Blümchenkaffee

Kaffee ist hierzulande sehr beliebt, für viele praktisch unverzichtbar. Der Kaffeeverbrauch stagniert auf einem recht ansehnlichen Niveau. Es gibt an allen Ecken Cafés, und mittlerweile hat fast jeder Friseur, Optiker und Schreibwarenladen zur Versorgung der Kundschaft einen Kaffeevollautomaten, der die gängigen sogenannten Kaffeespezialitäten auf Knopfdruck brauen kann. Damit man nie ohne Kaffee sein muss und damit dieser Kaffee überall, außer vielleicht in den allerfeinsten Cafés und Restaurants, möglichst gleich schmeckt. Mit H-Milch. Oft auch mit Schimmel in den nicht vom Kaffee durchlaufenen Ecken des Brühwerks. Aber egal, die Leute trinken’s reichlich und anscheinend gerne.

Auch im privaten Bereich sind diese Superkaffeemaschinen weit verbreitet. Die Dinger werden gelegentlich schon von Discountmärkten für niedrige dreistellige Eurobeträge verkloppt, der Markt dürfte bald gesättigt sein. Mit so einem Apparat kann man sich also nicht mehr groß von Hinz und Kunz absetzen, allenfalls über (prestigeträchtige und entsprechend teure) Marken. Und sogar das dürfte nur begrenzt funktionieren, weil wahrscheinlich nicht jeder die Maschine des Gastgebers besichtigen wird.

Also muss muss was Neues her, egal ob zum Angeben oder zum Genießen. Edelkaffee zum Beispiel, damit sollte man eigentlich beiden Disziplinen punkten können. Tchibo weiß das schon seit einer ganzen Weile, die verkaufen immer wieder ganz besondere und seltene Kaffeesorten aus speziellen Plantagen. Kaffee mit Charakter, der beschrieben wird wie anderswo Wein. Da kann man für ein Kilogramm Kaffee derzeit bis zu 79,60 ausgeben. Bei Dallmayr sogar 116,-. Ein bisschen besonders ist das schon, aber eigentlich kann sich das jeder Besserverdienende leisten, und wenn nicht zum täglichen Konsum dann doch zumindest zum gelegentlichen Angeben. Außerdem klingt Tchibo schon noch ein bisschen wie Aldi. Das macht nicht wirklich was her.

Das Ende der Fahnenstange ist allerdings noch ein gutes Stück weiter oben. Dass es aus Indonesien Kaffee gibt, den man vor dem Rösten an Katzen verfüttert, war mir schon bekannt. Dank Wikipedia weiß ich jetzt auch, dass es in Osttimor eine fuchsdarmbasierte Version dieser Kostbarkeit gibt und in Vietnam eine auf Wieseldarmbasis, und dass diese Behandlung den (immerhin unverdaut bleibenden) Kaffeebohnen vor allem Bitterstoffe entzieht. Das Resultat ist anscheinend ein besonders milder Kaffee, den man für ungefähr 300 Euro das Kilogramm bekommt.

Und heute lese ich, dass jemand noch eins draufgesetzt hat und seine Kaffeebohnen durch Elefanten schickt. Das Zeug heißt poetisch Black Ivory Coffee und kostet fertiggeröstet um die 850 Euro das Kilogramm. Bestimmt riecht der Kaffee nach dem Rösten nicht mehr nach Elefantendung, vielleicht schmeckt das Gebräu ja sogar besonders gut, aber irgendwie schüttelt es mich trotzdem bei dem Gedanken, sowas zu trinken. (Ja, ich weiß, dass das Erdbeeraroma im Joghurt von Schimmelpilzen aus Holzspänen hergestellt wird, dass Waldhonig im Wesentlichen Läusekacke ist und Käse mit einem Enzym aus dem Darm von Kälbern hergestellt wird und eigentlich nichts anderes als gesteuert vergammelte Milch ist. Ich beanspruche auch nicht, dass meine Vorlieben und Abneigungen konsistent oder gar sinnvoll seien!)

Da lobe ich mir meinen auch nicht bitteren, dafür aber erheblich bezahlbareren, qualitativ im mittleren Bereich angesiedelten Assam. Es gibt manchmal auch Darjeelings, die nicht nach aufgegossenem Feuilleton schmecken sondern einigermaßen Schmiss haben, und natürlich kräftige, gut trinkbare Ceylon-Tees. Das Zeug schmeckt mir jedenfalls so gut, dass ich kaum je überhaupt Kaffee brauche, und schon gar keinen, den vorher die Katze gefressen hat. Sauereien wie die schwarzelfenbeinerne Benjamin Blümchen Blend kommen mir jedenfalls nicht in die Tasse, und nicht etwa, weil mir das zu teuer wäre. Das mit dem Preis ist eine nachrangige Erwägung…

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5 Kommentare on “Blümchenkaffee”

  1. Stefan R. sagt:

    Törööö! Benjamin Blümchen wird Kaffeehersteller! Habe ich auch gelesen und mochte es nicht glauben. Mal sehen, welche Tiergattung als nächste zur Darmveredelung der braunen Brühe antreten darf.
    Bei Tee kann ich empfehlen, auch als Beutelgegner Englischen Alltags-Teebeuteln wie ‚PG Tips‘ eine Chance zu geben – heftig-kräftige Ceylon-Assam-Mischungen, nur mit Milch zu trinken und mit nichts aus hiesigen Landen zu vergleichen. Sind mit Glück in Asia-Shops zu vernünftigen Preisen zu haben.

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  2. gnaddrig sagt:

    Stimmt, vieles von dem Zeug von „drüben“ ist ziemlich trinkbar und vor allem robust. Da kann man kaum was falsch machen. Hauptsache das Wasser ist mehr als handwarm…
    Tetley’s fand ich gut. Außerdem gefällt mir, dass die sich die überflüssigen Fäden und Etiketten für die Teebeutel sparen. Das ist nur unnötiger Müll.

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  3. ausgesucht sagt:

    … manche Kaffekreationen sind echt für’n A*sch 😉

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  4. […] ins Weltkulturerbe steht, zusammen mit der martialischen Steigerungsform Schwerterkaffee. (Dieser Text handelt übrigens nicht von dieser Art Blümchenkaffee. Die irreführende Überschrift hängt […]

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  5. Yadgar sagt:

    Pfff, also ich bleibe bei Wasserkocher und Handfilter… und „ja! kräftig“ von REWE! Hauptsache Koffein…

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