Die Realität dennoch sagen

Jeder Blogger dürfte sie kennen, die beliebten Spamkommentare, und gnaddrig ad libitum ist da keine Ausnahme. Das Verhältnis der echten Kommentare zu Spamkommentaren ist hier ungefähr 2:3, für jeden Kommentar kommen bei mir also anderthalb Spamkommentare rein. Meistens kriege ich die natürlich gar nicht erst zu sehen, weil sie gleich von Akismet herausgefiltert und ins Nirvana geschickt werden. Immer wieder rutschen aber doch mal welche durch und landen im Kommentare-Ordner zum Freigeben oder Löschen. Und die sind oft ziemlich witzig.

Interessant finde ich dabei, dass die Spammer sich überhaupt die Mühe machen, Texte für ihre Wurfsendungen zusammenzustoppeln. Klar, man braucht einen Text, damit der Kommentar überhaupt eine Chance hat, als solcher durchzugehen. Aber es wirkt so, als legten sie es geradezu drauf an, als Spammer erkannt zu werden. Die Texte sind in der Regel gerade verständlich genug, dass man sie nicht von vornherein als lorem ipsum abtut, aber auch wieder nicht so glatt, dass sie als echte Kommentare durchgehen könnten. Die Erklärung von AntiSpam e.V., dass diese Prosa von irgendwelcher Ratware automatisch generiert wird, ist zwar plausibel, aber viel zu langweilig. Ich behaupte einfach mal, die haben da irgendwelche Schreibknechte im Keller sitzen, die pro Stunde ein Butterbrot und alle zwei Stunden ein kleines Bier kriegen und dafür diese Texte im Akkord raushauen. Das ist wahrscheinlich das Fegefeuer für Journalisten.

Eigentlich kann es ja nicht so schwer sein, irgendwo halbwegs gescheite Texte herzukriegen. Stattdessen verschicken sie Spamprosa, die jedoch auch nicht auf Bäumen wächst, sondern geschrieben werden muss. Das soll ja fast schon eine eigene Literaturgattung sein (darüber habe ich vor einer Weile mal was gelesen, finde das aber grad nicht wieder). Die sprechenden Nicks der Spammer sind dann so eine Art Schaufenster, wie der aufgeklappte Mantel mit den Uhren, Nylonstrümpfen und Zigaretten eines Schwarzmarkthais in der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Was die sich von der Spammerei versprechen, ist mir nicht ganz klar. Auf den dazugehörigen Link wird doch niemand klicken, höchstens versehentlich. Und kaufen wird dort dann sowieso niemand etwas, so blöd kann man ja eigentlich kaum sein. Die daranhängenden Webseiten werden im Wesentlichen Virenschleudern und Trojanerportale sein, von denen sich jeder vernünftige Mensch nach Kräften fernhalten wird. Außer natürlich, wenn bei der Aussicht auf billige Zigaretten, VIP-Escort-Services u.ä. bei den Leuten das Hirn aussetzt. Jedenfalls muss es sich irgendwie doch rechnen, sonst wäre diese Sorte Spam schon längst ausgestorben.

Aber zurück zu den Texten. Jemand, der ausweislich seiner E-Mail-Adresse cheapest cigarettes feilbietet, dankt mir auf Englisch für die hohe Qualität meiner Artikel und gibt vor, meinem hehren Beispiel folgen und jetzt auch ein Blog aufmachen zu wollen:

I would like to thank you for the efforts you
have put in penning this blog. I’m hoping to check out the same high-grade content from you in the future as well. In fact, your creative writing abilities has motivated me to get my own blog now ;)

Jemand anderes, bei dem man VIP-Escorts buchen kann, ist da kritischer:

offensichtlich wie gnadlib.wordpress.com Sie jedoch, um die Rechtschreibung auf mehreren, Ihre Beiträge zu testen müssen. Eine Reihe von ihnen sind voller Rechtschreibfehler Probleme und ich finde es sehr mühsam, die Realität dennoch sagen, ich werde auf jeden Fall wiederkommen.

Man muss ihm zugute halten, dass er selbst keine Rechtschreibfehler in seinem Text hat. Der Rest spricht für sich. Ab in den Papierkorb, Genossen!

Nachtrag (7. November 2012): Heute ist mir ein besonders schöner Spamkommentar ins Haus geflattert. Jemand, der auf dänisch Daunenjacken oder sowas vertickt, hat mir folgendes mitzuteilen, wieder angemessenerweise auf Englisch:

I not to mention my pals came looking at the good things on the blog and so all of a sudden I had a horrible feeling I had not thanked the web site owner for them. These women were consequently excited to read through all of them and already have in truth been taking advantage of those things. We appreciate you genuinely very considerate and also for considering this kind of impressive tips millions of individuals are really wanting to understand about. Our own sincere apologies for not saying thanks to you earlier.

Ganz recht, immer schön Danke sagen, und natürlich gibt es auf gnaddrig ad libitum jede Menge, ähm, praktische Lebenshilfe. Man denke nur an die hier vorgestellte Fernsteuerung von Rinderherden, das Tracking von Kleidungsstücken, die Marmeladenbrotmaschine oder das Magnetschwebegeschirr. Wo wäre unsere Zivilisation ohne all die bahnbrechenden Innovationen, die in diesem Blog ihren Anfang genommen haben?

Nachtrag (27. November 2012): Herrschaftszeiten, jetzt habe ich mir einen Hardcorespammer eingefangen. Der vertickt anscheinend Sportschuhe. Hier sind innerhalb von drei Tagen etwa 1300 Spamkommentare eingegangen. Die allermeisten stehen nur in der Statistik, aber gut 150 waren im Spamordner, und ich habe sie von Hand ins Nirwana schicken müssen. Einer ist sogar durchgekommen und war im Blog zu lesen. Dabei sah der genauso aus wie die anderen im Spamordner, und er kam von der gleichen Sorte Absender – die blöde Nervensäge benutzt offensichtlich Dutzende, wenn nicht Hunderte verschiedener E-Mail-Adressen, aber alle nach demselben Strickmuster. Merkwürdig.

Nachtrag (19. Dezember 2012): Mittlerweile kommen auf jeden echten Kommentar bei mir etwa zehn abgefangene Spamkommentare. Aber die Spamwelle ist abgeebbt. Heute ist mir nach zwei, drei Wochen gespenstischer Stille wieder was im Spam-Ordner gelandet. Und gleich eine höchst profunde Mitteilung auf Was ich gut finde:

Right away I am ready to do my breakfast, later than
having my breakfast coming over again to read more news.

Ich spiele mit dem Gedanken, die schönsten Spamkommentare auf einer Extraseite zu sammeln.

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5 Kommentare on “Die Realität dennoch sagen”

  1. Stefan R. sagt:

    Habe ich auch gelegentlich. Ich frage mich bei so was immer wieder, wer allen Ernstes auf auf so was reinfällt. Ich meine, bei dem Spam im Mailpostfach kann ich mir ja noch denken, dass ein paar Verstrahlte sich mit angetüterter Birne beginnen, sich für Dödelverlängerungen, Viagra oder herzzereißende Spendenaufrufe zu interessieren, aber in Blogs???

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  2. gnaddrig sagt:

    Irgendein Berater wird das mal als gute Strategie vermarktet haben. Ob das wirklich was bringt, weiß keiner, aber bei Spammers International halten sie trotzdem verbissen dran fest.

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  3. 0x0d sagt:

    Ich glaube eher, anstatt um direkte Klicks (die gibt es für solchen Unsinn doch wirklich nur aus Versehen) geht es den Spammern um möglichst viele von Google erkannte Verlinkungen.

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  4. gnaddrig sagt:

    Kann sein. Andererseits werden Links in Kommentaren von vielen Blogmaschinen automatisch mit rel=“nofollow“ versehen. WordPress macht das, blogspot.com auch. Da dürfte eigentlich für das Google-Ranking nicht so viel abfallen.

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  5. tinyentropy sagt:

    Ich glaube es geht dabei darum, dass die Seiten dadurch vielfach im Netz verlinkt sind und somit im vermeintlichen Google-Algorithmus (Details nicht bekannt) höher gerankt werden.

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