Ire Altkleider

Das könnte fast Absicht gewesen sein:

abgeklebt

Die verstümmelte Überschrift bleibt schön lesbar und inhaltlich unverändert: Ire Altkleider. Die Rechtschreibung hakt zwar jetzt etwas, aber das ist nicht so schlimm. Kleine Rechtschreibfehler beeinträchtigen die Verständlichkeit von Texten meistens nicht sehr, zumal wenn die Schreibung phonetisch passt.

Das Kleingedruckte des überklebten Aufklebers (Bitte nur brauchbare Kleidungsstücke Bett- und Haushaltswäsche usw.) ist natürlich nicht mehr richtig lesbar, aber der Texaid-Aufkleber liefert auch gleich den Grund: Man sieht die hier gespendeten Textilien als Rohstoff. Die Brauchbarkeit der Textilien steht nicht mehr im Mittelpunkt, also muss der entsprechende Text auch nicht mehr gelesen werden.

Vielleicht hat das mit den kritischen Medienberichten zu tun, nach denen die hier gesammelten Altkleider sowieso nicht – wie man eigentlich vermuten würde – in die Kleiderkammern des DRK und ähnlicher Organisationen wandern, sondern gewerbsmäßig nach Afrika verschifft und dort weiterverkauft werden. Damit entziehe man dortigen Gewerbetreibenden die Geschäftsgrundlage, die Textilindustrie in den Empfängerländern leide und Schneider_innen hätten kaum noch Aufträge, da sie gegen den billigen Wohlstandsmüll nicht ankämen. So würden ganze Länder zu Resteverwertern Europas degradiert, was nicht nur wirtschaftlich ungut sei, sondern auch für das Selbstverständnis und das Selbstwertgefühl dort verheerende Folgen habe oder zumindest haben könne.

Immerhin, ließen die Befürworter wissen, hängen ja am Verkauf dieser Textilien auch wieder Arbeitsplätze in den betreffenden Ländern, das sei doch sicher keine schlechte Sache. Die Gegner halten dagegen, hier werde eine Art Gelddruckmaschine betrieben, wo man den Rohstoff praktisch umsonst „einkaufe“ und dann durch Verkauf der Spenden ins Ausland gutes Geld mache und dabei die Wirtschaft der Zielmärkte schwäche oder gar ruiniere. Das laufe der Intention der Spender, ihre alten Kleider für einen guten Zweck zu geben, völlig zuwider. Deshalb solle man Kleidung vor dem Einwurf in die Container gezielt unbrauchbar machen, um ein fachgerechtes Recycling durch die Sammler noch in Deutschland zu erzwingen und die Exporte so unwirtschaftlich zu machen.

Wie dem auch sei, vielleicht ändert sich wirklich etwas in der Altkleidersammlerbranche, vielleicht entwickelt sich da jetzt eine gewisse Transparenz. Vielleicht ist es aber auch nur ein hübsches neues Etikett für die althergebrachten Praktiken – brauchbares wird verschifft, unbrauchbares zu Putzlappen oder sonstwas verarbeitet und jemand macht großen Reibach mit der Gutmütigkeit der Leute. Keine Ahnung.


2 Kommentare on “Ire Altkleider”

  1. Pfeffermatz sagt:

    Das lese ich hier zum ersten Mal, dass man seine Kleidungsstücke vor dem Einwurf bis zur Untragbarkeit verunstalten soll. Aber vielleicht ist das tatsächlich vernünftig – so widerpsprüchlich sieht Vernunft in einer unvernünftigen Welt halt aus 🙂

    Gefällt mir

  2. gnaddrig sagt:

    Ich habe die Argumentation auch mit großer, ähm, Baffheit gelesen und bin mir selbst noch nicht ganz schlüssig, wie ich das sehe. Allerdings neige ich schon dazu, den Export nach Afrika nicht gut zu finden. Wenn die Einnahmen wenigstens hier dem DRK o.ä. zugute kämen, könnte man ja noch drüber reden, aber wenn Recyclingfirmen sich damit eine goldene Nase verdienen, finde ich das eher nicht so toll.

    Aber stimmt schon, das Vernünftige kann manchmal völlig absurd aussehen.

    Gefällt mir


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s