Kurz gefasst

Vor ein paar Jahren hat David Friedman auf Ironic Sans einen speziellen Thesaurus vorgestellt: Thrs liefert zu jeder Eingabe nur diejenigen Synonyme, die kürzer sind als das Suchwort. Das ist – so Friedman – für Twitterer interessant, die sich ja wegen der Beschränkung auf 140 Zeichen pro Tweet immer möglichst kurz fassen müssen.

Ich selbst stehe Twitter mit einer gewissen Verständnislosigkeit gegenüber und sehe bisher nicht, wie ich den Dienst sinnvoll nutzen kann, oder warum ich das wollen sollte. Nun habe ich mir zwar für gnadlib auch einen Twitter-Account angelegt, aber eigentlich nur, weil WordPress die automatische Vertwitterung von Blogbeiträgen anbietet und ich dachte, dass ich das mal ausprobieren sollte. Gibt mir aber immer noch nichts – ich bin praktisch nie auf Twitter und folge dort auch niemandem. Es ist mir nämlich zu doof, ständig von allen möglichen Leuten mehr oder minder banale Tweets reinzukriegen, die mich ja doch nur von irgendwas Wichtigem ablenken – unsereins rettet mehrmals am Tag die Welt und muss sich da voll drauf konzentrieren. Etwaige Nachrichten vom Weltgeschehen muss ich auch nicht unbedingt sekundenaktuell haben. Das hat fast immer Zeit, bis die Nachrichtenportale sich zu Wort melden oder es am nächsten Morgen in der Zeitung steht. Und als Feedreader ist Twitter sicher auch eigentlich nicht gedacht; was auf den Blogs passiert, die ich so lese, verfolge ich ohnehin, ähm, sagen wir, manuell.

Die Beschränkung auf 140 Zeichen finde ich im Normalfall lästig – ich schreibe gern ausführlich, neige zu einer gewissen Umständlichkeit, und ich möchte gern alles sagen können, was ich sagen will und wie ich es sagen will, ohne mir dabei irgendwelche künstlichen Einschränkungen aufzuerlegen. Natürlich bin ich als Nicht-wirklich-Benutzer und Nichtversteher von Twitter ein bisschen wie der Blinde, der über die Nutzlosigkeit der Farben predigt. Das muss man gar nicht allzu ernst nehmen, und die vielen Leute, denen Twitter offensichtlich viel Spaß macht und irgendwelchen Nutzen bringt, können ja auch nicht alle ganz danebenliegen. Soll mir recht sein, aber zum großen Twitterer macht mich das noch lange nicht. Soviel dazu.

Jetzt bin ich über BILDblog auf das Blog von Arne Nordmann gestoßen. Der hat vor einiger Zeit einen Beitrag über die Erklärmaschine Twick.it geschrieben, eine Art Enzyklopädie, in der man die Stichwörter mit weniger als 140 Zeichen zu definieren versucht und zur Vertiefung einen externen Link anbringen kann. Die vorhandenen Twicks (so heißen die Definitionen dort) können dann von anderen Benutzern bewertet werden. Die Idee finde ich ziemlich witzig, und man kann damit einigen Spaß haben. Nordmann hatte damals etwa einen Erklärungswettbewerb ausgerufen, bei dem mehrere Leute denselben Begriff erklären. Wer für die eigene Erklärung innerhalb eines vorher vereinbarten Zeitraums die meisten Punkte erhält, gewinnt.

Hier muss man sich zwar auch sehr kurz fassen, um in die 140 Zeichen ein bisschen Information hineinzupacken.Die Längenbeschränkung ist eigentlich auch willkürlich. Aber bei Definitionen ist das gar nicht so dumm – die besten Definitionen sind kurz und prägnant. Nun gibt es kurze, prägnante, professionell geschriebene Definitionen von fast allem schon im Duden, auch online. Einziger Nachteil: Beim Duden kann man selbst nicht mitschreiben, und man kann die vorhandenen Definitionen nicht bewerten. Will heißen: Der Duden mag brauchbarer sein, wenn man sich informieren will. Aber Twick.it hat mehr Spiel- und Spaßpotenzial. Und Spaß haben zu können ist immer gut!

Nachtrag (18. September 2012): Twick.it hat leider dichtgemacht. Es hatten wohl nicht genügend Leute mitgemacht, sodass es sich nicht gelohnt hätte, das Ding am Laufen zu halten. Schade, obwohl ich zugeben muss, dass ich da ja auch nichts beigetragen habe. Jetzt muss man sich eben anderswo kurz fassen gehen.



In den Wald hineinrufen

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