Künstliches Wetter

Bei großer Hitze wünscht man sich oft Abkühlung. Hat man – wie das in den meisten deutschen Büros und Wohnungen der Fall ist – keine Klimaanlage, muss was anderes her. Ein Ventilator zum Beispiel. Der macht es zwar nicht wirklich kühler, aber die bewegte Luft fühlt sich dann wenigstens kühler an. Das kann Schwitzenden schon einige Erleichterung schaffen.

Problem: Der stetige Luftstrom kann Verspannungen verursachen (nassgeschwitzte Schultern und Nacken sind da typische Kandidaten) und Erkältungen begünstigen.

Folge: Unannehmlichkeiten und, weil man den Ventilator dann erstmal auslassen muss, gefühlt noch schlimmere Hitze.

Lösung: Zufallsgesteuerter Ventilator, der nicht einen stetigen Luftstrom konstanter Stärke in die eingestellte Richtung bläst, bis die Steckdose leer ist.

Herkömmliche Miefquirle muss man einstellen. Meistens gibt es drei Stufen und die Wahl zwischen einer festen Pusterichtung und einer rasensprengerähnlichen Schwenkbewegung, immer langsam hin und her. Ersteres verursacht die oben genannten unangenehmen Folgen. Letzteres wohl auch, aber vielleicht nicht ganz so schnell, weil der Luftzug immer nur kurz an einem vorbeizieht. Also ist das die Richtung, in der man weiterdenken sollte.

Eine nicht allzukomplexe und daher sicher einigermaßen billig herzustellende elektronische Steuerung könnte die Drehzahl des Ventilators in loser Folge hoch- und runterregeln und die Pusterichtung unregelmäßig variieren. Man könnte sogar verschiedene Programme anbieten: Böiges „Wetter“, im Durchschnitt stärkere oder schwächere Winde, stark oder sanft wechselnde Richtung usw. Dann würden die Luftbewegungen insgesamt unregelmäßiger ausfallen, eher wie draußen.

Das Risiko, sich irgendwo Verspannungen zu holen, würde sinken, weil der Wind nicht mehr stundenlang in derselben Stärke aus derselben Richtung auf denselben Körperteil bläst. Man hätte auch in Großraumbüros mit verbrauchter Luft und vielen Schwitzenden weniger das Gefühl, vor dem Abluftschacht der U-Bahn zu sitzen.

Und wenn man zwei oder drei so ausgestattete Ventilatoren strategisch aufstellt und gleichzeitig betreibt, könnte man fast die Illusion schaffen, im Freien zu sitzen, jedenfalls was die Luftbewegungen angeht. Vielleicht könnte jemand ein Gerät bauen, das mehrere Ventilatoren aufeinander abgestimmt steuert und auch die Bürogröße, Raumhöhe usw. berücksichtigt. Wenn dann noch Vogelgezwitscher und zum jeweils erzeugten Luftstrom passende Windgeräusche über die Surround-Sound-Anlage kämen (die, die das Rauschen der alten, vor Jahren durch ein rauschärmeres Modell ersetzten Klimaanlage simuliert, weil die Leute ohne das Rauschen kribbelig wurden), und irgendwo jemand noch irgendein Draußenaroma verdampft (dezent verdünnte Blumenwiese etwa, oder Wald, oder was weiß ich), könnte man eine fast realistische Freiluftsimulation erreichen.

Dann müssten alle einigermaßen zufrieden sein. Außer natürlich verhärtete Großstädter, die ohne Abgasdunst, Verkehrslärm und das Krakeelen aus der Eckkneipe nicht schlafen können, aber man kann es eben nicht allen recht machen…



In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s