Täglich geklaut

Mir ist beim Aufräumen meiner Festplatte diese schon etwas ältere Aufnahme in die Hände gefallen:

Ein Andenkenladen hat seit September 2011 diese Mitteilung im Zeitschriftenständer neben der Ladentür stecken. An einem Werbeständer für Bild, der auf der anderen Seite der Ladentür steht, hängt der gleiche Zettel zur Sicherheit auch nochmal. Ganz ernst kann das nicht gemeint sein, denn das Springerblatt steckt an gefühlt drei von fünf Tagen trotzdem im Zeitschriftenständer, während direkt nebendran das Gegenteil behauptet wird:

Jetzt frage ich mich: Wer klaut die Bild so oft, dass der Ladeninhaber sich zu solchen Maßnahmen genötigt sieht? Entweder findet da jemand die Bild so toll, dass er sie unbedingt haben will und sie regelmäßig mitgehen lässt. Oder jemand braucht die Bild, will für den Dreck aber kein Geld ausgeben. Das könnte etwa ein Handwerker sein, der im Kollegenkreis nicht auffallen will, oder ein Journalist, zu dessen vornehmsten Pflichten heutzutage ja die regelmäßige Bild-Lektüre gehört.

Oder natürlich jemand will nicht, dass Bild gelesen wird und klaut sie möglichst oft vom Ständer, damit wenigstens die paar hier angebotenen Exemplare ungelesen bleiben. Angesichts der Auflage dieser Zeitung wäre das – mal ganz abgesehen davon, dass Diebstahl strafbar und deshalb sowieso keine gute Idee ist – ein bisschen wie der Versuch, den Bodensee mit einem Fingerhut leerzuschöpfen oder – ich lasse mich hier vom stellenweise recht sperrigen Œuvre eines ebenfalls sperrigen deutschen Literaturnobelpreisträgers inspirieren – einen Roman in den Schnee zu pinkeln. Also eher nutzlos, Sisyphos lässt grüßen. Dass der Ladeninhaber den Verkauf von Bild zu verhindern versucht, glaube ich weniger – der verdient damit immerhin sein Geld.


2 Kommentare on “Täglich geklaut”

  1. Pfeffermatz sagt:

    Es ist viel einfacher: der Ladeninhaber möchte die Kunden in seinen Laden locken, damit sie sich auch ein bisschen umschauen müssen und vielleicht noch was anderes kaufen.

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  2. gnaddrig sagt:

    Das ist natürlich ein Gedanke. Halte ich für unwahrscheinlich, weil der Laden, soweit ich das beurteilen kann, überwiegend Stammkundschaft hat: Leute, die ihre Lottoscheine abgeben, Kippen und Zeitung kaufen. Die wissen sowieso, wo alles ist. Touristen dürften da eher weniger vorbeikommen, und sonst hat kaum jemand Anlass, den Laden aufzusuchen. Aber was weiß ich, vielleicht haben die Bilderberger da irgendwas gedreht 😉

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In den Wald hineinrufen

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