Kanonen auf Spatzen

Mit Kanonen auf Spatzen zu schießen gilt, glaube ich, allgemein als eher nicht so sinnvoll. Als grob übertrieben. Als Ressourcenverschwendung und damit als nicht nachhaltig. Und das Letztere ist heutzutage praktisch eine Todsünde. Die Nachhaltigkeit ist in aller Politiker Munde und steht anscheinend kurz davor, in den Rang eines Dogmas erhoben zu werden.

Dem Ideal der Nachhaltigkeit diametral entgegengesetzt steht die weit verbreitete Einstellung, derzufolge es grundsätzlich besser ist, für möglichst alles ein elektrisches oder elektronisches Gerät zu benutzen. Diese Einstellung wird vor allem Männern nachgesagt. Wer auf sich hält hat für alles und jedes ein eigenes Gerät, und wenn man nicht jederzeit die E-Mail checken oder Knöpfe an kleinen Apparaten drücken kann oder aus irgendwelchen Gründen mal eine Stunde lang kein elektronisches Piepsen oder Trillern hört, wird man schon unruhig.

Der Versuch, diese Art Technikbegeisterung mit einer wie immer zu definierenden Nachhaltigkeit zu vereinbaren, macht oft zusätzlichen technischen Aufwand und dialektisch anspruchsvolle Verrenkungen nötig und führt gelegentlich zu absurden Blüten, aber das nur nebenbei.

Früher, um nun zum eigentlichen Thema dieses Artikels zu kommen, hat man Fliegen, wenn sie lästig wurden, meist mit einer Fliegenklatsche erschlagen. Sowas wird heutzutage meistens aus ein paar Gramm Plastik hergestellt und kostet pro Stück vielleicht 50 Cent oder so.

Diese Art Low-Tech ist natürlich längst überholt. Wer mit der Zeit gehen will, muss schon 25 Euro für einen elektrischen Fliegenkiller ausgeben, der ungefähr wie ein Tennisschläger aussieht. Selbst wenn diese Dinger in Fernost hergestellt werden, hat man durch den Ankauf doch immerhin mindestens einem inländischen Händler und einem Spediteur Umsatz beschert. Die Batterien müssen gelegentlich ausgetauscht werden, was wieder dem Bruttoinlandsprodukt zugutekommt. Wenn das Ding kaputt ist, muss ein neues her (reparieren tut man heute nicht mehr), also wieder Umsatz. Das alte ist dann Rohstoff für die Entsorgungs- und Verwertungsindustrie, und weltmarktführende deutsche Mittelständler machen daraus dann wieder irgendetwas Wegweisendes zu unser aller Nutzen sowie zum größeren Ruhm deutscher Ingenieurskunst.

Die eifrige Verwendung technischer Geräte, die der Uneingeweihte zunächst für überflüssig halten könnte, hat also durchaus ihre Vorteile. Allein die Verwendung elektronischer Fliegenklatschen dürfte ein Dutzend Menschen in Deutschland in Lohn und Brot halten, von den Arbeitern in Fernost mal ganz abgesehen, die mit der Herstellung ihren Lebensunterhalt verdienen. Wie armselig ist es dagegen, Fliegen mit einer herkömmlichen Fliegenklatsche oder gar mit einer zweckentfremdeten Zeitung zu erschlagen!

Ich möchte hier eindringlich dafür plädieren, immer schön mit möglichst großen Kanonen auf eventuell lästig fallende Spatzen zu schießen, natürlich im Interesse der Wirtschaft und zum Nutzen aller.

Postskriptum: In diesem Artikel habe ich, um mir die schöne Argumentation nicht selbst zu zerschießen, Fakten sehr selektiv verwendet. Elektrische Fliegenklatschen gibt es nämlich schon ab 4 Euro, während man für eine herkömmliche mechanische Fliegenklatsche (der Nachhaltigkeit wegen aus Holz und Leder, das ist dann von der Haptik her auch für manufaktumverwöhnte Mitbürger akzeptabel) ohne weiteres 14 Euro ausgeben kann.

Postpostskriptum: Wer solche billigen elektronischen Spielzeuge albern findet, kann übrigens diese rein mechanische Designerfliegenklatsche von Rosendahl aus Dänemark für 45 Euro kaufen. Die sieht nicht nur edel aus und verursacht keinen Elektrosmog, sie tötet auch die Fliegen nicht, sondern betäubt sie nur, sodass man sie dann zum Aufwachen an die frische Luft setzen kann. Dadurch treibt man die Reinkarnationszähler der betroffenen Fliegen nicht unnötig hoch und tut dem eigenen Karma auch gleich noch was Gutes.

Das wirklich Interessante daran ist aber, dass man die Fliegen, wenn man sie mit diesem Wunderwerk trifft, nicht breitklopft und deshalb hinterher auch keine Fliegenbreiflecken auf der betreffenden Fläche hat. Diese Flecken sind ja manschmal schon ganz schön eklig.

Solche Flecken kann man andererseits auch ganz einfach dadurch vermeiden, dass man die Fliegen mit einer herkömmlichen Fliegenklatsche nicht erschlägt, wenn sie irgendwodrauf sitzen, sondern dass man sie im Flug erwischt. Egal, ob man sie dabei nur betäubt oder umbringt, man kann sie dann auch völlig fleck- und schweinkramfrei entsorgen. Man muss nur einigermaßen gut räumlich sehen und sich schnell genug bewegen können. Damit trainiert man die Auge-Hand-Koordination, den Gleichgewichtssinn und die Reaktionsschnelligkeit. Insgesamt ist diese Art, Fliegen zu erledigen, also gut für die allgemeine Gesundheit.

Wenn man nicht immer gleich mit den ganz schweren Geschützen kommt, hat das also auch seine Vorteile. Macht halt, was Ihr wollt!

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3 Kommentare on “Kanonen auf Spatzen”

  1. Nesselsetzer sagt:

    Für all diese sportlichen Tätigkeiten und Trainingsmöglichkeiten der Auge-Hand-Koordination bin ich zum Einen viel zu faul, zum Anderen nützen die gesamten Gerätschaften gar nichts, wenn die Fliegen auf dem mit Soße angerichteten Essen auf dem Teller spazieren gehen. Da möchte ich doch zu gerne mal den sehen, der in geselliger Runde am Tisch hemmungslos zuschlägt. Vor allem mit der teuren Designerhexenbesenfliegenklatsche, deren Borsten sicherlich durch ihre Federwirkung extreme Soßenschleudereffekte verursacht.

    Die beste Nachhaltigkeit ist jedoch, überhaupt keine der beschriebenen Geräte zu verwenden. Ich wohne nämlich auf dem fliegenreichen Land und besitze nicht einmal eine gewöhnliche Fliegenklatsche. Eher habe ich dafür gesorgt, dass überhaupt keine Fliegen in die Wohnung hinein gelangen. Das Zaubermittel dafür heisst „Fliegengitter“. Das spart auf Dauer Gerätschaften, Energie, Umweltbelastung, meine Nerven und das Leben der Fliegen. Und für die ein bis zwei Fliegen pro Saison, die unerlaubterweise doch durch die geöffnete Tür huschen, reicht dann auch die Zeitung.

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  2. gnaddrig sagt:

    Spielverderber 😉

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