Telekinese im Haushalt

Man muss ja immer mal Dinge hochheben, aus dem Weg räumen, an ihren Platz stellen. Geschirr, Kleidung, Bücher, Eingekauftes, Möbel, alles mögliche. Das Zeug ist oft schwer und sperrig, oder es sind tausend kleine Fitzelchen, und es nervt. Besonders, wenn man sie nicht selbst dahingetan hat, wo sie sind und wo sie nicht hingehören. Auch kommt es vor, dass man auf dem Sofa sitzt, das Buch (die älteren Leser hier werden das noch kennen, aus Papier) ausgelesen hat und aufstehen müsste, um es wegzustellen und ein anderes zu holen.

Jetzt meint meine Älteste, es wäre doch toll, wenn man Dinge mit den Augen bewegen könnte. Man müsste das Frühstücksbrettchen also nicht von Hand zum Abwasch tragen, sondern könnte es mit dem Blick fassen, heben und zum Abwasch befördern. Eine klasse Idee, finde ich. Da müsste sich mal jemand Gedanken machen, wie das umgesetzt werden kann. Ich bin überzeugt, dass es keine parawissenschaftliche Telekinese gibt, aber mit technischen Mitteln müsste man so eine Telekinese-Anwendung eigentlich völlig esoterikfrei bauen können.

Es gibt ja bereits ausgereifte Technik zum Überwachen von Augenbewegungen. Die wird gelegentlich in Autos eingesetzt, um zu verhindern, dass der Fahrer einnickt und dann einen Unfall verursacht. Die Kamera beobachtet den Fahrer ständig, und wenn die Software für das Einnicken typische Bewegungsabläufe oder Körperhaltungen erkennt, löst sie ein Warnsignal aus, um den Fahrer rechtzeitig wieder wachzumachen. Je nach Konfiguration und Rechtslage könnte ein solches System auch aktiv eingreifen und etwa eine Notbremsung auslösen oder das Steuer übernehmen, um das Auto auf der Spur zu halten oder einem Hindernis auszuweichen.

Diese Technik lässt sich sicher auch für das blickgesteuerte Bewegen von Gegenständen nutzen. Man könnte damit meine Augenbewegungen verfolgen und feststellen, wann ich etwas fixiere. Über eine Geste oder ein Sprachkommando könnte ich dem Apparat befehlen, das Ding anzuheben. Dann steuere ich mit dem Blick, wo das Ding hin soll, und über eine Geste oder ein Sprachkommando setze ich das Ding am gewünschten Ort ab. Nun haben Gesten oder Sprachbefehle beinahe schon etwas Gestriges. Richtig cool wären natürlich direkt aus den Hirnströmen abgelesene Gedankenbefehle. Das ist mittlerweile auch machbar, und dies wäre ein ideales Einsatzgebiet dafür.

Die Kamera folgt also meinem Blick, die Software erkennt, was ich anschaue. Sie gleicht den Gegenstand mit einer Datenbank (z.B. aller Gegenstände in meiner Wohnung, oder gängiger Dinge, die Leute so haben) ab und identifiziert ihn. Dann muss das Ding hochgehoben werden. Dazu muss ein Apparat vorhanden sein, der Energie dort an den richtigen Stellen in der richtigen Dosierung und Form freisetzen kann. Man bräuchte dazu gar nicht besonders viel Energie, ein Yoda-Äquivalent dürfte im Alltag mehr als ausreichen.

Roboter wären denkbar, aber lästig – ein zusätzliches Möbel, das unter Umständen auch wieder im Weg ist, blinkt, Geräusche macht oder der Katze über den Schwanz fährt. Das ist zu klobig und riecht zu sehr nach Science Fiction aus den 60er Jahren. Also braucht man eine Technik, die Energie über Strahlen irgendeiner natürlich harmlosen Art an die richtige Stelle schicken und dort auf die gewünschte Art einsetzen kann. Man müsste wahrscheinlich jeden Raum einer Wohnung damit ausrüsten, ähnlich wie die Magnetschwebetechnik für meine schwebenden Salzfässer. Über die zum Anheben der Gegenstände aufgewendete Energie kann man als nette Nebenwirkung auch genau feststellen, wie schwer der Gegenstand ist. Das macht die Haushaltswaage überflüssig.

Jetzt sind wir technisch soweit, dass ich einen Gegenstand fixiere, ihn per Gedankenbefehl anhebe, per Augenbewegung irgendwohin dirigiere und dort per Gedankenbefehl wieder absetze. Man müsste natürlich dafür sorgen, dass die Software Ablenkungen erkennt und ignoriert, sonst könnte es zu peinlichen Szenen kommen. Wenn etwa jemand in die Küche gelaufen kommt und mich von der Seite anspricht, während ich eine Sahnetorte von der Arbeitsplatte auf den Esstisch beame. Mein Blick wird natürlich zu dem Hereinkommenden springen, mit dem Ergebnis, dass diese Person eine Sahnetorte ins Gesicht geklatscht kriegt.

Der Ausdruck „jemanden mit den Augen ausziehen“ könnte in diesem Zusammenhang eine ganz neue Bedeutung kriegen, und Augen- oder Gedankendisziplin wäre wichtiger denn je, sofern ich Personen und ihre Accessoires softwareseitig nicht ausdrücklich für diese Art der Manipulation sperre. Da ist es nur gut, dass der öffentliche Raum aus Kostengründen wohl kaum jemals mit dieser Technik ausgestattet wird. Man würde sich sonst wundern, wieviele Fettnäpfchen es plötzlich überall gäbe. Mit der Technik könnte man auch einen im wahrsten Sinne des Wortes stechenden Blick implementieren und Leute oder Dinge buchstäblich mit Blicken durchbohren. Ebenfalls denkbar wären Beaming-Duelle und alle möglichen Klabautereien.

Man könnte allerdings, und das wäre wieder ausgesprochen praktisch, mit dieser Methode sehr schön Windeln wechseln. Man entfernt die anrüchig gefüllte Windel und wischt die beschmierten Teile des Babys angenehm berührungsfrei sauber und entsorgt Windel, Tücher und eventuell beschmutzte Kleidungsstücke, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Man hätte die Hande frei und könnt so vergleichsweise einfach verhindern, dass das Baby beim Strampeln selbst in die Stinkerei greift und das Zeug wild weiterverbreitet. Wer je ein Baby hatte, wird wissen, wieviel Spaß man da haben kann!



In den Wald hineinrufen

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