Privatsphäre

Mit der Privatsphäre ist das so eine Sache. Überwachungswütige Behörden versuchen immer wieder, sie möglichst umfassend auszuleuchten. Natürlich nur in unserem eigenen Interesse und immer zum Besten aller. (Wobei ich den Abgeordneten die besten Absichten und das ehrliche Bemühen um praktikable und faire Lösungen in den meisten Fällen durchaus abnehme.) Wer nichts Unrechtes tut, hat ja bekanntlich auch nichts zu verbergen, muss vor dieser Durchleuchtung deshalb keine Angst haben und braucht sich selbstverständlich auch nicht zu schämen. Die bei solchen Maßnahmen ermittelten Details aus dem Privatlebens von Überwachten behalten die Ermittler nämlich streng für sich, auch wenn man mit manchen Dingen, die Überwachte als peinlich empfinden könnten, im Internet sicher ein paar Lacher (und, wenn man es geschickt anstellt, ein paar Euro nebenbei) erzielen könnte.

Dass da sowieso niemand etwas peinlich finden muss, weiß im Prinzip jedes Vorschulkind, das unterwegs mal dringend musste und dem dann der zuständige Erwachsene, als es sich genierte, das Geschäft gleich am Wegrand zu erledigen, das natürliche und sehr wichtige Schamgefühl mit Da kuckt Dir auch ganz bestimmt niemand was weg auszureden versuchte. Ungefähr auf diesem Niveau bewegt sich meiner Meinung nach ein großer Teil der Argumentation für die Ausweitung der Überwachung.

Der Gesetzgeber gibt diesen Begehrlichkeiten immer wieder gern allzu bereitwillig reichlich unbedarft nach und räumt den eifrigen Sicherheitsorganen immer weitergehende Rechte ein. Da wären etwa die verdachtsunabhängigen Personenkontrollen an Bahnhöfen, die Vorratsdatenspeicherung, die Verwendung aller möglichen, eigentlich zu ganz anderen Zwecken erhobenen Daten (TollCollect, Kontobewegungen u.a.) für die Verbrechensbekämpfung Ahndung sogar von vergleichsweise banalen Ordnungswidrigkeiten, Maschinenlesbarkeit von allem und jedem, Lauschangriffe, Staatstrojaner usw. Viel zu oft muss das Bundesverfassungsgericht den Gesetzgeber dann gleich wieder zurückpfeifen, weil die Regelungen sich als verfassungswidrig herausstellen.

Der zunehmend durchleuchtete Bürger sägt natürlich selbst auch eifrig am Ast der Freiheit, auf dem er noch sitzt. Er trägt überwachungstaugliche Datensammelgeräte in Form von Handys oder Smartphones ganz bereitwillig jederzeit mit sich herum. Dass Strafverfolger sich relativ einfach und ohne Kenntnis des Besitzers Zugriff auf diese Geräte verschaffen können, weiß er nicht oder verdrängt es. Dass jeder Feld-. Wald- und Wiesenhacker die Geräte knacken kann, ebenfalls. Ändern kann er es ohnehin nicht. Er macht oft freiwillig öffentlich, was er wann wo macht usw. Vielen fehlt das Bewusstsein, dass das überhaupt ein Problem sein kann, dass sie sich angreifbar machen, oder dass so beinahe unbemerkt die Rahmenbedingungen für einen totalen Überwachungsstaat á la 1984 entstehen. Das könnte schneller akut werden und weiter gehen, als man sich das gemeinhin vorstellt. Willkommen in der Zukunft.

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2 Kommentare on “Privatsphäre”

  1. tinyentropy sagt:

    Ja,leider vergessen die Menschen,dass man die radikale politische Veränderung in keinem Land ausschließen kann.dabei ist der letzte uns nahe stehende Überwachungsstaat nur etwas mehr als 20 Jahre her. Zudem ist es unpraktikabel Staaten wie Russland und China uberwachungstechnik ausreden zu wollen,wenn man es selbst verwendet.

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  2. gnaddrig sagt:

    Stimmt, anderen Wasser predigen und selbst Wein trinken wirkt in den seltensten Fällen glaubwürdig und ist generell eine Unverschämtheit.

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In den Wald hineinrufen

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