Yadgar sagt:

    a Heath Robinson contraption

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