Inkognito am Telefon

In einem der größeren Besprechungsräume wird ein wichtiges und natürlich wieder bombig innovatives neues Projekt vorgestellt. Klassischer Frontalunterricht, der frischgebackene Obermacker steht vorne, zeigt PowerPoint-Folien mit Diagrammen und Textbrocken und erklärt, was wie zusammenhängt und wie großartig jetzt alles werden soll. Ein paar Dutzend Kollegen von anderen Standorten sind per Telefonkonferenz dabei.

Die Veranstalter hätten einfach alle Gäste stummschalten können, es findet ja kein Gespräch in dem Sinn statt, Fragen sind erst am Ende vorgesehen. Ist technisch kein Problem, im Prinzip ein Mausklick. Das war ihnen aber wohl zu viel Aufwand oder sie haben es nicht hingekriegt. Die Leitungen sind jedenfalls in beide Richtungen offen.

Die Teilnehmer könnten nun auch selbst drauf achten, einigermaßen still zu sein, weil bekanntlich alles, was das Mikro des Telefons aufnimmt, von allen gehört wird. Lästereien, schlechte Witze und Tippgeräusche machen sich da nicht so gut. Auch kläffende Hunde im Hintergrund oder ein Radio haben hohes Störpotenzial. Und Atmen. Einfaches, ganz normales Atmen direkt auf das Mikro. Und in praktisch jeder Telefonkonferenz gibt es einen, der für alle hörbar ins Telefon schnauft und es als einziger nicht mitkriegt. Das muss ein Naturgesetz sein.

Bei der aktuellen Gelegenheit schnauft keiner, dafür wird in Hörweite der Telefone umso mehr geredet, getippt und Kaffee geschlürft. Wie zu erwarten kommt nach ein paar Minuten bunter Hintergrundkakophonie der bei solchen Veranstaltungen obligatorische Aufruf des Referenten an die Mithörer, doch bitte die Telefone stummzuschalten, man könne ja das eigene Wort kaum verstehen.

Prompt fängt jemand an, ziemlich laut ins Telefon zu atmen. Schöne tiefe und regelmäßige Atemzüge, die jetzt jeder hört. Kurzes Stutzen auf der Bühne, dann die Aufforderung:

Darth Vader, könnten Sie bitte Ihr Telefon stummschalten!


2 Kommentare on “Inkognito am Telefon”

  1. Stefan R. sagt:

    Es gilt wohl auch für Akustisches, dass manche meinen, mit Sonnenbrille sehen sie einen nicht. Immer wieder erheiternd, wie Technikgläubigen Dynamikern der unausgereifte Kram um die Ohren fliegt…

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  2. gnaddrig sagt:

    Stimmt. Dabei hatte das auf der Präsentation im Entscheidermeeting bestimmt ganz toll ausgesehen. Und dann stellt man fest, dass man, wenn man das gute altmodische Telefon durch eine moderne Alleskönnerkommunikationssoftware wie MS Lync ersetzt hat, bei Problemem mit dem PC ganz unverhofft nicht mal mehr die IT-Hotline anrufen kann. Dumm gelaufen…

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In den Wald hineinrufen

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