A.C.A.B.

Neulich unterwegs:

acab

Hier hat ein Straßenkünstler Graffitimensch Freigeist nicht einfach nur hirnlos das mittlerweile allgegenwärtige und deshalb nur noch bedingt als Ausdruck einer Protestkultur taugliche A.C.A.B. (steht für All Coppers Are Bastards – ungefähr Alle Bullen Sind Arschlöcher) an die Glasscheibe des Haltestellenhäuschens geschmiert, sondern tatsächlich die vorgefundene Umgebung in sein Werk einbezogen. Sogar den fehlenden Abkürzungspunkt hat er ganz korrekt hinter das weiße C gesetzt.

Dieses fette weiße C sticht aus dem Schriftzug hervor, ist gewissermaßen betont, Alle Polizisten sind Arschlöcher. Obwohl, gegen wen will er die Polizisten abgrenzen, gegen Nichtpolizisten? Ist doch eh klar. Da wäre es sinnvoller, sich ein vorhandenes B zu suchen. Dann hätte man das Arschlochsein der Zielgruppe betont. Die Aussage wäre dann viel, sagen wir, emotionaler geworden, käme viel druckvoller rüber.

Immerhin sehen wir hier Ansätze einer kontextsensiblen Herangehensweise an (im weitestdenkbaren Sinne gesehene) Street Art. Der Künstler Nomad hat mit seiner Kritik (heutige Graffitisprüher sind unpolitisch, unkreativ und klatschen am PC generiertes billiges Grafikdesign undifferenziert an alle erreichbaren Flächen; großartige Tirade ab ca. 7:00 im verlinkten Video, gewinnt ordentlich Fahrt um 9:10, kulminiert ab 10:29) insofern nur bedingt recht. Während die Arbeit vordergründig recht simpel und stereotyp daherkommt (was wiederum ein künstlerisches Statement sein könnnte), scheint sie nicht am PC gestaltet worden zu sein, zeigt zumindest in der Ausführung des Buchstabens B einen gewissen Mut zur Nonkonformität, ist ganz sicher nicht beliebig auf alle erreichbaren eddingfähigen Oberflächen aufgebracht worden und hat definitiv ein subversiv-politisches Element.

Es gibt also noch Hoffnung für die Street Art, die alte Garde kann beruhigt den Jungen das Feld überlassen…

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2 Kommentare on “A.C.A.B.”

  1. Ich habe allerdings mit Verallgemeinerungen ein Problem. Auch ich kenne Leute, die schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht haben. Ich selbst habe allerdings nur gute gemacht. Das ist genauso gescheit wie „Alle Deutschen sind Rassisten“ oder so….

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  2. gnaddrig sagt:

    Stimmt, es kommt immer auf den Einzelfall an. Bei solchen ACAB-Malereien dürften aber in den seltensten Fällen ernstzunehmende schlechte Erfahrungen mit der Polizei dahinterstehen. Das sieht mir eher nach pubertärer Demonstration der eigenen vermeintlichen Coolheit aus.

    Und wenn jemand wegen sowas mal eins auf die Finger gekriegt hat, wird das (unterstelle ich mal) gleich als Rechtfertigung für Äußerungen à la ACAB und den Kampf gegen das Schweinesystem herangezogen. So lief das jedenfalls bei einigen Möchtegernrevoluzzern, die ich zu Schulzeiten so kannte.

    Schlechte Erfahrungen mit der Polizei sind ein ernstes Thema, über da ich mich jedenfalls nicht lustig mache.

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