Neues aus der Wortspielhölle

Im Herrenzimmer* und auf Zeit Online kann man sich über wortspielerische Namen von Friseurläden informieren. Eine ergiebige Quelle für mehr oder minder geistreiche Wortspiele sind auch die immer fantastischeren Namen von Erlebnisbädern. Bäckerläden mischen ebenfalls in der Wortspielmafia mit. Da gibt es die Back und Weck GmbH und eine Reihe von Läden, die ebenfalls Back und Weck heißen. Im Bahnhof von Weingarten (Baden) gibt es einen Bäckerladen namens Hin und Weck und Leimen hat einen Mc Weck. Vielleicht macht ja irgendwann irgendwo ein Back-Up auf, und daneben ein Eisladen namens Cool Down

Die Wurstfabrikanten wollen da natürlich auch nicht zurückstehen: Aoste verkauft Stickado – Die luftgetrocknete Salami-Spezialität für „Fein-Snacker“, und Wiesenhof nervt mit der revolutionären Geflügelsalami Black Puty. Bestimmt kommt irgendwann auch das Buch zur Wurst auf den Markt. Die Geschichte ginge ungefähr so: Behütet bei kinderlieber Familie aufgewachsener Truthahn wird mehrfach verkauft, gerät in unkundige Hände und siecht aufgrund unsachgemäßer Unterbringung und Misshandlungen durch den ständig besoffenen Besitzer einem verfrühten Ende entgegen. Als der Besitzer ihn für eine Flasche Schnaps an einen Metzger verkaufen will, überredet ein kleiner Junge seinen Großvater, das zu verhindern und Black Puty zu kaufen. So gerät er wieder an seinen einstigen (guten) Stalljungen. Die Geschichte endet mit der beruhigenden Aussicht, dass Black Puty jetzt sein Gnadenbrot erhalten und ganz bestimmt nicht verwurstet werden soll. (Das ist mit leichter Verfremdung schamlos von Wikipedia abgekupfert; meine fast aufrichtige Entschuldigung an Frau Anna Sewell.)

Ich will hier nicht den Eindruck erwecken, ich hätte etwas gegen Wortspiele. Ganz im Gegenteil, ich bin ein großer Fan davon und produziere je nach Stimmung und Tagesform selbst auch welche. Sehr zum Leidwesen meiner Frau übrigens, die sich das dann meistens anhören muss. Ich gebe gern zu, dass ich dabei oft genug die Schmerzgrenze erreiche und gelegentlich auch überschreite. Ansonsten lasse ich mich in den Kommentarspalten der von mir frequentierten Blogs immer mal wieder gehen. Außerdem habe ich natürlich reichlich Gelegenheit, die Früchte dieses Talents hier auf gnaddrig ad libitum ganz ungeniert einem zwar eher überschaubaren aber wohl durchweg freiwillig mitlesenden Publikum zu präsentieren. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

* Ironischerweise firmiert unter HerrenZimmer ausgerechnet ein Friseur, der zusammen mit einem „Kreativ Team“ ein Friseurkonzept entwickelt hat und dieses jetzt in Nordrhein-Westfalen in Form eines Friseurladens desselben Namens anbietet.

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5 Kommentare on “Neues aus der Wortspielhölle”

  1. […] Sinn für Humor. Ich selbst mag Wortspiele gern, meistens jedenfalls, und liefere gelegentlich selbst welche ab. Beim Kollegen nömix ist spätestens in den Aktenvermerken auch eine gewisse […]

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  2. […] ist geschrieben, geschimpft, geklagt worden über die Mode, Friseursalons phantasievoll zu benennen. Von eher nicht so spannenden […]

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  3. gnaddrig sagt:

    Wenn ich Friseurmeister wäre und vorhätte, mich mit einem Salon selbstständig zu machen, würde ich den Laden Die drei Musketiere nennen, mit dem Untertitel Haar, Haar, Haar

    Das würde vermutlich nur im Sendegebiet von Radio ffn funktionieren, da lief in den 90er Jahren die bisweilen recht brachialkomische Comedy-Serie Die drei Musketiere – sie reiten für Freiheit und Gerechtigkeit. Die Episoden endeten immer damit, dass mindestens einer der Akteure har har har lachend abging. Beim Friseurbesuch ist die Frage, wer zuletzt lacht, ja auch nicht ganz unbedeutend…

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  4. aurorula a. sagt:

    .

    Ist doch viel besser als Backspielhaus und Küchlverzeichnis (die gibt es in München wirklich, in der Nähe vom Theater).

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  5. […] Und Caarisma? Also, Chaarisma hätte ich als Wortspiel ja noch verstanden, da steckt immerhin Haar drin (und es gibt tatsächlich einen Friseursalon, der so heißt). Aber ohne h wirkt das wie von hinten durch die Brust knapp am Auge vorbei. Um eine Ecke zu viel wortgespielt. […]

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