Schneeflöckchen, Weißröckchen

Schneekristalle sind sechseckig und meistens irgendwie sternförmig. Jedes sieht anders aus. Ich kann nicht überprüfen, ob ein bestimmtes Muster vielleicht doch irgendwo mehrmals vorkommt, aber so genau will ich das jetzt auch gar nicht wissen. Ich bin zufrieden mit dem Wissen, dass es wahnsinnig viele verschiedene denkbare Formen für Schneekristalle gibt.

Interessant finde ich dabei, dass das überhaupt so ist. Wasser muss ein vielseitiger, pflegeleichter Stoff sein, wenn es in so vielen verschiedenen Formen auskristallisieren kann. Und trotzdem hat es, sagen wir, feste Werte, weil es dabei immer sechseckige Formen bildet. Das letztere hat sicherlich solide physikalische Gründe, aber die interessieren mich jetzt weniger.

Viel interessanter finde ich die Frage, warum diese Schneesterne so symmetrisch wachsen. Dass die Sechseckform aus irgendeinem Grund zwingend oder naturgegeben ist, kann ich mir grundsätzlich vorstellen, auch wenn ich den Mechanismus nicht kenne, der dafür verantwortlich ist. (Hier gibt es eine kurze Erklärung, und das hier ist auch ganz hübsch geschrieben.) Warum aber alle sechs Arme des Schneekristalls fast immer fast genau gleich aussehen, verstehe ich nicht. Warum sie sich alle in demselben Abstand zum Mittelpunkt des Kristalls verzweigen, ist mir genauso rätselhaft. Diese Verzweigungen wachsen ja an Stellen, die Millionen Moleküllängen vom Mittelpunkt entfernt sind. Das sind also nicht unmittelbar naheligende Punkte. Woher weiß Arm 1, was für Verästelungen die Arme 2 bis 6 gerade bilden? Liegt hier eine Art Quantenverschränkung vor, mit deren Hilfe die Arme sich gleich verhalten? (Natürlich nicht, da wäre ja der Maßstab um mehrere Größenordnungen verrutscht.) Bestehen innere Spannungen im Kristall, die dann an allen Enden zwangsläufig zu denselben oder zumindest ganz, ganz ähnlichen Verästelungen führen?

Da die Form der Kristalle anscheinend u.a. von der Temperatur abhängt, könnte es ja sein, dass die Kombination aus Lufttemperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit die Form beeinflusst und dass jede konkrete Kombination dieser drei (und eventuell anderer) Parameter eine bestimmte Sternform hervorruft. Dann würden vielleicht schon Abweichungen von wenigen Millionstel Grad eine andere Sternform bedingen. Andererseits – ist die Temperatur an den gegenüberliegenden Enden eines wachsenden Eissterns immer exakt gleich, oder kann es da schon Abweichungen in der vorgenannten Größenordnung geben?

Fragen über Fragen, die zu beantworten mir die Fachkenntnisse fehlen. Bleibt mir nur, Schneesterne wunderschön und faszinierend zu finden und zu hoffen, dass ich in absehbrer Zeit noch ein paar davon zu sehen bekomme.



In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.