Tütenwasser

Bei Sachen gibt’s habe ich in einem Kommentar die geniale Idee vorgebracht, Trockenwasser zu verkaufen. Das wäre ähnlich wie Tütensuppe, man verdünnt den Inhalt der Tüte mit einer bestimmten Menge Wasser und hat ganz schnell und unkompliziert frisches Wasser, egal wo man ist. Das war eigentlich nur als Witz gedacht, aber man könnte das wirklich machen.

Wasser ist ja nun unverzichtbar, wir brauchen es alle täglich. Für die meisten ist es einfach nur die Flüssigkeit, die man eben zum Waschen und Kochen und als Hauptbestandteil von Getränken benötigt. Es gibt aber viele, die ein erhebliches Buhei um das richtige Mineralwasser machen. Grad, dass sie es nicht in klimatisierten Weinkellern einlagern. Und da könnte man ansetzen, beim anspruchsvollen Gourmetpublikum und bei den Lifestylesnobs.

Auf die Qualität des Leitungswassers und die Probleme mit der Keimbelastung auf den letzten paar Metern Leitung bis zum Wasserhahn will ich nicht groß eingehen. Wir sind in Deutschland recht gut dran mit unserem Wasser. Von Bekannten, die in Tadschikistan wohnen, habe ich dagegen ganz interessante Geschichten über die Lebensdauer von extra für Dritte-Welt-Länder entwickelten Heavy-Duty-Wasserfiltern gehört und darüber, wie die Filter am Ende ihres unerwartet kurzen Lebens so aussehen. Der seinerseits auch schon einiges gewohnte Hersteller des Geräts hat wohl beim ersten Mal geäußert, das sei ein Filter für Leitungswasser, nicht für Abwasser und wollte kaum glauben, dass man so einen Filter in so kurzer Zeit tatsächlich nur mit dem Dreck im normalen Leitungswasser dermaßen zurichten kann.

Wir brauchen uns da im Vergleich überhaupt nicht zu beschweren, aber es mag in manchen Fällen gute Gründe geben, zum Kochen und Zähneputzen doch lieber abgepacktes Wasser aus dem Laden zu verwenden, gerade in schrumpfenden Gemeinden mit überdimensionierten Leitungsnetzen, wo das Wasser zu lange in den Leitungen steht.

Aber ganz unabhängig von solchen elementaren gesundheitlichen Überlegungen wird Mineralwasser oft zum Schönheits-, Kraft- und Freudespender hochstilisiert. Besonders Wässer mit viel Magnesium und Kalzium werden besonders aufdringlich als Sportler- und Lifestylegetränke beworben, dabei machen beide Stoffe das Wasser bitter bis an die Grenze der Trinkbarkeit. Aber gut, soll jede selbst wissen, was für Wasser sie mag. Sorten gibt es ja wahrlich genug, einheimische und importierte.

Apollinaris, Perrier und San Pellegrino kann man sicher ohne große Probleme auftreiben, aber wenn es nun unbedingt Borjomi (Боржоми) aus Georgien sein muss, oder Lanjarón aus den Alpujarras oder das argentinische Eco de los Andes, hat man ein Problem. Das wird kaum wer importieren, und wenn doch, dann wird es sauteuer sein. An der Quelle bestellen dürfte für die meisten kaum praktikabel sein. Da muss man sich den guten Stoff anders besorgen.

Nun hat Mineralwasser die Eigenschaft, zum allergrößten Teil aus Wasser zu bestehen. Wasser, also reines Wasser, in anderen Worten H2O, ist überall dasselbe. Es ist aus fast allen wasserhaltigen Ausgangsstoffen recht einfach herzustellen. Wenn man sauber destilliert dürfte es am Ende keinen Unterschied machen, ob man Flusswasser, Spülwasser oder altes Bier als Grundstoff nimmt. Es bleibt eben nur reines H2O übrig. Und weil das wirklich überall gleich ist, muss man es eigentlich nicht in Flaschen gefüllt um die Welt karren. Da könnte man auch Mineralwasserkonzentrat nehmen, das nimmt viel weniger Platz weg (Limonadenhersteller machen das übrigens genauso).

Man dicke das Mineralwasser also ein, bis eine dicke, fast gesättigte Salzlösung übrigbleibt, ungefähr so wie im Toten Meer. Diesen Mineralwassersirup kann man dann erheblich günstiger in alle Welt verschicken. Dort muss dann nur noch jemand die richtige Menge Aquadest (gibt’s in jeder Drogerie) dazugeben, und fertig ist das originalgetreue Edelwasser.

Man könnte es sogar noch weiter treiben und das Mineralwasser vollständig verdampfen und die dann in Pulverform übrigbleibenden Mineralsalze als Grundlage für Mineralwasser nehmen. Das Pulver zu verschicken dürfte noch billiger und einfacher sein. Jeder Liebhaber könnte sich einen hübschen Vorrat seiner Lieblingswässer zulegen und könnte sogar bei großem Durst und breitgefächertem Sortiment seinen Jahresvorrat in einem Schuhkarton unterbringen (das zum Anrühren nötige Aquadest kauft man natürlich nach Bedarf zeitnah, oder man destilliert das als Wasserkenner von Format sowieso gleich selbst) und muss sich nicht mehr den halben Keller mit vielen Kilogramm Glasflaschen zustellen.

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2 Kommentare on “Tütenwasser”

  1. Pfeffermatz sagt:

    Geniale Idee! Es käme natürlich auf einen Test an, ob der Eco-de-los-Dingsbums-Gourmet tatsächlich keinen Unterschied zwischen seinem „echten“ Wasser und der dehydrierten Version schmeckt

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  2. gnaddrig sagt:

    Stimmt. Man müsste noch ein bisschen testen. Bisher ist das alles noch recht theoretisch. Aber ich rechne jeden Augenblick damit, dass mich Nestlé oder Danone anrufen, um mir die exklusive Lizenz für das Verfahren abzukaufen 😉

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