Wiederholungen

Viele Leute haben ihre Lieblingsthemen. Meistens weiß man ganz gut, welches Thema man bei wem besser vermeidet, weil man sonst einen ausführlichen Monolog dargeboten bekommt, den man wahrscheinlich schon auswendig kennt und dem man mit Anstand kaum ausweichen kann. Außer natürlich dadurch, dass das Handy passenderweise klingelt und man plötzlich wegmuss, aber das lässt sich auch nicht immer glaubwürdig durchziehen. Im Zweifel muss man sich das eben nochmal anhören, und damit bin ich direkt bei meinem heutigen Thema: Wiederholungen.

So mancher Welterklärer bestreitet einen guten Teil seiner täglichen mündlichen Textproduktion mit Wiederholungen immer derselben grundlegenden Sachverhalte, ähnlich übrigens wie manche Fernsehsender, deren Programm anscheinend hauptsächlich aus der Wiederholung beliebter Filme bzw. Serien besteht. Als Blogger könnte ich das natürlich auch machen, aber einen alten Artikel ohne guten Grund einfach nochmal zu bringen fände ich doof, und denselben Inhalt ein zweites Mal aufzuschreiben auch. Wenn mir gar nichts Neues mehr einfiele, wäre das vielleicht eine Möglichkeit, gnaddrig ad libitum über eine ganz staubige Durststrecke zu retten und der Leserschaft wenigstens gelegentlich so eine Art mattes Lebenszeichen zu schicken. Das war bisher zum Glück nicht nötig. Beinahe hätte ich aber ganz aus Versehen genau das doch gemacht, nämlich einen Artikel nochmal geschrieben und veröffentlicht.

Als Pendler sehe ich immer wieder mal Züge, die mehr oder weniger gekonnt mit Graffiti verziert wurden. Oft genug fahre ich in sowas auch mit, neulich erst wieder. Die Bemalung war zwar recht hübsch, besser als vieles, was man so zu sehen kriegt. Aber es hat gestört, weil mehrere Fenster fast vollständig blickdicht verkleistert waren. Ich habe sofort meinen Fotografen drauf angesetzt und anschließend einen grantigen Artikel in die Tasten gehauen. Dann habe ich gemerkt, dass ich schonmal über sowas geschrieben hatte. Mein neues Stück Text war inhaltlich weitgehend mit dem alten Blogartikel identisch. Gleiche, offensichtlich gefestigte, Einstellung, gleicher Gedankenfluss, nur andere Formulierungen und natürlich andere Fotos zur Illustration. Ich habe den neuen (natürlich auch wieder brillianten!) Text dann mit großem Bedauern in die Tonne getreten, weil da ja außer dem Datum nun wirklich nichts Neues drinstand.

Sei’s drum. Eine Sache, die ich beim letzten Mal so ausdrücklich nicht formuliert habe, möchte ich jedenfalls bei dieser Gelegenheit noch schnell loswerden: Sprayer (als ob hier welche mitläsen, ich weiß!), macht die Züge von mir aus so bunt Ihr wollt, aber lasst bitte die Fenster durchsichtig!


5 Kommentare on “Wiederholungen”

  1. eb sagt:

    Yooo, – also jetzt verlangst du etwas zu viel von dir. Die Sprayer machen ja auch immer die selben Wiederholungen 🙂 Der echte Könner in diesem Metier, integriert übrigens sein Kunstwerk ins Bestehende. Und pumpt nicht einfach drüber. Das macht ihn automatisch zum Egozentriker. Weiß sogar schon mein Nachwuchs. (Legaler Sprayer übrigens) Wenn das mal passiert, ist es doch auf jeden Fall einen neuen blog darüber wert. Aber bezüglich von ein paar vollkommen akzeptablen Wiederholungen, – ich meine, – sehen wir uns mal ein paar Katzenblogs an.

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  2. Nesselsetzer sagt:

    @gnaddrig
    Zumindest die neuen Fotos hätte ich gerne gesehen; immerhin sind die ja nicht vom letzten Mal (ausserdem mag ich Züge-in-Bahnhöfen-Bilder), und gemerkt hätte ich die Wiederholung als noch nicht so langer Leser dieses Blogs auch erst einmal nicht. Aber ich verstehe schon, nichts ist peinlicher, als wenn dann ein Kommentar mit den Worten erscheint: „Ey, da haste schonmal drüber geschrieben, schreibste jetzt schon von Dir selber ab?“ 😀

    @eb
    Nichts gegen Katzenbilder im Blog! Ich gehöre auch zu der auf Twitter immer wieder erwähnten Katzencontentmafia. Allerdings finde ich reine Katzenblogs todlangweilig 😉

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  3. gnaddrig sagt:

    @eb: Sagen wir es so: Reine Wiederholungen finde ich langweilig, wenn man nichts zu sagen hat (und sei es ein blöder Witz), soll eben nichts sagen. Und mein kürzlich geexter Text hat wirklich nichts enthalten, was in dem von früher nicht schon drinsteht. Fand ich deshalb nicht veröffentlichenswert. Gut, der Appell mit den Fenstern ist neu, aber der ist mir auch erst eingefallen, als ich den Graffititext schon weggeschmissen hatte und diesen am Schreiben war. Und hintenrum habe ich den alten Text ja jetzt doch nochmal gebracht…

    @Nesselsetzer: Das mit den Bildern ist natürlich eine Überlegung. Die füttere ich hier vielleicht doch noch rein, statt Katzen 😉

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  4. gnaddrig sagt:

    @eb: Gekonnt in Vorhandenes eingepasste Kunstwerke sind natürlich klasse. Es kann richtig Spaß machen, wenn man erst nach und nach entdeckt, wo das eine Kunstwerk aufhört und das andere anfängt. Idealerweise hat man so eine Art Ensemble-Effekt, wo sich verschiedene Klangfarben, Tonumfänge usw. ergänzen und zu etwas verbinden, das (Achtung Klischee!) mehr ist als die Summe der Einzelteile, egal ob es ein Streichquartett, ein Männerchor oder eine Punkband ist. Und diese Gelegenheit, Sprayer und diese drei Sorten Musik in einem Satz zu nennen, finde ich auch irgendwie gut 🙂

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  5. […] vielfachen Publikumswunsch zeige ich hier ein Bild des graffitiverzierten Zuges, über den ich neulich geschrieben habe (ich […]

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