C-Waffen im Büroalltag

In einem Büro schräg gegenüber wird gerade der mittlerweile ziemlich abgewetzte Teppichboden ausgetauscht. Wieso das gerade jetzt passiert, weiß ich nicht. Einen besonderen Anlass kann ich nicht ausmachen. Und warum nur da? Die Teppichböden in den Büros an diesem Korridor sind alle gleich alt und entsprechend ähnlich oll. Aber egal, irgendwann müssen sie das wohl in Angriff nehmen, und irgendwo müssen sie anfangen.

Eben verstreichen die Maler eine Art Grundierung auf dem freigelegten Estrichboden, vielleicht ist es auch schon der Teppichkleber. Egal. Das Zeug hat jedenfalls einen ausgesprochen kernigen Geruch. Das ist noch anständig auf Lösungsmittelbasis angerührt, wie wir das von früher kennen. Nichts von wegen aromatenfrei oder gar auf Wasserbasis, das ist hier Kampfstoff vom Feinsten, wirklich gehaltvoll.

Ich hatte im Rahmen eines Ferienjobs mal Gelegenheit, die aus Stahlträgern zusammengeschraubte Dachkonstsruktion einer Turnhalle mit einer Art Hammerschlag zu streichen. Mit Gasmaske. In kurzen Arbeitsphasen mit langen Pausen. Der Geruch ist ähnlich, nur habe ich jetzt keine Gasmaske.

Man könnte hier im Rahmen des Katastrophenschutzes wunderbar realistisch C-Waffenalarm üben. Der Griff nach links zur ABC-Tasche kommt auch gut zwanzig Jahre nach der Bundeswehr noch instinktiv, nur habe ich die Tasche natürlich nicht mehr umhängen. Die Gummisohlen meiner Schuhe werden brüchig, der Monitor verfärbt sich grünlich, die Schreibtischlampe knistert unruhig und die Pflanzen im Büro rollen die Blätter ein. Seit Beginn der Arbeiten mögen dreißig Minuten vergangen sein, vor zwanzig Minuten habe ich den Geruch erstmals bemerkt (bin ich allein dort, die beiden Kolleginnen sind zu ihrem Glück heute schon mittags gegangen).

Fensteröffnen hat das Geruchsproblem nur verschärft, anscheinend zieht es dann vom dem Flur ausgerechnet durch mein Büro nach draußen, auch bei geschlossener Tür. Das muss an der Windrichtung und den anderen offenen Fenstern liegen. Mir ist etwas übel und gleichzeitig ganz leicht. Ich glaube, Auto sollte ich heute nicht mehr fahren. Ich stelle mir schon das Gespräch mit der Polizei bzw. dem Arzt vor. Nehmen Sie Drogen? Och, kaum, hin und wieder ein Bier, gelegentlich mal ein bisschen Klebstoff im Büro. Nicht wirklich eine gute Idee.

Ich suche also das Weite, setze mich mit dem Notebook in einen leeren Meeting-Raum am anderen Ende des Gebäudes und hoffe, dass das morgen verflogen ist. Nachher riecht bestimmt meine Jacke nach dem Zeug, oder sie zerfällt, wenn ich sie anziehe. Die hängt nämlich noch dort im Dunst. Ich hoffe nur, dass die Teppichleger sich jetzt nicht wochenlang ein Büro des Stockwerks nach dem anderen vornehmen. Da wäre eine einmalige Evakuierung der ganzen Flucht für drei Tage besser…

Advertisements

5 Kommentare on “C-Waffen im Büroalltag”

  1. Unser Teilzeitköter hätte helfen können. Er kann prima biologisch-dynamisch umstinken.

    Gefällt mir

  2. gnaddrig sagt:

    Hm, das hätte was von „vom Regen in die Traufe“. Aber gut, das wäre immerhin bio-Gestank…

    Gefällt mir

  3. Wobei Brunopupse schon fast wieder eine leicht chemoide Note haben, Besonders, wenn er sein Futter wieder mitsamt der Verpackung gefressen hat.

    Gefällt mir

  4. gnaddrig sagt:

    Klingt schon interessant, allerdings die Sorte, von der ich lieber erzählt kriege als sie selbst zu erleben 🙂

    Gefällt mir

  5. Dabei furzt er fast nie. Es sei denn, da wäre Besuch. Dann grundsätzlich.

    Gefällt mir


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s