Immobilienblase gefällig?

Kein eigenes Vermögen? Trotzdem eigenes Haus gefällig? Springer zeigt, wie es geht: Mini-Zinsen machen es möglich! Haus kaufen ohne eigenes Geld! Statt mieten! Wie es geht – und worauf Sie achten müssen. Was will man mehr, Immobilien gibt’s jetzt ganz einfach, Geld braucht man dafür nicht mehr. Einfach Kredit aufnehmen und fertig:

immobilienblase_gefällig

Auf bild.de ist das auch die Titelgeschichte, und da werden gleich auch Familien vorgestellt, die ihr neues Heim komplett über einen Kredit finanziert haben. Da solche Eigenheimfinanzierungen nicht in drei Wochen erledigt sind, sondern typischerweise über Jahrzehnte laufen, gerade wenn man kein eigenes Vermögen hat, dürften die dort vorgestellten Familien alle gerade ganz am Anfang ihres Immobilienabenteuers stehen. An die Wand gefahrene Kredite und andere schlechte Erfahrungen kann es deshalb noch kaum welche geben. Das böse Erwachen, wenn die Zinsen wieder anziehen und die Anschlussfinanzierung den Leuten über den Geldbeutel wächst, ist noch in weiter Ferne, da muss man jetzt natürlich noch lange nicht dran denken.

Vielleicht wird demnächst ein passender Volkskredit angeboten, der die Hemmschwelle beim Zielpublikum senkt. Wenn die Blase dann platzt, kann man über die Leute, die man selbst dazu verführt hat, sich zu übernehmen, in bewährter Manier herziehen. Die entsprechenden abwechselnd hämischen und ölig-mitfühlenden Schlagzeilen des Leitmediums für Bigotterie kann sich jeder ausmalen.

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Vielleicht ein paar Worte zum Hintergrund: Vor ein paar Jahren ist in den USA eine kolossale Immobilienblase geplatzt. Skrupellose Geldhaie (oft im Gewand seriöser Banken) hatten Millionen einfachen Leuten Immobilien und zu deren Finanzierung Darlehen aufgeschwatzt, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Auf Bonitätsprüfungen und derlei altmodischen Schnickschnack hatten sie dabei weitgehend verzichtet und den Leuten stattdessen von den gerade sehr niedrigen Zinsen und der sich daraus ergebenden einmaligen Gelegenheit vorgeschwärmt. Umsatz ging ganz klar vor Sicherheit. Viele arglose und teilweise reichlich naive Leute waren aufgesprungen und hatten sich weit über ihre Verhältnisse verschuldet, um Häuser zu kaufen oder zu bauen.

Die Zinsen sind dann natürlich irgendwann wieder gestiegen, die Zinsfestschreibungen liefen aus, und schwupps konnten sich viele Leute ihre Darlehen nicht mehr leisten. Da meistens keine anderen Sicherheiten vorlagen, übernahmen die Banken reihenweise die auf Pump finanzierten Immobilien, und die Folgen sind sattsam bekannt. Das ist natürlich lang her und weit weg, und selbst wenn die platzende Immobilienblase in den USA weltweit Wellen geschlagen und auch hierzulande die eine oder andere unschöne Pleite zur Folge hatte, braucht uns das hier natürlich nicht weiter zu interessieren. Was die amerikanischen Bürger mit ihrem Geld anstellen, ist ja ihre Sache, und wenn sie dabei auf die Nase fallen, kann uns das egal sein.

Darum braucht man auch weiter keine Lehren aus dieser Geschichte zu ziehen. Kauft Häuser, Leute, die Zinsen sind niedrig dieses Jahr! Dann habt Ihr in ein paar Jahren die Chance, in der Bild-Zeitung zu stehen.

Nachtrag: Ich habe weder den Artikel in der gedruckten Zeitung gelesen noch den auf bild.de hinter der Bezahlschranke. Darum weiß ich nicht, was tatsächlich in den Artikeln steht. Vielleicht wird da ja seriös vor den Risiken und Nebenwirkungen gewarnt. Aber der bekannte Stil der Zeitung und die Aufmachung der Titelseite geben wenig Grund zu der Vermutung.

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2 Kommentare on “Immobilienblase gefällig?”

  1. bertrandolf sagt:

    Haha, der Anfang der Suubprime, bzw. der NInja (No Income, No JA & Assets) Kredite 😀

    Dies ganze Wirtschaft sieht katastrophal aus, man muss nur 5 Jahre, ein JAhrzehnt, 25 JAhre zurück blicken. Es wirt auch überall geschrieben, alles ist passiert, nur die Menschen schauen nicht zurück, bzw. waren damals zu jung um es mitzubekommen.
    Ist es da verwunderlich, das es heisst, das man in den Finanzinstituten mit über 30 Jahren meist schon zum alten Eisen gehört? …

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  2. gnaddrig sagt:

    Klar, das Tempo dort kann man nur begrenzte Zeit durchhalten, dann brennt man aus.

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