Generationen

Irgendwie wird ständig von Generationen geredet. Sobald mehr als drei Leute sich in einer ähnlichen Situation wiederfinden, eine vergleichbare Meinung vertreten, für etwas bestimmtes eintreten oder dagegen protestieren, wird das gleich irgendwo als Generation [was auch immer] verwurstet. Natürlich bin ich nicht der Erste, dem das auffällt. Andere haben sich schon darüber ausgelassen. Ruth Schneeberger beispielsweise erwähnt hier u.a. die Generationen Daumen, Doof und Porno. Aber es gibt da noch mehr. Ein kurzer Streifzug ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Rein nach Geburtsjahr müsste ich wohl zur Generation Golf (nach dem gleichnamigen Buch von Florian Illies) gehören, ich bin mir aber nicht sicher, ob ich mich in der Schublade wirklich wohlfühle. Unpolitisch bin ich insofern, als ich keiner Partei oder Organisation angehöre, Aktionismus nicht mag und laute Schlagabtäusche sinnlos finde (alles Dinge, die sich bei politisch aktiven Mitschülern und Kommilitonen großer Beliebtheit erfreuten). Mode-Orientierung passt nicht, Hedonismus wohl schon ein bisschen, und Markenbewusstsein nur insofern, als es eine Spielart von Qualitätsbewusstsein darstellen kann. Golf bin ich nie gefahren.

Generation P (nach dem gleichnamigen Roman von Wiktor Pelewin) ist eine russische Einrichtung. Dabei steht P meines Wissens für Pepsi, so ziemlich das einzige westliche Getränk, das schon lange vor Gorbatschow auch in der Sowjetunion hergestellt und vertrieben wurde.

Über die Generation Praktikum ist schon jede Menge geschrieben worden, z.B. hier, hier, hier oder hier. Sie hat sogar eine eigene Homepage. Dass die Zeit nicht stillsteht, merke ich mittlerweile daran, dass jetzt immer mehr Leute als Kollegen in der Firma auftauchen, die noch nicht auf der Welt waren, als ich mein Abitur schon hatte. Das ist die Generation Y (auch Millenials oder Jahrtausender genannt).

Die Angehörigen der Generation Golf sind jetzt großenteils in die Generation Laminat abgestiegen. Das dürfte in etwa die deutsche Entsprechung von Couplands  Generation X jenseits des Atlantiks sein. Am Ende landet man in der neuerdings nicht mehr Altes Eisen genannten Generation Silber oder – je nach Geschmack – Generation Gold und darf sich dann Best Ager nennen lassen. Bis auf ein paar Ewiggestrige hartnäckig Junggebliebene dürfte auch die 68er-Generation mittlerweile weitgehend in der gelegentlich so genannten gereiften Generation aufgegangen sein.

Dann gibt es die Generationen TwitterFacebook (sogar mit Buch), iPodiPhone, iPad, Wir, Null Bock sowie ein paar Generationen, die gar keine sind: Generation Kill (nach dem gleichnamigen Buch von Evan Wright) ist ein Buch über die Invasion Iraks durch die USA im Jahr 2003 aus der Sicht eines eingebetteten Journalisten. Generation Adidas ist ein Programm zur Förderung von Nachwuchsfußballern in den USA. Und Generation Luzifer, das ist auch keine Generation, sondern eine Gruppe leidenschaftlicher Fans des 1. FC Kaiserslautern.

Das ist jetzt der bei weitem linklastigste Artikel von mir geworden. Die Inspiration habe ich übrigens von Die Wahrheit über die Wahrheit. Die ist glücklicherweise nur einen Mausklick entfernt.


One Comment on “Generationen”

  1. gnaddrig sagt:

    Zum Hedonismus habe ich eben ein nettes Interview mit Bernulf Kanitscheider gelesen.

    Liken


In den Wald hineinrufen

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