Stahlkocher

Vor einer Weile bin ich auf ein Stück Musik gestoßen, das mich fasziniert, nämlich The Eternal Flames of Metal der mir bis dato unbekannten schwedischen Band Cryonic Temple.

Musikalisch recht gelungen, finde ich. Druckvoll und dabei melodisch. Die Stimme vielleicht etwas dünn, aber noch im Toleranzbereich. Das Schlagzeug etwas zu flach, das könnte ruhig etwas plastischer klingen, aber gut, es funktioniert. Die Struktur von dem Stück (Grundgerüst: ABABCC) hat was, bei jedem Wechsel von A nach B und von B nach C geht es noch ein bisschen mehr ab, sehr gekonnt.

Durchaus hörbar also. Von der Musik her macht das schon Spaß, aber der Text, oh weh, der Text. Da hört man lieber nicht so genau hin. In den Zeilen steckt das ganze martialische Gehabe des klassischen Heavy Metal, das klingt deutlich nach langen Locken über nackten Schultern, nach nietenbesetztem Leder und zweihändigen Schwertern, nach Blut, Feuer und Drachen. Hier rockt eben das Fähnlein der unbeugsamen echten Metaller tapfer gegen den verweichlichten, plastikpophörenden, gar hiphoppenden Rest der Welt.

Dabei kommt der Text bei allem Getöse in derart einfältiger Biederkeit daher, dass es fast schon wieder Stil hat. So eine Klischeedichte muss man überhaupt erstmal hinkriegen ohne zu lachen. Bestimmt bedienen die cryonischen Templer mit dieser Heroische-Erzmetaller-Masche den (möglicherweise nur vermeintlichen, wer weiß das schon) Geschmack ihres eher orthodox gestimmten Publikums. Dass sie wirklich auf diesem weltanschaulichen Niveau rangieren, kann und mag ich mir kaum vorstellen.

Jedenfalls tragen sie ihren Schmus mit einem heiligen Ernst vor, da könnte sich noch der ausgekochteste Politprofi ein paar Scheiben von abschneiden.

Nachgedanke:

The eternal flames of metal
Burning in our
Ha-ha-harz

Im Harz wird ja allerspätestens seit Ritter Ramm reger Bergbau betrieben, da ist Metall natürlich ein großes Ding. Und nachdem sogar Heino neuerdings unter die Rocker gegangen ist und Totenkopf trägt, kann man mit Köhlerliesel wohl kaum noch wen vom Tresen in Clausthal weglocken. Da knallen die ewigen Flammen des Metal schon erheblich besser.


3 Kommentare on “Stahlkocher”

  1. Nesselsetzer sagt:

    Ich weiss schon lange, warum ich nie auf die Texte achte und solche Musik, bei denen ich mich den Texten nicht entziehen kann, ich mich selbst entziehe. Übrigens ist das vielgelobte Heinoalbum in meinen Augen grottenschlecht. Der trifft zwar den Ton aber absolut nicht das Flair der Stücke. Und den einzigen Volksmusikschlager, den ich mag, ist dieser hier mit dem ungemein sexistischen Video mit Todesfolge Und ehrlich, selbst da ist mir der Text egal 😉

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  2. gnaddrig sagt:

    Hm, dann doch lieber Enzian, den kann man trinken. Und was die Leute an Heinos neuer Platte finden, verstehe ich auch nicht. Damit kann ich genauso wenig anfangen, wie mit dem, was er davor so produziert hat. Bei den Cryonikern kann man den Text immerhin halbwegs ignorieren, oder der Enzian macht’s passend 😉

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  3. […] Legenden, Platitüden, Klischees, Kitsch. Vor allem Kitsch. Die kryonischen Tempelrecken hatte ich vor einer Weile schonmal erwähnt. Das sind die Leute, die die ewige Flamme des Heavy Metal unerschrocken in die […]

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In den Wald hineinrufen

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