… aber fein!

Vor einer Weile hatte ich darüber geschrieben, wie man Tee kocht. Also nicht so sehr, wie andere Leute Tee kochen oder Getränke, die sie Tee nennen (die Problematik hatte ich natürlich gestreift), sondern wie ich das mache. Eben über die alleinrichtige Art, Tee zu kochen.

Nun bin ich darauf aufmerksam gemacht worden, dass nicht nur die Temperatur des Wassers beim Aufgießen für den Geschmack relevant ist, sondern angeblich auch der Sauerstoffgehalt. Sauerstoff kann sich in Wasser lösen. Je heißer das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff kann es aufnehmen. Je länger man das Wasser kocht, desto mehr Sauerstoff verflüchtigt sich also. Wasser, das gerade erst anfängt zu kochen, müsste demnach mehr gelösten Sauerstoff enthalten, und das soll den Tee aromatischer machen als zu lange gekochtes Wasser, das erheblich weniger oder fast gar keinen gelösten Sauerstoff mehr enthält.

Bei Wikipedia ist man ebenfalls dieser Meinung. Tee, der mit sauerstoffarmem Wasser aufgegossen wird, schmecke leblos und fade, heißt es da. Wie schnell sich der Sauerstoff beim Erhitzen des Wassers verflüchtigt, weiß ich natürlich nicht. Kann gut sein, dass beim Erreichen des Siedepunktes schon gar keine nennenswerten Mengen Sauerstoff mehr gelöst sind. Ich habe ein bisschen herumgesucht, aber nichts Relevantes dazu gefunden.

Egal, es hat mich natürlich interessiert, ob es diesen geschmacklichen Unterschied tatsächlich gibt. Und wenn es ihn gibt, würde ich natürlich auch gleich wissen wollen, wie er zustandekommt. Da ich vollmundigen Ankündigungen von Aficionados gegenüber normalerweise misstrauisch bin (gilt übrigens ebenso für Audiophile mit bestimmten, umständlichen und teuren Vorlieben bei Equipment und Datenformaten), musste ein Selbstversuch her.

Wir haben klein angefangen. Meine Frau hat in meiner Abwesenheit zwei identische Filtertüten mit genau gleich viel Teeblättern drin in zwei identische Tassen gehängt und mit derselben Menge Wasser aufgegossen. Einmal mit gerade frisch aufgekochtem Wasser, einmal mit noch einmal richtig schön gründlich durchgekochtem Wasser aus demselben Kessel. Beide Tassen haben exakt gleichlang gezogen. Ich bin dann in die Küche gegangen und habe probegetrunken. Dabei konnte ich keinen Unterschied feststellen.

Nun ist ein einzelner Satz Aufgüsse als Datenbasis etwas mager, um so etwas abschließend beurteilen zu wollen. Aber wir hatten keinen Nerv, noch fünf oder zehn Paar Tassen Tee zu kochen. Vielleicht holen wir das bei Gelegenheit nach, um sicherzugehen, dass da nichts ist. Aber bei der ersten Probe haben die beiden Aufgussmethoden eben keinen für mich merklichen Unterschied im Geschmack zur Folge gehabt. Ich vermute deshalb, dass es sich  eher nicht lohnen wird, auf (mutmaßlich) sauerstoffreiches Wasser zu achten. Jetzt ums Verrecken einen Unterschied herauskitzeln zu wollen wäre vielleicht auch bescheuert.

Ein Glück! Sonst hätte ich mir was überlegen müssen, wie ich die Tasse vorwärmen kann, ohne das Wasser kaputtzukochen. Wahrscheinlich Mikrowelle. Das wäre jedenfalls eine Menge Geschiss gewesen. Oder ich wäre versucht gewesen, ab sofort spezielles, extra mit Sauerstoff angereichertes Wasser zum Teekochen zu nehmen, das gibt es ja in fast jedem Supermarkt. Wenn das Wasser anfangs mehr Sauerstoff hat, könnte es sein, dass es länger dauert, bis der völlig rausgekocht ist und dass auf diese Art beim Aufgießen mehr gelöster Sauerstoff präsent ist. Dann wäre der Tee auf Dauer recht teuer geworden und das Teekochen zu umständlich.

Ich weiß, meine Frau wird jetzt laut lachen, weil ausgerechnet ich mich beschwere, etwas sei zu umständlich. Aber ich mache Umstände eben da, wo ich finde, dass sie sich lohnen, auch wenn das (völlig unverständlicherweise) nicht alle immer so sehen.


2 Kommentare on “… aber fein!”

  1. Pfeffermatz sagt:

    Vielleicht kann man dem Tee noch nach dem Aufgießen Sauerstoff zufügen. Mit einem Strohhalm, zum Beispiel. Ich probiere das jetzt gleich mal mit einem Bier 😉

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  2. gnaddrig sagt:

    Das ist natürlich auch eine geniale Idee. Vielleicht könnte man die Teekanne mit so einer Luftpumpe ausrüsten, wie sie sonst in Aquarien zum Einsatz kommt. Gut belüfteter Tee wäre sicher besonders gut. Oder man bringt Sauerstoff in Pulverform, das man dann in den fertigen schüttet. Aber das Bier lass man lieber in Ruhe, um das wäre es schade (außer Du trinkst Moravia, dann müsste ich über ein Hausverbot nachdenken, so grottenschlecht wie das Zeug ist, und die Brühe könnte durch Reinpusten nur gewinnen).

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