Brief an Coca-Cola

Wer die zunehmend schwierige Lage „nicht klassisch Heterosexueller“ in Russland nicht egal findet, wird sich für eine Verbesserung der Situation einsetzen wollen. Ich finde es nicht akzeptabel, dass ein willkürlich ausgewählter Teil der Bevölkerung ohne irgendeinen auch nur im entferntesten stichhaltigen Grund de facto zu Menschen zweiter Klasse degradiert wird.

Direkte Einflussnahme auf den russischen Gesetzgeber und die russische Gesellschaft ist kaum möglich. Aber indirekt geht einiges. Man kann beispielsweise darauf hinwirken, dass The Coca-Cola Company im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Sotschi die aktuelle Rechtslage (und am besten gleich auch noch das dadurch begünstigte voreingenommene Verhalten russischer Behörden, vor allem der Polizei, gegenüber LGBT) öffentlich kritisiert und sich deutlich für LGBT-Rechte ausspricht.

Coca-Cola ist einer der großen Sponsoren der Olympischen Spiele. Die Firma bemüht sich um diskriminierungsfreie Behandlung der eigenen LGBT Mitarbeiter, hat eine Menge Selbstbewusstsein, Geld und Kommunikationsprofis. Wenn die den Mund aufmachen, dürfte die Welt das hören.

Eine solche Stellungnahme würde die russische Regierung wenigstens ein bisschen unter Druck setzen, nicht weiter in die Barbarei abzudriften. Sogar, wenn die das ganze mit einer glatten Presseerklärung des Stils „Lass diese moralisch verkommenen Westler reden; was kümmert es eine russische Eiche, wenn ein Schwein sich an ihr kratzt“ abtäten, die Botschaft käme sicherlich an.

Natürlich würde sich dadurch in Russland zunächst nichts direkt ändern, aber es wäre zumindest eine große Ermutigung für russische LGBT und LGBT-Aktivisten, und schon dafür lohnt sich der doch sehr überschaubare Aufwand.

Wenn es stimmt, dass steter Tropfen den Stein höhlt, wäre eine E-Mail an The Coca-Cola Company eine hervorragende Möglichkeit, einen Tropfen loszuschicken: Hours to change the game on Russia. Auf der verlinkten Seite steht eine auf Englisch vorformulierte E-Mail an den CEO von Coca-Cola, die man selbst ergänzen oder umformulieren und dann direkt abschicken kann. Man kann auch gleich Geld für geplante Aktionen spenden, muss das aber nicht. Wer bei so einer organisierten Kampagne nicht mitmachen will, kann stattdessen natürlich auch von Hand eine E-Mail an Coca-Cola schicken, geht sicher auch auf Deutsch und an Coca-Cola Deutschland.

Bisher haben sich fast 134.500 Leute beteiligt, angestrebt werden 150.000 bis Montag.

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(Den Anstoß zu diesem Artikel habe ich von hier.)

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2 Kommentare on “Brief an Coca-Cola”

  1. gnaddrig sagt:

    Stimmt, aber wenn ich die Spiele oder die Weltmeisterschaft boykottiere, kratzt das niemanden weiter.

    Dass afrikanische Nationalspieler überlegen, die Meisterschaft zu boykottieren kann ich gut verstehen. Allerdings richtet sich dieser Boykott ja gegen das Verhalten der Zuschauer in Russland, nicht gegen die dortige Rechtslage oder so, das ist deshalb noch was anderes. Den Boykott verschulden die Russen mir ihrem rassistischen Verhalten selbst, ohne dass der Staat da ins Spiel kommt. Ein Boykott der Olympischen Spiele wegen des betreffenden Gesetzes würde dagegen dem russischen Staat Gelegenheit geben, sich als Martyrer darzustellen, dem man in seine inneren Angelegenheiten hineinzupfuschen versucht. Das wäre sicher weniger zielführend.

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