Tunnelblick

Es ist Abend. Es ist still. Draußen rauscht etwas Verkehr vorbei. Die Uhr tickt. Ich sitze auf dem Sessel, das Notebook auf den Knien. Eigentlich bin ich dabei, im Internet nach dem Rechten zu sehen, aber jetzt starre ich schon seit ein paar Minuten auf die beiden hellen Punkte, die abwechselnd nebeneinander auf dem glänzendschwarzen Rand des Monitors blinken, und frage mich, wo die herkommen.

Die blinkenden Punkte erinnern an die matten Leuchtdioden, die unter der schwarzen Oberfläche mancher Handys das Vorliegen einer neuen SMS oder eines entgangenen Anrufs anzeigen. Gerade so sichtbar, aber nicht sehr aufdringlich.

Mein Notebook hat an der Stelle keine solchen LEDs. Die Gardine hinter mir ist geschlossen, von der Straße kann da nichts hereinblinken. Ich habe keine blinkenden Lampen oder Geräte im Zimmer. Rhythmische Bewegungen mache ich auch keine, die mir auf irgendwelchen Umwegen Reflektionen der Lampe auf den Monitor mogeln könnten.

Tick tack, tick tack, tick tack, tick rechts, links tack, links rechts, links…

Jetzt habe ich mehrere Minuten gebraucht, um zu merken, dass sich das runde, messingglänzende Gewicht des Uhrpendels immer an den Endpunkten jeder Schwingung gerade am Rand des Monitors spiegelt. Ich glaube, es ist Zeit, ins Bett zu gehen.

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In den Wald hineinrufen

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