Schattenseiten

Mein Bürofenster zeigt ungefähr nach Südwesten. Irgendwann mittags kommt die Sonne über das Dach des Nachbargebäudes und scheint dann seitlich bei mir ins Fenster. Zuerst beleuchtet sie schräg von hinten meinen Bildschirm, wodurch der Kontrast so mies wird, dass ich praktisch nichts mehr lesen kann. Dann wandert sie langsam weiter und scheint mir direkt ins Gesicht. Dann ist zwar der Bildschirm im Schatten, aber ich bin so geblendet, dass ich auch wieder so gut wie nichts sehen kann. Will heißen, sobald mir die Sonne ins Fenster scheint, brauche ich die Jalousien. Ich fahre sie dann so weit herunter, dass mein Schreibtisch vollständig im Schatten liegt, damit ich überhaupt arbeiten kann.

Ich finde es schade, dass das nötig ist, weil ich Sonnenschein eigentlich gerne mag. Gerade im Winter ist es noch dunkel, wenn ich im Büro ankomme. Und wenn ich nachmittagas gehe, ist es schon wieder fast dunkel. Das bisschen Sonnenschein, das es winters so gibt, würde ich da gern mitnehmen. Und bloß weil im Sommer die Tage länger sind und es schon deshalb mehr Sonnenschein auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten gibt, ist es noch lange nicht angenehm, die Sonne tagsüber fast immer aussperren zu müssen. Nun, man kann eben nicht alles haben. Nachts würde ich deshalb jedenfalls auch nicht arbeiten wollen.

Es ist bisweilen nicht ganz einfach, den Rolladen genau so weit runterzufahren, dass ich meinen Bildschirm gut genug erkennen kann, aber nicht so weit, dass es zu dunkel wird. Im letzteren Fall müsste ich das Licht anmachen, und wenn man am hellichten Tag bei halbwegs abgedunkelten Fenstern die Lampen anmacht, gibt das meistens so ein unangenehmes Zwielicht. Auch finde ich es irgendwie absurd, bei schönstem Sonnenschein erst die Fenster zu verhängen und dann Licht anzumachen. Außerdem beeinträchtigt das die Kollegen im Büro. Die Kollegin am Arbeitsplatz gegenüber könnte auch bei hellstem Sonnenschein ohne Rolladen arbeiten, genau wie die beiden anderen, die nicht am Fenster sitzen.

Auf Stativen montierte Schirme (vielleicht so ähnlich wie Fotografen sie zum Ausleuchten ihrer Sets benutzen) habe ich nicht und dürfte ich aus Sicherheitsgründen im Büro sicher auch nicht aufstellen. Mal ganz davon abgesehen ist auch kein Platz dafür. Außerdem müsste ich dann ständig die Schirme verschieben, weil die Sonne unanständigerweise nicht stillsteht, sondern stetig wandert. Und von wechselhaftem Wetter habe ich jetzt auch noch nicht gesprochen – gerade die Jalousien wegen allzugroßer Helligkeit heruntergefahren, da ziehen Wolken auf. Nach einer Weile im Halbdunkel die Jalousien wieder hochgefahren, schon kommt die Sonne wieder heraus. Kilometer könnte ich an solchen Tagen beim Hin- und Herlaufen zwischen Schreibtisch und Jalousienschalter abreißen.

Nun gibt es aber zum Glück elektrochromes Glas. Das ist Glas, dessen Lichtdurchlässigkeit man durch Anlegen einer elektrischen Spannung ändern kann. Fenster aus solchem Glas kann man also elektrisch abdunkeln, man kennt das von Rückspiegeln in besseren Autos. Leider hat die Technik bislang den Schönheitsfehler, dass solches Glas eher als Sichtschutz taugt, nicht so sehr als Sonnenschutz. Ob die Abdunkelung für meine Zwecke ausreicht, müsste ich also erstmal testen. Und um zu verhindern, dass ich mir beim Arbeiten im optisch abgedunkelten Büro einen Sonnenbrand zuziehe, müsste wahrscheinlich jemand die Technik bzw. die verwendeten Materialien so weiterentwickeln, dass auch ein tatsächlicher Sonnenschutz gegeben ist.

Außerdem kann man bisher nur ganze Scheiben abdunkeln. Man müsste also entweder viele kleine Scheiben butzenscheibenartig zu größeren Fensterflächen zusammenfügen, das sähe aber nicht so schön aus, und man hätte möglicherweise das Gefühl, durch Gitterstäbe zu schauen. Oder man muss eine Möglichkeit finden, einzelne Bereiche der Scheibe gezielt abzudunkeln. Da gibt es noch einigen Entwicklungsbedarf für interessierte Tüftler.

Wenn das soweit marktreif ist, kann man die Bürofenster entsprechend ausstatten. Dann brauche ich eine Steuerung, die nach meinen Vorgaben nur einen bestimmten Bereich des Fensters abdunkelt, sodass ich im Schatten sitze, der Rest des Büros aber Sonnenschein erhält. Auch stufenlose Übergangsbereiche von Schatten und Sonne hätte ich gerne. Noch besser wäre es, wenn diese Abdunkelung automatisch erfolgen würde, idealerweise sonnenstandsabhängig.

Die Steuerung der Scheibenabdunkelung würde auf einem 3-D-Modell des Büros beruhen. Darin hätte ich meinen Arbeitsbereich markiert, also den Bereich, in dem sich mein Kopf während der Arbeit so bewegt (Kernbereich: Schreibtischkante), den Standort meines Bildschirms usw. Dann hätte ich noch einen Wert für die maximale Helligkeit eingestellt, die ich an meinem Arbeitsplatz haben möchte. Ein Sensor stellt dann den Sonnenstand fest, misst die Helligkeit und berechnet daraus, welcher Bereich der Scheibe wie stark abgedunkelt werden muss, um meinen Arbeitsplatz benutzbar zu machen. Dabei könnten auch Reflektionen des Sonnenlichts an den hellen Bürowänden berücksichtigt werden. Der Apparat könnte dann auch automatisch auf Änderungen der Helligkeit etwa durch vorbeiziehende Wolken reagieren. Dann müsste ich nicht mehrmals am Tag an den Jalousien herumspielen.

Dieselbe Technik könnte man auch zuhause nutzen und so etwa das Sofa, auf dem man abhängt, beschatten lassen, damit man nicht einen Sonnenbrand kriegt, wenn man dann doch einmal einschläft…

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6 Kommentare on “Schattenseiten”

  1. Soweit ich weiss gibt es mitlerweile tatsächlich Glas oder Glasmonitore, welche eine stückweise Verdunkelung ermöglichen.

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  2. Aquarium-XXL sagt:

    Auf besagtem Glas oder Glasmonitoren kann man die Transparenz nicht nur durch Strom ansteuern, sondern per Zeigefinger zieht man beispielsweise ein Rollo runter. Krass.

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  3. gnaddrig sagt:

    Ich finde es witzig, wenn die Realität den einen oder anderen Traum überholt. Toll, was es alles gibt 🙂

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  4. […] das Problem mit der Sonne hatte ich ja schonmal geschrieben. Wenn die Sonne ins Büro scheint, sieht man am Bildschirm oft fast nichts mehr und […]

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  5. GlasArt GmbH sagt:

    Tolle Sache was heutzutage alles möglich ist. Allerdings scheint es niemand zu kennen, wir haben für Kunden sowas bisher noch nie einbauen dürfen. 🙂

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  6. gnaddrig sagt:

    Die haben einfach nicht genug Phantasie und kommen deshalb nicht drauf, dass sowas überhaupt möglich sein könnte. Da wäre (und das von mir!) gute Werbung angebracht…

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