Gewarnt

Neulich unterwegs gesehen, in einer Straßenbahn im schönen Heidelberg:

Es wird also vor dem Missbrauch des Griffs gewarnt. Was soll das genau bedeuten? Erster Gedanke: Mal angenommen, ich hätte vor, den Griff missbräuchlich zu betätigen. Während ich schon danach greife, kommt eine Stimme über die Lautsprecher: „Achtung, eine missbräuchliche Betätigung des Türöffners steht unmittelbar bevor.“ Kann ja nicht sein, wie wollen die wissen, was ich vorhabe? Ich könnte ja auch meinen alten Kaugummi an der Aluleiste unter dem Griff entsorgen wollen…

Vielleicht wollen die ja mich davor warnen, einen Missbrauch des Türöffners zu begehen? (Natürlich wollen sie das, weiß ich, ich bin ja nicht von gestern. Dass die nicht wollen, dass jeder nach Belieben die Türen aufmacht, ist irgendwie schon klar.) Dann wüsste ich aber gerne, welche Konsequenzen solch ein Missbrauch hätte. Außer natürlich, dass die Tür dann offenstünde. Einfach so unspezifisch zu warnen ist ein bisschen lahm, so im Stil Lass das sein, oder… Und das oder wird dann auch auf konkrete Nachfrage nie näher ausgeführt.

Was passiert mir also nach ungerechtfertigtem Türöffnen? Muss ich dann 40 Euro zahlen wie beim Schwarzfahren? Kriege ich vielleicht eine Anklage wegen gefährlichen Eingriffs in den öffentlichen Personennahverkehr? Das wird auf solchen Warnschildern üblicherweise mit Formulierungen wie wird strafrechtlich verfolgt oder wird zur Anzeige gebracht zum Ausdruck gebracht. Würde mir dann Hausverbot in den Heidelberger Straßenbahnen erteilt? Müsste ich, wie seinerzeit der Herr Bode vor ziemlich genau hundert Jahren, für sechs Tage in den Bau?

Fragen über Fragen, und die Chance, es herauszufinden ist futsch – ich musste am Hauptbahnhof aussteigen, bevor ich mir ein Herz fassen und es ausprobieren oder den Fahrer fragen konnte. Die Formulierung finde ich jedenfalls auf auf niedliche Art altmodisch: Vor Mißbrauch wird gewarnt. Das ist fast schon auf Augenhöhe mit der zu Herrn Bodes Zeit gelegentlich in öffentlichen Bedürfnisanstalten angeschlagenen Vorschrift Vor dem Hinaustreten sind die Kleider zu ordnen

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4 Kommentare on “Gewarnt”

  1. birgitrie sagt:

    tja, diese verbote üben ja wirklich immer einen reiz aus. wie gern würde ich mal ausprobieren, ob man mit dem notschlaghammer wirklich eine fensterscheibe einschlagen kann. den ernstfall muss man ja mal proben, oder?

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  2. gnaddrig sagt:

    Absolut. Dass man Autoscheiben in der Regel auch mit schweren Stiefeln nicht eingetreten kriegt, habe ich in der Fahrschule gelernt. Mein Fahrlehrer war ehemaliger Bundesgrenzschutzmann, die haben das wohl im Rahmen irgendwelcher Übungen mal ausprobiert. Aber wie das mit den Scheiben im Zug ist? Man fragt sich. Vielleicht sollte die Bahn mal ein entsprechendes Video veröffentlichen, um unsere Neugier auf materialschonende Weise zu befriedigen…

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  3. birgitrie sagt:

    gute idee – bei der autoscheibe schaut’s ziemlich easy aus http://www.youtube.com/watch?v=_Z3WVN3MO5o

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  4. gnaddrig sagt:

    Kurz und knackig. Ein bisschen opulenter könnte die Bahn das sicher hinkriegen. Da tät ich dann sogar drüber schreiben!

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