Browserblockwarte

Manche Webseiten sprechen den Besucher auf seinen Browser an. Man benutze den Internet Explorer von Microsoft, heißt es dann. Dabei sei der gar nicht so gut, Microsoft missachte alle möglichen Standards, während andere Browser so viel besser seien, und man möge doch bitte zu einem anständigen Browser wechseln. Dann könne man die betreffende Seite auch viel besser genießen. Jetzt ist mir so etwas nach längerer Pause mal wieder begegnet:

(hier gefunden)

Das war immerhin halbwegs dezent in den normalen Text für Neuankömmlinge eingearbeitet. Es geht aber auch aufdringlicher:

(heute hier gefunden)

Die Leute mögen ja recht haben. IE ist vielleicht nicht der beste, schnellste und sicherste verfügbare Browser. Chrome mag schneller sein, Firefox sicherer, Safari hipper, und Opera so eine Art Volvo unter den Browsern – für links orientierte Studienräte die politisch korrekte Alternative zum eigentlich standesgemäßen Mercedes. Aber ich lasse mir doch nicht vorschreiben, welche Software ich benutzen soll! Wo würde das sonst hinführen? Am Ende wäre man gezwungen, für die verschiedenen Webseiten verschiedene Browser benutzen – hier wird IE geduldet, dort nicht. Hier gehen Firefox oder Opera, da geht Chrome am besten, und dort muss ich Konqueror nehmen oder irgendeinen hochspezialisierten Frickelbrowser, den außer dem Programmierer nur noch drei oder vier Leute auf der Welt kennen. Ich bin doch nicht bescheuert! Als nächstes kommen sie dann auf die Idee, mir vorschreiben zu wollen, was für einen Computer ich benutzen soll. Nichts da!

Es geht niemanden etwas an, womit ich surfe. Natürlich darf man Microsoft für die Personifikation des Bösen in der Welt halten (obwohl der Job mit Google, Apple, den USA, Bild und Monsanto eigentlich schon überbesetzt ist). Natürlich muss niemand seine Webseite IE-fähig machen. Man kann sehr wohl in Kauf nehmen, dass es mit dem IE zu Darstellungsproblemen kommt und IE-surfende potenzielle Leser wegbleiben. (Ich unterstelle mal nicht, dass die Leute ihre Seite absichtlich so programmieren, dass IE sie nicht gescheit darstellen kann, obwohl das natürlich auch denkbar wäre.) Wenn ich die Seiten nicht richtig sehen kann, ist das doch vor allem mein Pech. Wenn die mich als Leser wollen, sollen sie Ihren Kram für meinen Browser lesbar machen, der nun wirklich kein Nischenprodukt ist.

Die Welt wird jedenfalls nicht dadurch ein besserer Ort, dass niemand mehr IE benutzt. Nicht einmal das Internet wird besser davon. Außerdem lasse ich mich nicht gern zwangsbeglücken. Niemand hat an meiner Softwareausstattung herumzumäkeln oder an der Konfiguration meines PC. Wenn ich ins Parkhaus fahre, kommt ja der Betreiber auch nicht an und schlägt mir vor, von [Marke meines imaginären Autos] doch besser auf Mitsubishi, Jaguar oder Cadillac umzusteigen, die seien viel besser. Und im Fitness-Studio bin ich sowieso noch nie gewesen, vielen Dank auch noch nie gefragt worden, warum ich denn Schuhe von Adidas trage und ob ich nicht auf Nike oder sonstwas umsteigen wolle. Es geht niemanden etwas an, und außer Marktforschern und Vertriebspersonal interessiert sich normalerweise auch keiner dafür.

Wohlgemerkt, ich verteidige hier nicht Microsoft oder den Internet Explorer. Mir gehen nur die Bevormundungsversuche durch Leute mit allzuviel Sendungsbewusstsein auf die Nerven. Und wer Firmen- oder Markennamen nicht korrekt nennt, sondern statt Microsoft etwa Mikroschrott schreibt, hat bei mir schon deswegen gleich einen schlechten Stand, sowas mag ich gar nicht. Da springt sofort mein Jetzt-erst-recht-nicht-Gen an. Wenn die (hoffentlich vorhandenen) Argumente nicht ausreichen, wird man mit kleinkindhaften Beleidigungen dieser Art erst recht niemanden überzeugen. Mich jedenfalls nicht.

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4 Gedanken zu “Browserblockwarte

  1. Fundamentalistisch angehauchter Missionsdrang, so ist das.

    Wenn mein Browser Macken oder vermeidbare Sicherheitslücken hat (ich könnte ja noch mit IE6 surfen oder sonstwas Uraltem) oder technisch schlicht nicht in der Lage ist, aktuelle Inhalte darzustellen, ist ein Hinweis darauf angebracht. Wenn aber ein paar Tage nachdem IE9 raus ist jemand meint, mir (damals surfend mit IE8) vorschlagen zu müssen, doch bitte einen „modernen Browser“ zu benutzen, ist bei mir der Ofen aus. Das ist mir seinerzeit passiert.

    Freundliche Hinweise auf technisch bessere Produkte sind tolerabel, aber dann muss auch der Tonfall stimmen. Und solange ich denen mit meinem Browser nicht ihre Website zerschieße, geht es die nichts an, was auf meinem Rechner läuft.

    Das ist jetzt alles nicht so furchtbar schlimm, aber es nervt mich immer wieder mal, wenn jemand mit dieser (von mir so empfundenen) Lass-mich-Oberchecker-mal-Dir-offensichtlichem-DAU-erzählen-wie-das-mit-dem-Computer-geht-Haltung daherkommt.

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  2. Also, als Linuxer komme ich mit dem Internet Exploder… Exploiter… oder wie das Ding heißt erst gar nicht in Berührung! Firefox rules… obwohl das außerhalb Deutschlands kaum jemand so sieht.

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In den Wald hineinrufen

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