Bonbon auf Rädern

Es gibt ja Autos, das sind nicht einfach Autos, sondern Preziosen. Oldtimer etwa, originalgetreu restauriert und in Showroom Condition gebracht, insgesamt ungefähr so teuer wie eine mittlere Villa in guter Lage. Die sind eigentlich viel zu schade, um damit einkaufen zu fahren oder sie überhaupt den Risiken und Nebenwirkungen des normalen Straßenverkehrs auszusetzen. Oldtimer sind auch grundsätzlich die besseren Autos (wir erinnern uns, früher war alles besser, also auch die Autos).

Neue Autos sind meistens alltagstauglicher und nicht so hübsch, werden aber auch oft wie rohe Eier behandelt, zumindest bis zum ersten Kratzer. Dann gibt sich das aber in aller Regel nach und nach, denn normalerweise sind Autos ja doch vor allem Transportmittel und Gebrauchsgegenstände.

Manchmal sieht man aber richtige Ausnahmeautos. Gefährte, die aus dem Rahmen fallen. Fahrzeuge, die erst in zweiter oder dritter Linie dazu dienen, Menschen oder Güter von einem Ort an den anderen zu transportieren. Autos, die vor allem zum Gesehenwerden dazusein scheinen, die auffallen sollen. Damit meine ich nicht diese idiotischen, auf DTM-Optik getrimmten, von Möchtegern-Schumis (Sagt das was über mein Alter aus? Sollte ich besser schreiben: Möchtegern-Vettels? Mir sind, ehrlich gesagt, beide wurscht.) chauffierten Mantoiden, auch nicht maßlos übermotorisierte Brabus-Mercedesse, sondern zum Beispiel solche Hochglanztörtchen wie dieses hier:

Die Schleuder ist mindestens zwei Jahre alt (ich habe das damals schonmal fotografiert, aber die Fotos nicht verwendet) und wird seitdem sorgfältig im Zustand Stempelglanz gehalten. Dabei ist es nicht einfach nur ein Auto mit auffälliger Sonderlackierung. Auch das Interieur ist Extravaganz vom Feinsten. Statt Rücksitzen fährt dort eine ganze Batterie von Lautsprecherboxen spazieren:

Damit qualifiziert sich das Gefährt eindeutig als fahrbare Stereoanlage, spielt aber ästhetisch in einer ganz anderen Liga als der hier (leider ohne Foto) erwähnte krude Eigenbau.

Ich finde solche Zuckerbäckerautos meistens halbwegs amüsant (während ich auf Rennauto getrimmte Straßenwagen nur lächerlich finde und mir deren Fahrer – anders als die Besitzer von sowas hier – mit ihren auf öffentlichen Straßen mehr oder weniger hemmungslos ausgelebten Rennfahrerambitionen Angst machen), ohne mich groß für sowas begeistern zu können. Aber offensichtlich gibt es Leute, denen sowas wirklich derart gefällt, dass sie erhebliche Finanzmittel in Anschaffung und Unterhalt solcher Zuckerstückchen stecken.

Immerhin kennt der Besitzer seine Pappenheimer und hat eventuellen Begehrlichkeiten gleich einen Riegel vorgeschoben:

bonbon_auf_rädern_nicht_lecken


4 Kommentare on “Bonbon auf Rädern”

  1. […] Eigenbauten und andere automobile Spezialfälle, wie sie aufgrund anderer (oder fehlender) gesetzlicher Vorgaben in manchen Teilen der USA gelegentlich vorkommen, sind hier im Interesse der Verkehrssicherheit nicht zulassungsfähig, wären aber sicher unterhaltsamer als die ganzen langweiligen tiefergelegten Kleinwagen, die schwarzverglasten Limousinen, die hässlichen SUVs oder die – immerhin individuell und aufwändig hergerichteten – Bonbons auf Rädern… […]

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  2. […] die haben sowieso einen anderen Themenschwerpunkt, nämlich fahrbare Stereoanlagen. Das ist nicht so meine Welt, aber wer’s mag – viel […]

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  3. Yadgar sagt:

    Also, was ich total coooool fände (aber hierzulande wenn überhaupt nur auf Privatgelände fahren dürfte): XXXXL-Cars als konsequente Hyper-SUVs, die gleich zwei Fahrspuren brauchen, sechs Meter breit, viereinhalb Meter hoch, zehn Meter lang, 600er Ultrabreitreifen, Zwölffach-Auspuffanlage mit oberschenkeldicken Rohren mit extrem schpochtlischem Sound, Lackierung magenta-metallic. Nummernschildbeleuchtung mit elektronisch gesteuertem Farbwechsel, das Design des zweigeschossigen Innenraums steht unter dem Motto „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“: unten ein Dancefloor-Deck mit 2000 Watt Quadro-Beschallung, hinten Sitzgruppen, mit Leder irgendeiner hochgradig vom Aussterben bedrohten Tierart bezogen (oder besser, dessen perfektes Imitat), mit dem perlmuttverkleideten Aufzug kommt man nach oben in die Porno- und Kokain-Lounge, noch mehr öko-schweinisches Dekadenzleder, auf den Scheiben außen Fickfolie (aber de luxe, nicht von Fussel Tuning aus Quadrath-Ichendorf!), innen IntelliPanes, die bei Bedarf die passenden Filme abspielen, dazu ein geräumiger Whirlpool mit Champagner-Einspeisung.

    Der eingebaute 2-Megawatt-Thoriumreaktor beschleunigt die Karre trotz ihrer rund 9 Tonnen Leergewicht locker bis auf 350 km/h… und wer gute Beziehungen zum Medellin- oder Cali-Kartell hat, der kann sich eventuell die Privatautobahn zum saftig Gummi geben bauen lassen!

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  4. gnaddrig sagt:

    Dein 9-Tonner hätte das Ding auf den Fotos oben vermutlich in einem eingebauten Carport unten hinten irgendwo dabei, für kleine Spritztouren. High-End-Motorhomes haben sowas ja auch oft.

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