Auch wenn’s schwerfällt

Die ersten zehn Minuten waren ganz normal. Dann sagte der Lokführer durch, dass er wegen einer Fahrwegstörung nicht schneller fahren könne, er bitte um Verständnis. Gut, solange er überhaupt fahren kann ist es ja ok. Das ging dann so eine Viertelstunde lang, dann blieb der Zug auf freier Strecke stehen. Es kam eine altbekannte Ansage vom Band:

Sehr verehrte Fahrgäste, aufgrund der Überholung eines anderen Zuges verzögert sich unsere Weiterfahrt um wenige Minuten. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Kaum war das verklungen, meldet sich der Lokführer nochmal persönlich:

Verehrte Reisende, wegen einer Fahrwegstörung verkehrt dieser Zug nur bis Heidelberg Hauptbahnhof. Ich bitte, das ebenfalls zu entschuldigen… Auch wenn’s schwerfällt.

So gehört das – wenn man merkt, dass da Menschen in der Lok sitzen und nicht Maschinen oder steril klingende Ansagen-aufs-Band-Sprecher, ist das ganze gleich deutlich netter.

Von Fahrwegstörung spricht der Eisenbahner übrigens – ich bin selbst keiner, habe mich aber schlaugefragt – wenn die Leitstelle aus irgendwelchen Gründen nicht sicher weiß, ob die Strecke vor einem bestimmten Zug frei ist. Der Lokführer erhält dann die Anweisung, auf Sicht zu fahren. Da muss er dann so langsam fahren, dass er innerhalb des Sichtfeldes anhalten kann. Weshalb der Zug dann in Heidelberg enden musste, weiß ich immer noch nicht.

So ein eisenbahnechnischer Fachbegriff hat in der Kundenkommunikation eigentlich nichts verloren, aber immerhin wird man überhaupt informiert, zeitnah und dazu noch ehrlich. Das ist ja auch was wert. Bei solchen Lokführern fühle ich mich irgendwie gut aufgehoben.

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6 Kommentare on “Auch wenn’s schwerfällt”

  1. Pfeffermatz sagt:

    Folgendes habe ich mal gelernt:
    Wenn Menschen in Gleisnähe gesichtet wurden, heißt es „Personen im Gleis“. Wenn die Gefahr besteht, dass diese womöglich noch unter 14 waren, heißt es „Kinder im Gleis“. In beiden Fällen kann es natürlich sein, dass die Personen / Kinder längst über alle Berge sind. Der Unterschied zwischen beiden ist aber: Bei einer „Personen im Gleis“-Meldung reicht es, wenn der Lokführer dann auf Sicht fährt, bei „Kinder im Gleis“ darf der Zug dagegen erst dann weiterfahren, wenn die Umgebung ausreichend gründlich nach den (längst abgedüsten) Kindern abgesucht worden ist, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Das kann im schlimmsten Fall stundenlanger Stillstand bedeuten.

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  2. gnaddrig sagt:

    Dass es den Unterschied gibt, wusste ich nicht. Man lernt eben nie aus 🙂

    Und ich stehe lieber wegen „Kindern im Gleis“, als dass daraus ein „Personenschaden im Gleis“ wird.

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  3. Pfeffermatz sagt:

    Da hast du natürlich recht! Mein Kommentar klingt im Nachhinein tatsächlich a bisserl danach, als würde ich den Zug lieber weiterfahren sehen… – wird schon nichts passieren. Das meine ich natürlich nicht! Habe schließlich selber Kinder und habe auch selber als Kind dumme und gefährliche Sachen gemacht 😉

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  4. gnaddrig sagt:

    Ach Unsinn, so hatte ich den Kommentar nicht aufgefasst. Und stimmt, man macht als Kind schon einiges an dummem Zeug. Man kann zum Beispiel Münzen sehr schön von Zügen plattfahren lassen. Groschen sind hervorragend geeignet für sowas…

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  5. tinyentropy sagt:

    Ja, als Kinder haben wir auch gerne an den Gleisen gespielt – dass es dabei ausreicht, dass wir gesehen wurden, um einen kompletten Zug auf längere Zeit an der Weiterfahrt zu hindern, haben wir schlicht nicht bedacht. Da das ganze in Hauptbahnhof-Nähe passierte lässt mich jetzt erschrocken überlegen, wie viele Züge wohl deshalb Verspätung sammelten. 😮

    Übrigens, obwohl Fahrtwegstörung ein Bahner-Begriff sein mag, finde ich ihn doch sehr geeignet, um zu vermitteln, dass es nicht weiter geht 😉

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  6. gnaddrig sagt:

    Ich bin mir nicht sicher, ob man das mit Leuten am Gleis in den 70er Jahren schon so eng gesehen hat. Wir haben immer drauf geachtet, deutlich abseits des Gleisbetts zu stehen, wenn ein Zug kam.

    Was die Fachbegriffe angeht: Natürlich vermittelt auch ein Fachbegriff, den man nicht versteht, dass da ein Problem ist, wegen dessen der Zug langsamer oder gar nicht mehr fahren kann. Aber wenn die Bahn schon offensichtlich bestrebt ist, auch die (wenigstens ungefähre) Ursache für die Störung mitzuteilen, wäre es angebracht, dafür eben Begriffe zu verwenden, die der Laie auch versteht. Sonst könnte die Bahn einfach ohne Angabe von Gründen sagen, dass es nicht weitergeht. Aber klar, Fahrwegstörung deutet zumindest an, um was für eine Art Problem es sich handeln könnte. Obwohl, ich hätte da eher vermutet, dass es ein Problem mit den Schienen oder der Signaltechnik gibt. Dass die Leitstelle nicht weiß, welcher Streckenabschnitt wie frei ist, hätte ich nicht vermutet.

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