Specialitäten

Meine Meinung zu alternativen Schreibweisen von Kaffee, Kakao, Schokolade und Zigaretten mit c habe ich in den Anfangstagen meines Blogs aufgeschrieben und seitdem aus Anlass eines sprachlich besonders schön gestalteten Fundes nochmal nachgelegt. Meine diesbezüglichen Ansichten haben nicht wesentlich geändert, in der Hinsicht ist bei mir noch keine Altersmilde in Sicht, ganz im Gegenteil. Und jetzt habe ich zu allem Unglück eine weitere C-Schreibweise gefunden, die ich affektiert und dämlich finde: Specialitäten.

specialitäten

Wenn die Leute vor lauter Traditionsbewusstsein gar nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, schreiben sie halt was mit c.

Und um noch den Bogen vom Bier zur Schokolade und zum Kaffee zu schlagen: Analog zu den Chocoladen Créationen von 2011 müsste es sicher irgendwo auch Caffè Specialitäten geben. Oder aus Belgien Bier mit Schokoladengeschmack. (Ein Weinmischgetränk mit Schokoladengschmack ist mir neulich im Supermarkt begegnet, ich habe mich aber nicht getraut, es zu probieren.)

Was mir an diesen C-Schreibungen so auf die Nerven geht ist weniger die vom Standard abweichende Schreibweise. Wer nicht gerade vom Arbeitgeber eine bestimmte Rechtschreibung vorgeschrieben bekommt, darf schließlich nach eigenem Belieben schreiben, auch Chocolade, Cacao, Cigarette, Specialität usw. Wenn ich eine bestimmte Art Schreibweise bescheuert finde, ist das dann allein mein Problem. Ich bin ja kein Sprachnörgler.

Mich stört daran vielmehr, dass hier mit billigen Tricks versucht wird, Traditionsbewusstsein vorzuspiegeln. Diese Leute erwarten anscheinend, dass der potenzielle Kunde automatisch von dem implizierten (und, wenn man weiß, wie es in der industriellen Lebensmittelproduktion zugeht, natürlich in Wirklichkeit nicht vorhandenen) Traditionsbewusstsein auf Qualität wie in der Guten Alten Zeit™ schließt und sich dann in dem Bewusstsein sonnt, etwas besonders Gutes gekauft zu haben. Das ist dann die Sorte vorgetäuschter Exclusivität, die es beim Discounter für 1,29 Euro das Pfund gibt.

Es ist am Ende nur Fassade und Beschiss, auch wenn die Ware selbst tatsächlich von anständiger Qualität ist. Und die wie selbstverständlich mitgelieferte Behauptung, dass die Qualität von praktisch allem früher besser war und man, um gut zu leben, es nur wie früher machen muss, müsste man sich auch mal näher anschauen. Ich habe da so einen Verdacht…

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6 Kommentare on “Specialitäten”

  1. hagenz sagt:

    Hat dies auf Übersetzercouch rebloggt.

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  2. Stefan R. sagt:

    Ah, der wohlige Charme der juten alten Ceyt, als man Staedte-Namen wie Coblentz und Cöln noch richtig schrieb und Cigarren, Cigaretten, Cäse Ceit=Schryften und andere exclusive Specialitaeten noch cu genießen verstand – ungefähr so nervig, wie die dralle Magd am Bottich, die den Industriejoghurt von Hand rührt oder die fleißige Waffelbäckerin. Man könnte das natürlich ignorieren, aber das Nostalgiegetue ist offensichtlich höchst erfolgreich, sonst würde das nicht gemacht…

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  3. gnaddrig sagt:

    Genau so ist es. Manchmal ist es einfach zu penetrant. Und was die damalige Nach-Gusto-Schreibung angeht, das war eÿn trvmmer hawffe̅

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  4. […] Autor des  Blogs “gnaddrig ad libitum” hat mich mit diesem Artikel über den künstlich hergestellten Zusammenhang bei Konsumartikeln zwischen angeblich […]

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  5. […] als bei den beliebten C-Schreibweisen, wo Traditionalität und eine daraus abgeleitete Früher-war-alles-besser-Wertigkeit allein durch […]

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  6. Yadgar sagt:

    Catzenclo, Catzenclo, ja, das macht die Catze phroh (es ist eine academische Catze, daher das „ph“!)…

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In den Wald hineinrufen

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