Ganze Kartoffeln

Neulich beim Einkaufen gesehen:

ganze_kartoffeln

Frische Dinkel-Nockerl aus ganzen Kartoffeln! Ehrfürchtiges Staunen, vereinzelte Jubelrufe.

Dann kommen die Fragen. Woraus, fragt es in mir, soll man das Zeug denn sonst machen? Stellt die Konkurrenz ihre frischen Dinkel-Nockerl verwerflicherweise aus halbierten oder sonstwie kleingeschnittenen Kartoffeln her? Aus Bruchkartoffel gar oder Kartoffelmehl?

Oder werden die Kartoffeln hier im Sinne der Vollwertkost ungeschält verarbeitet, analog zum Gegensatz Vollkorn – Weißmehl? Und was ist mit den Eiern, nehmen die auch ganze, ungeschälte Vollkorn-Eier?

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9 Kommentare on “Ganze Kartoffeln”

  1. Nesselsetzer sagt:

    Fragen über Fragen! Die Verarbeitung von ganzen oder halben Kartoffeln spielt klar keine Rolle. Die Angabe „Aus ganzen Kartoffeln“ mag zwar unsinnig sein, hört sich aber genau so kraftvoll an wie „Ein ganzer Kerl!“. Da hat ja auch niemand nur einen halben Hund zu Hause, weil er ihm anderes Futter hinstellt.

    Insofern wird es kaum um die Kartoffelschalen gehen. Zwar ist der Giftstoff Solanin inzwischen in Kartoffeln ist so gering, dass bei richtiger Lagerung auch die Schalen mitgegessen oder mitverarbeitet werden können. Nur – wer mag schon erdig schmeckende Kartoffelschalen und wozu? Die enthalten ja nicht einmal Vitamine.

    Viel schlimmer jedoch ist die Verarbeitung von Dinkel. Das ertragsarme Getreide sollte nach der Beschreibung von der ollen Seherin Hildegard von Bingen angeblich besonders gesund sein (in Wirklichkeit wollte sie ihre Mitmenschen mit dem schlecht und fad schmeckenden Zeug im Sinne christlichen Leids nur quälen). Glücklicherweise ist es dann nach ihrem Tod wieder in Vergessenheit geraten, bis es dann in der Neuzeit von Bio-Esoterikern wiederentdeckt und schon wieder als angeblich besonders gesund deklariert wurde, wobei die sich auch wieder auf Hildegard beziehen. Die Menschheit will halt immer noch leiden.

    Jetzt findet man diesem Mist wieder überall und überall drin, dass man gar nicht vermeiden kann, versehentlich irgendwas damit zu kaufen. Die letzten versehentlich gekauften Dinkelbrötchen haben sogar die Karpfen im Teich verschmäht. Es braucht jetzt garantiert wieder 100 Jahre, um die Dinkelähre wieder dahin zu bringen, wo es hingehört, nämlich in die Vergessenheit… 😉

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  2. gnaddrig sagt:

    In Sachen Kartoffel gebe ich Dir recht. In Sachen Dinkel bin ich anderer Meinung. Die Hildegard-Connection mag es geben, aber der alten Hilde ihre Motive und esoterische Spinnereien heutiger Bio-Fundis machen das Getreide selbst nicht besser oder schlechter.

    Ich bin froh, dass es mittlerweile so viel Dinkel gibt. Meine Tochter verträgt kein Weizenmehl, aber Dinkel geht. Keiner weiß, wieso das so ist, aber dass sie auf Weizen anspringt, ist unzweifelhaft. Bei Unverträglichkeiten winken Kinderärzte ab („Müssen sie halt ausprobieren. Warum jemand bestimmte Sachen nicht verträgt, weiß man fast nie.“) Wir haben das in Situationen getestet, wo ein Nocebo-Effekt kaum denkbar ist. Seit wir (das übrigens in allem und jedem vorhandene) Weizenweißmehl konsequent vermeiden und durch Dinkel ersetzen, geht es ihr wieder normal.

    Dinkel schmeckt, soweit ich das beurteilen kann, sehr ähnlich wie Weizen und lässt sich in jeder Hinsicht genau wie Weizen verarbeiten. (Ich könnte Dir ein hervorragendes Weißbrot anbieten, von dem Du ziemlich sicher nicht sagen könntest, ob es aus Weizen oder Dinkel ist.) Wenn bestimmte Dinkelprodukte tatsächlich nicht gut schmecken, dürfte das in den meisten Fällen an vollkornseligen, bioträumerischen Rezepturen liegen. Diese Leute schaffen es auch, Weizen zu praktisch nicht essbarer bierdeckelartiger Materie zu verarbeiten, egal ob es sich um Nudeln, Brot, Kekse oder sonstwas handelt.

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  3. Nesselsetzer sagt:

    Ja, da gebe ich Dir recht. Die drei bei uns üblichen Getreidesorten haben ausser der Glutenempfindlichkeit auch andere zuweilen unerforschte Unverträglichkeiten, welche bei Dinkel und weiteren Getreidesorten wie Mais, Reis oder Hirse praktisch nicht in Erscheinung treten. Insofern habe ich jetzt wenigestens einen Grund, Dinkel nicht mehr ganz so kritisch zu betrachten.

    Allerdings habe ich in Sachen Geschmack bis heute kein Nahrungsmittel mit Dinkel gefunden, bei dem ich hätte sagen können: „das kaufe ich noch einmal“. Da ich zu den neugierigen Lebensmittelallesprobierern gehöre, habe ich nach einigen Versuchen mit Dinkel schlichtweg aufgegeben. Nach mehreren „Fails“ ist die Psyche dann irgendwann soweit, dass sie sich bei der Angabe „mit Dinkel“ wehrt. Vor allem bei Backwaren. Aber ich bin und bleibe stets auf´s Neue probierwillig. Wenn also jemand sagt: „iss das mal, das schmeckt“, dann lasse ich mich gerne eines besseren belehren. 😉

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  4. gnaddrig sagt:

    Weizen ist, soweit ich weiß, seit Beginn der industriellen Revolution extrem hochgezüchtet worden (genauso wie Hochleistungsmilchkühe, die fünfmal mehr Milch liefern als ihre Vorfahren vor 100 Jahren, die aber dafür auch Spezialfutter brauchen und auf der Weide verhungern würden, weil Gras nicht nährstoffhaltig genug ist). Deshalb ist er natürlich auch ertragreicher als der lange Zeit vergessene und deshalb naturbelassenere Dinkel. Das könnte auch ein Faktor bei der Verträglichkeit sein.

    Ob bestimmte Produkte einem schmecken, ist natürlich eine Frage des Geschmacks, das muss sowieso jeder für sich entscheiden 🙂

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  5. Nesselsetzer sagt:

    Ob Dinkel tatsächlich naturbelassen ist glaube ich noch nicht so ganz. Er gilt als ziemlich ertragsarm, und kein Landwirt wird freiwillig ertragsschwache Produkte anbauen, wenn er mit anderen mehr Geld verdienen kann. Insofern vermute ich schon enstprechende Manipulation. Ich gestehe aber, dass ich das jetzt nicht genau weiss und erst demnächst in Erfahrung bringen werde.

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  6. gnaddrig sagt:

    Ich bin auch kein Fachmann für Getreidebau, was ich weiß ist unsystematisch zusammengelesen. Aber ich würde mal vermuten, dass Dinkel noch nicht so hochgezüchtet ist, weil er eben lange kaum beachtet wurde. Vielleicht war Urdinkel ertragsärmer als Urweizen, und vielleicht hat deshalb der Weizen die Landwirtschaft erobert. Vielleicht gab es auch andere Gründe. Aber 150 Jahre intensive Zucht dürften ein Getreide stärker verändern als 130 Jahre Randexistenz und 20 Jahre Renaissance unter Biofans. Ist natürlich nur Spekulation, kommt mir aber einleuchtend vor. Ob das Hochgezüchtetsein des Weizens problematisch ist, weiß man allerdings immer noch nicht…

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  7. Nesselsetzer sagt:

    Gerade habe ich die Information über Dinkel erhalten. Der heutige Weizen ist im Prinzip eine Weiterzüchtung des Urdinkels. In Wiki ist demzufolge zu lesen, es gäbe sehr viel Mischformen und Übergänge „zwischen „modernem“ Weizen und Dinkel, weil beide in manchen Regionen gemeinsam angebaut und auch miteinander gekreuzt wurden.“ Wilder Dinkel als Urform existiert nicht.

    Der heutige sogenannte „Urdinkel“, der wohl wegen der damaligen Kreuzungen kaum noch in seiner ursprünglichen Form existieren dürfte, aber bei weitem nicht so stark gezüchtet wurde wie Weizen, wird tatsächlich in der ertragsarmen Form angebaut und auch besser als Weizen bezahlt. Auch die Verarbeitung ist komplizierter, weil beim Dreschen die Spelzen nicht von den Körnern getrennt werden können. Das geschieht erst später bei dem Abnehmer. Mehr war nicht zu erfahren, der Informant war gerade „auf dem Sprung“.

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  8. Nesselsetzer sagt:

    Mein Kommentar wird nicht veröffentlicht, hast Du einen Kommentarstau? 😉

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  9. gnaddrig sagt:

    War aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen im Spamordner gelandet.

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