Gelegenheiten

Gelegenheit macht Diebe, heißt es. Da könnte es unter Umständen sinnvoll sein, die Entstehung von Gelegenheiten nach Möglichkeit zu vermeiden. Nicht, dass ich damit Diebe entschuldigen oder die Verantwortung für Diebereien pauschal auf Gelegenheitenschaffer bzw. Gelegenheitennichtvermeider abwälzen wollte, kein bisschen. Es geht mir auch nicht um Schuld, Strafe und Wiedereingliederung der Übeltäter in die Gesellschaft oder sowas, sondern darum, bestimmte schlechte Dinge gar nicht erst geschehen zu lassen.

Allerdings interessieren mich jetzt nicht Diebe und ihr Tun, sondern Rettungs- und Fluchtwege. Neulich hatte ich mich hier über Leute aufgeregt, die ihre Fahrräder kackfrech direkt unter ein Schild mit dem Text Rettungs- und Fluchtweg – Fahrräder abstellen verboten! stellen. Jedesmal, wenn ich der Stelle vorbeikomme, stehen dort Fahrräder, ziemlich oft gleich am Bauzaun festgeschlossen. Bietet sich ja an. Und da kommt das mit den Gelegenheiten ins Spiel.

Dort ist ansonsten wenig Platz zum Fahrräderabstellen. In Laufweite gibt es kaum Stellen, wo man Fahrräder legal abstellen kann. Der eine Fahrradparkplatz um die Ecke ist immer hoffnungslos überfüllt, großenteils mit irgendwelchen alten Chaisen, die wochen- oder monatelang nicht bewegt werden und dort vergessen vor sich hin rotten. Und dann steht dort, direkt vor der Ladenzeile mit Elektromarkt, Drogerie, Kino, Fast-Food-Tempel und noch ein paar Geschäften, so ein wunderschöner, solider Bauzaun aus grobem Drahtgitter. Der lädt geradezu dazu ein, Fahrräder dort anzuschließen. Das Rettungswegschild übersieht man da schonmal (oft sicher ganz echt). Und diese Gelegenheit sollte man den Leuten nicht geben.

Wenn dort statt Drahtgitter Sperrholzplatten verbaut wären, könnte man da gar keine Fahrräder anschließen. Man könnte sie nur lose davor abstellen, und dann ließen die sich im Ernstfall wenigstens unkompliziert beiseitetragen (sofern das bei einer am Rande der Panik aus einem evtl. brennenden Gebäude drängenden Menschenmasse überhaupt möglich ist und jemand sich dazu berufen fühlt).

Sperrholzwände (gern auch mit Sichtfenstern, damit man schon vor dem Öffnen des Fluchtwegs sieht, ob die Baustelle gerade überhaupt begehbar ist) wären Drahtgittern in Sachen Sicherheit und Unfallvermeidung meiner Meinung nach weit überlegen. Wenn Sperrholzplatten bei einer Panik umgerissen werden, kann man drüberlaufen. Bei den Drahtgitterzäunen würden bestimmt Leute mit den Füßen im Gitter hängenbleiben, fallen und von der nachdrängenden Masse totgetrampelt werden, auch ohne, dass verbotswidrig dort abgstellte Fahrräder die Sache unnötig verkomplizieren. Ist das eigentlich noch nie jemandem aufgefallen? Ich habe nicht den Eindruck, dass solche Überlegungen in die einschlägigen Vorschriften eingeflossen sind. Vielleicht sehe ich das aber nur zu schwarz, und bestenfalls muss dort sowieso nie eilig evakuiert werden.

Allerdings bietet so eine Sperrholzwand viel Platz für interessante künstlerische Betätigungen, man kennt das. Hübscher als eine hinter Drahtgitter präsentierte schlammige und vollgemüllte Baustelle wäre das allemal. Darum bin ich dafür, lieber solche Gelegenheiten zu schaffen!

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In den Wald hineinrufen

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