Passt schon

Eigentlich neige ich dazu, mich zu verkünsteln. Wenn eine Anschaffung ansteht, gehe ich nicht einfach in ein Fachgeschäft, lasse mich beraten und kaufe dann etwas, das mir passend erscheint, sondern ich recherchiere vorher. Ich lese Artikel in Fachblättern, vergleiche Testberichte, durchforste Foren nach Meinungen von Leuten, die solche Dinger auch gekauft haben, wühle mich durch lange Tabellen mit Ausstattungsmerkmalen und Spezifikationen.

Mache – und spätestens hier fange ich an, ganz leicht zu übertreiben – lange Listen mit in Frage kommenden Modellen. Enge die Liste ein, bis sich aus der Handvoll im Rennen gebliebener Dinger ein oder zwei Favoriten herauskristallisieren. Schaue mir alle verfügbaren Informationen zu diesen Modellen nochmal genau an. Werfe alles um, wenn ein neu entdeckter Testbericht ein ganz anderes Gerät favorisiert oder eines der fast schon gewählten verreißt. Am Ende, nach durchgemachten Nächten und stapelweise bedrucktem Papier, ringe ich mich dann zum Kauf des am Besten geeigneten Geräts mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis durch. Da Familie und Beruf ja auch noch manchmal ein wenig Aufmerksamkeit benötigen, kann sich das alles über einen längeren Zeitraum hinziehen.

Meine Frau macht das ganz anders. Wenn sie zu dem Schluss kommt, dass sie etwas bestimmtes braucht oder will, geht sie in den Laden, lässt sich dort von jemandem ein, zwei Kandidaten empfehlen und entscheidet dann ziemlich schnell nach Bauchgefühl. Erstaunlicherweise fährt sie damit ziemlich gut, ganz bestimmt nicht schlechter als ich mit meinem Theater. Der Aufwand, den ich treibe, schlägt sich jedenfalls nicht in besseren Ergebnissen nieder. Kurz: Es lohnt sich nicht wirklich. Halbwegs nützlich ist nur die Nebenwirkung, dass ich auf diese Art einiges über die Geräteklasse lerne, um die es jeweils geht. Das ist zwar nicht lebensnotwendig, macht aber immerhin Spaß.

Nun hatte sich mein Handy vor kurzem auf den Weg des Vergänglichen gemacht. Ich brauchte also ein neues, aber ich hatte diesmal keinen Nerv auf die langwierige Vergleicherei. Deshalb bin ich jetzt einfach mal ins kalte Wasser gesprungen. Ich war mit meiner Jüngsten in einem Elektromarkt unterwegs, und sie wollte unbedingt noch ein bisschen fernsehen (die Fernsehwand in dem Laden ist aber auch beeindruckend). Während sie sich die Skorpions live auf hundert Flachbildschirmen gleichzeitig anschaute, habe ich die Handys abgeklappert, die es dort gab.

Erst habe ich ein paar Smartphones ausprobiert, man muss ja wissen, worüber man lästert. Android kannte ich schon, aber auf Windows 8 war ich gespannt. Das wird (ein bisschen gelesen hatte ich ja schon, einen groben Überblick über den Stand der Dinge habe ich also) als das derzeit ausgereifteste und benutzerfreundlichste weil am besten personalisierbare Betriebssystem für Smartphones gerühmt, aber die zwei Kandidaten, die ich in den Fingern hatte, wirkten – anders als in Testberichten behauptet – eher lahm, und die Oberfläche hat mich nicht so überzeugt (immerhin merkt man, dass die für den Einsatz auf Tablets und Smartphones konzipiert wurde; am PC empfinde ich das Gekachele und die für Wischgesten ausgelegte Bedienung stellenweise als Zumutung).

Also bin ich dann wieder zu den normalen Handys und habe mir da nach ungefähr fünf Minuten kurzentschlossen ein halbsmartes Einsteigerhandy zugelegt. Das hat einen Musikplayer, der meinem alten Gerät ziemlich nahekommt, eine Kamera mit immerhin 3 Megapixeln, die außerdem die Farben besser hinkriegt, und ein Touchscreen hinter Gorilla-Glas.

Das Ding ist eine Kleinigkeit kürzer und eine Winzigkeit breiter als mein soeben verflossenes Altgerät und hat alles, was ich brauche. Eigentlich noch ein bisschen mehr, ist aber trotzdem keine überladene Schnickschnackschleuder. Es geht nicht online, ohne mich vorher zu fragen, und kann sogar WLAN. Insgesamt also alles bestens. Gleichzeitig hat jemand darüber genau die verquere Art Testbericht geschrieben, über die ich neulich gemeckert habe: Schön billig, aber für den Preis zu billig.

Kann man so sehen. Wenn ich jahrelang S-Klasse gefahren wäre, fände ich den Umstieg auf einen Passat oder gar Astra wohl auch unbefriedigend, obwohl beides sehr brauchbare und nicht einmal besonders spartanische Autos sind. Das ist wohl alles vor allem eine Frage der Perspektive. Ich steige gewissermaßen vom Golf III auf den aktuellen Passat um und bin bisher sehr zufrieden. Was will ich mehr!

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In den Wald hineinrufen

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